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Neye Der Gülle-Gau an der Neye: Überblick

EWR will Schadenersatz von dem Landwirt. Dem Landgericht Hagen liegen inzwischen zwei Klagen vor. Im März waren 1,7 Millionen Liter Gülle in die Neye gelaufen und haben verheerenden Schaden im Naturschutzgebiet angerichtet. Hunderte Tiere starben und sterben. Experten zufolge wird es Jahrzehnte dauern, bis die Natur sich erholt hat.


25. November:  

Ein erster Prozess rund um den Güllegau an der Neyetalsperre ist jetzt vom Tisch. Die Haftpflichtversicherung des verklagten Landwirts aus Halver wird Schadenersatz an die Stadtwerke Remscheid zahlen. Allerdings nur in einem Fall, der vor rund einem Jahr passiert ist. Wegen des größeren Vorfalls im März läuft das Verfahren noch.

 

18. November:

Das herbstliche Wetter momentan wirkt sich positiv auf die Neyetalsperre aus. Nach der Güllekatastrophe hatten sich vor der Talsperrenwand verschiedene Schichten gebildet, viele Algen waren die Folge. Durch das aktuelle Wetter findet jetzt eine Durchmischung der Schichten statt, erklärt der Wupperverband. Das typische Herbstwetter trägt also zur Regerierung der Talsperre bei. Trotzdem: Eine Entwarnung möchte der Wupperverband noch nicht geben und sagt, die Katastrophe ist noch nicht ausgestanden. Die Neyetalsperre wird weiterhin untersucht.

 

09. Oktober: 

Die Stadtwerke Remscheid Tochter EWR verklagt den Landwirt von dessen Hof Gülle in die Neyetalsperre gelangt war. Das haben Stadtwerke und Landgericht Hagen bestätigt. Der EWR gehört die Talsperre.

Zwei Klagen laufen zurzeit parallel, eine wird schon Ende November verhandelt. Dabei geht es um einen Fall von Ende November letzten Jahres. Damals war schon Gülle von dem Bauernhof in den Neyebach gelangt. Er musste aufwendig gereinigt und mit neuen Fischen bestückt werden. Die EWR will dafür mehr als 10.000 Euro von dem Landwirt zurück.

Das zweite Verfahren ist ganz frisch, es gibt noch keinen Termin, so das Landgericht Hagen. Es geht um den Gülle-Gau von Mitte März bei dem bis zu 1,7 Millionen Liter Gülle von dem Hof in den Bach und dann in die Talsperre gelangt waren. Der Streitwert liegt bei mehr als 57.000 Euro.

 

04. September

Jetzt ist das eingetreten, was die Experten befürchtet hatten: Die Neyetalsperre ist voller Blaualgen. Durch den warmen Sommer hat sich das Bakterium ausgebreitet.

Die Folgen sind noch nicht absehbar, sagte Revierförster Volker Leipzig.

Auch wenn es jetzt keine richtig warmen Tage mehr geben würde, verschiebt sich das Problem ins nächste Jahr, so Leipzig. Dann würde sich das Bakterium weiter ausbreiten, Algen würden wuchern. Das könnte zu einem Sauerstoffmangel im Wasser und dann auch zu Fischsterben führen, sagt der Revierförster.

Hundebesitzer sollten ihre Vierbeiner das Wasser lassen nicht trinken lassen. Das Wasser ist vergiftet und für Hunde gesundheitsschädlich. Viel machen könne man nicht - nur hoffen, dass es viel regnet und möglichst viel frisches Wasser in die Talsperre kommt.

 

02. Juli:

Damit die Neyetalsperre in Wipperfürth nicht doch noch umkippt, trifft der Wupperverband weiter Vorkehrungen. Inzwischen wird beispielsweise mehr Wasser aus der Talsperre in den Neyebach geleitet. Hintergrund ist die sauerstoffarme Schicht aus abgelagerten Algen am Boden der Talsperre. Die soll möglichst bald weg, um ein Umkippen zu verhindern. Denn im Herbst würden sich die Schichten der Talsperre wieder durchmischen. Momentan fließen 150 Liter der sauerstoffarmen Schicht pro Sekunde in den Neyebach ab. Dort richtet sie keinen Schaden für die Lebewesen an, weil sie direkt mit Sauerstoff aus dem Bach angereichert wird, heißt es vom Wupperverband. Kommende Woche soll die Menge noch einmal gesteigert werden. Die Ermittlungen gegen den Landwirt dauern an.

 

10. Juni:

Die Gülle-Lager in den Wasserschutzgebieten rund um die Talsperren im Oberbergischen sollen überwacht werden. Dafür wird nun ein Konzept entwickelt. Das haben alle beteiligten Behörden am runden Tisch entschieden. Solch einen Gülle-Unfall soll es nicht noch einmal geben. Deshalb soll nach den Sommerferien überprüft werden, wie viele Gülle-Behälter in den Wasserschutzgebieten stehen. Schätzungsweise sind es rund 200. Auch die Größe und das Alter werden kontrolliert. Dann werden die Behälter in Risikogruppen eingeteilt und vor Ort begutachtet. Gibt es Mängel, werden Maßnahmen ergriffen. Auch ein Neubau eines Behälters kann die Folge sein, sagte ein Sprecher des Oberbergischen Kreises.
Der Kreis wird dazu zusammen mit der Landschaftskammer, dem Agger- und Wupperverband wird das Überwachungskonzept entwickeln.


22. Mai:

Der Wupperverband senkt die Neyetalsperre ab. Dadurch soll ein Umkippen der Talsperre verhindert werden. Wenn das passieren würde, würden Fische sterben und das gesamte Ökosystem empfindlich geschädigt. Schon jetzt vermehren sich die Algen in der Talsperre stark. Um das zu stoppen, muss mehr Sauerstoff auch in die unteren Schichten der Talsperre. Das soll durch das Absenken der Talsperre gelingen. Das Tiefenwasser wird in den Neyebach geleitet. Auswirkungen auf den Bach befürchtet der Wupperverband nicht. Aber er nimmt im Bach, in der Neyetalsperre und auch in der Wupper-Talsperre jetzt regelmäßig Proben.

 

23. April:

Die Gülle-Blase in der Neye-Talsperre ist fast weg. Das meldet der Wupperverband. Der Wupperverband hat 50 Millionen Liter abgepumpt und in der Kläranlage in Hückeswagen gereinigt. Die Messwerte zeigen, dass die Gülle-Blase weitestgehend entfernt wurde. Das Wasser auf dem Talsperrengrund ist inzwischen nicht mehr verfärbt. Es sind aber immer noch Schadstoffe messbar. Trotz der Erfolge hat darum die Algenentwicklung stark zugenommen. Langfristige Auswirkungen sind in der Talsperre nach wie vor nicht absehbar. Der Neye-Bach hingegen ist und bleibt noch lange ökologisch tot.


22. April:

Die Güllekatastrophe an der Neye ist Thema im NRW-Umweltausschuss. Gülle ist in dieser Menge ein Umweltgift. Nur wenn sie richtig dosiert auf die Felder kommt, ist sie ein wertvoller biologischer Dünger, den viele Landwirte bei uns im Bergischen nutzen.

Der aktuelle Stand soll vorgestellt werden. Das Landesumweltministerium will dann prüfen, ob Gesetze verschärft werden müssen und mit allen betroffenen Behörden sprechen. Vielleicht kann die Zusammenarbeit verbessert werden. Verschiedene Behörden hatten in der Vergangenheit schon mit dem Landwirt zu tun, dem der Güllebehälter gehört. Das Ministerium sagt, dass die mögliche Gefahr, die von Güllebehältern vor allem für Gewässer ausgeht, nicht zu unterschätzen ist.

 

31. März:

Starke Regenfälle seit dem Wochenende sorgen für Probleme. Das Klärwerk in Hückeswagen hat keine Speicherkapazitäten mehr frei und kann die Gülle derzeit nicht aufnehmen. Sobald die Regenfälle nachlassen, sollen die Leitungen zum Klärwerk in Hückeswagen wieder geöffnet werden, heißt es vom Wupperverband. Seit Dienstag läuft außerdem Wasser über die Hochwasserentlastung in den Neyebach.

Dieses Oberflächenwasser ist aber laut Wupperverband nicht mit Schadstoffen belastet. Ob das so bleibt, ist laut einer Verbandssprecherin nicht sicher, weil es bisher keinen vergleichbaren Fall gegeben hat. Vor zwei Wochen waren 1700 Kubikmeter Gülle aus einem Behälter eines Landwirtes ausgelaufen.

 

25. März: 

Die Gülle wird seit Mittwochmorgen abgesaugt!

Es gute Nachrichten nach dem Gülle - Gau an der Neye: Es scheint den Experten zu gelingen, einen Großteil der Gülle abzusaugen. Seit Mittwochmorgen wird die Gülle abgepumpt. Das abgepumpte Wasser wird in die Kläranlage in Hückeswagen geleitet.

Das verseuchte Wasser wird durch eine Leitung transportiert, die man oberirdisch bis zum Dienstagabend eigens aufgebaut hat. Ein Großteil der 1,7 Mio Liter Gülle, die in den Neye-Bach geflossen sind, hatte sich in der Tiefe der Neye vor der Staumauer wie in einer Blase angesammelt. Die Gefahr, dass diese Blase platzt, und sich der Großteil der Gülle erst noch verteilt, scheint gebannt zu sein.

Es kann aber dennoch noch Wochen dauern, bis alles abgepumpt und komplett in der Kläranlage ist. Täglich werden 2 Millionen Liter Wasser abgepumpt und gereinigt. Insgesamt sind 50 Millionen Liter Wasser verseucht.

Volker Erbe, zuständig für Kläranlagen beim Wupperverband, geht davon aus, dass die Anlage in Hückeswagen die plötzliche Mehrbelastung verkraftet. Dafür habe man Reserven.

24. März:

Der Gülle-Gau an der Neye zeigt das Versagen der zuständigen Behören. Das sagt der Naturschutzbund NABU NRW.
Er sieht in dem Gülle-Unfall einen Beleg für die Auswüchse der Massentierhaltungs-Industrie auf Kosten der Natur. Die Behörden würden vor solchen Strukturen versagen.

Es wird zunehmend ein Problem, so der NABU NRW, die industriell erzeugte Gülle zu entsorgen. Der Gülle-Tourismus aus Niedersachsen und Holland nimmt laut NABU in letzter Zeit zu. Es wird bei der Massentierhaltung mehr Gülle produziert, als Fläche zum Entsorgen da ist.

Der NABU will wissen, dass in großen Teilen in NRW Bauern damit Geld verdienen, dass sie fremde Gülle verklappen. Über Unfälle wie in Halver müsse man sich dann nicht wundern. Der NABU fordert die Landesbehörden auf, dem Märkischen Kreis in dieser Sache auf den Zahn fühlen.

Der Märkische Kreis wehrt sich gegen Kritik, mit Schuld an der drohenden Umweltkatastrophe in der Neyetalsperre in Wipperfürth zu sein.

Mit dem Landwirt, von dessen Hof in Halver Kotten die Gülle in die Neye geflossen ist, hat der Kreis zwar seit gut einem Jahr Probleme wegen eines Güllebehälters, so eine Sprecherin. Das habe aber nichts mit dem aktuellen Vorfall zu tun. Denn der Kreis geht von einer Straftat aus, da die Polizei wegen Sabotage ermittelt.

Aus dem Behälter war die Gülle über einen angebrachten Schlauch in die Neye gelangt. Der Landwirt hat mitgeteilt, den Behälter jetzt zu entleeren, damit ihn Mitarbeiter der Unteren Bauaufsicht untersuchen können. Das war seit Monaten nicht möglich, weil der Behälter nie komplett leer war, wenn ihn sich die Kontrolleure inspizieren wollten.
Dem Landwirt wurden deshalb Zwangsgelder auferlegt, die er aber nie gezahlt hat.


23. März:

Schneller als erwartet hat sich die ausgetretene Gülle ihren Weg gebahnt und schon die Neyetalsperre in Wipperfürth erreicht.

Die wahre Katastrophe könnte erst noch bevorstehen:

Ein Großteil der 1,7 Millionen Liter Gülle befindet sich wahrscheinlich auf dem Grund der Talsperre vor der Staumauer in Wipperfürth. Vor der Staumauer hat sich eine Gülle-Blase in 18 bis 25 Metern Tiefe gebildet. Wenn sie "platzt", ist laut Experten nichts mehr zu retten.

Sie suchen fieberhaft nach einem Weg, die Blase abzusaugen.

Außerdem gehen Experten davon aus, dass nicht nur Gülle von einem Bauernhof in Halver-Kötten in die Neye geflossen ist, sondern auch giftige Biogas-Reste.

Der Wupperverband und die EWR beraten, wie die giftigen Stoffe aus der Talsperre entfernt werden können. Eine Möglichkeit ist, die Gülle per Saugrüssel aus dem Auffangbecken der Neyetalsperre zu beseitigen. Die Zeit drängt. Je wärmer das Talsperrenwasser wird, umso schneller vermischt es sich mit den Giftstoffen. Zudem führt die Neyetalsperre aktuell sehr viel Wasser und könnte überlaufen, sollte es in den nächsten Tagen viel regnen.

Dann wäre auch die Wupper betroffen.

Am Dienstag werden weitere Wasseruntersuchungsergebnisse erwartet.
Frühestens Mittwochvormittag wird eine Entscheidung gefällt. Es gibt im Moment einfach zu viele Unwägbarkeiten, sagt eine Sprecherin.

Es war nicht das erste Mal, dass Gülle auf dem Hof in Halver-Kotten ausgelaufen ist.

Das hat uns die zuständige Untere Wasserbehörde bestätigt. Und die wahre Katastrophe droht erst noch.
Im November letzten Jahres ist schon einmal eine geringe Menge Gülle ausgelaufen. Damals hatte die Behörde festgestellt, dass der Gülletank nicht genehmigt ist.
Nachdem am 18. März 1,7 Millionen Liter Gülle aus dem Behälter in die Neye geflossen sind, prüft die Behörde jetzt, ob der Betreiber zwischenzeitlich die Auflagen erfüllt hat. Der Bauer darf jetzt erst einmal keine Gülle mehr in den Behälter füllen. Er darf die restliche Gülle auch nur mit Genehmigung der Behörde entnehmen. Als Schutz vor weiterem Auslaufen wurden eine Auffangmulde errichtet und eine defekte Mulde repariert. Die Kripo ermittelt nach wie vor auf Verdacht der Sabotage.

Die Mitteilung des zuständigen Märkischen Kreises im Wortlaut:

Der Betrieb hat die Untere Wasserbehörde schon mal im November 2014 verständigt, weil Gülle in geringerem Umfang ausgelaufen ist. Die Kripo hat damals ermittelt, dass es beim Umfüllen der Gülle passiert sein soll.
Dabei stellte sich heraus, dass der neue Gülletank so nicht genehmigt worden war. Statt 5,80 Meter ist der Behälter 8 Meter hoch. Genehmigte Füllhöhe ist 5,80 Meter. Der Behälter hat einen Radius von 15 Metern und einen Durchmesser von 30 Metern. Die Baugenehmigung erfolgte 1. 10. 2011. Gebaut wurde im Dezember 2013.

Der Betreiber wurde aufgefordert, eine Rückhaltevorrichtung zu bauen.
Die Baubehörde prüft, ob der neue Güllebehälter standsicher und dicht ist.
Dafür muss der Güllebehälter aber leer sein. Das heißt, dass der Betreiber keine Gülle mehr zufüllen darf. Der Betreiber wurde mehrmals aufgefordert (mit Verhängung von Zwangsgeld), den Güllebehälter zu leeren.
Außerdem prüft die Baubehörde inwieweit die Baugenehmigung für den Güllebehälter wirksam ist, da die Genehmigung im Zusammenhang mit dem Bau eines Viehstalles erteilt wurde.
Der Stall wurde aber bisher noch nicht errichtet.


Aktuell wurden folgende Maßnahmen ergriffen:
- Sicherung des Schlauchs, mit dem die Entnahme erfolgt ist
- Versiegelung des Einfüllstutzens
- Absperrung des Güllebehälters
- der Betreiber darf nur mit Genehmigung der Unteren Wasserbehörde Gülle entnehmen
- es darf keine Gülle mehr eingefüllt werden
- als Schutz vor möglichen Auslaufen wurde eine zusätzliche Auffangmulde errichtet und eine defekte Auffangmulde repariert.

Die Kripo ermittelt weiterhin auf Verdacht der Sabotage.


19. März:

In den Neye-Bach in Halver-Kotten ist am 18. März 2015 eine große Menge Gülle gelaufen. 1,7 Millionen Liter. Der Bach mündet in die Neyetalsperre in Wipperfürth.

Die Gülle stammt aus dem Güllebehälter eines Landwirts und ist wohl über eine offene Leitung am Behälter ausgelaufen. Wie das genau passieren konnte, muss noch untersucht werden. Die Kripo des Märkischen Kreises ermittelt.

Die Neyetalsperre ist zurzeit keine Trinkwassertalsperre. Der Wupperverband nutzt sie für Brauchwasser. Nur im Notfall, bei einem Wassermangel wird Wasser aus dieser Talsperre als Trinkwasser benutzt.

Das Ökosystem an der Neye ist laut Experten für Jahrzehnte zerstört.

Hundebesitzer sind an der Neyetalsperre zu besonderer Vorsicht aufgerufen worden. Nach Angaben des zuständigen Revierförsters sollten Hunde im Einlaufbereich zur Talsperre kein Wasser trinken.


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