Brigitte Mackscheidt heute über die
Tücken der Dunkelheit
Wöchentlich schreiben Radio Berg-Mitarbeiter
über ihre persönlichen Erlebnisse in der Rubrik Team
Intim im Bergischen Handelsblatt, dem Anzeigenecho und dem
Lokalanzeiger Waldbröl. Die jeweils aktuellen Texte finden Sie
hier. Heute geht es um die Tücken im Dunkeln.
Endlich ist es nicht mehr so dunkel. Das ist besonders dann
toll, wenn man mitten in der Nacht zu arbeiten beginnt. Wie ich
z.B., wenn Sie mich morgens ab 6 Uhr im Radio hören.
Vielleicht denken einige von Ihnen, ich sei dann gerade erst
aufgestanden. Vielleicht klinge ich sogar so. Jedenfalls ist es
nicht so. Ich bin dann schon länger wach und auch schon
länger da. Und das heißt, ich renne zu einer Zeit herum,
wo es oft noch dunkel ist. Aber das hört jetzt langsam auf.
Und das ist gut so.
Denn da ist zum Beispiel diese Treppe vor unserem Haus. Die ist
zwar beleuchtet, mit Bewegungsmelder. Aber der Bewegungsmelder ist
für durchschnittliche Hausbewohner programmiert, solche, die
von der Arbeit nachhause kommen, wenn es dunkel ist, also abends.
Sie ist nicht für Hausbewohner wie mich programmiert, die zur
Arbeit gehen, wenn es dunkel ist, also nachts. Der Bewegungsmelder
befiehlt "Licht an", wenn jemand kommt, nicht, wenn
jemand geht.
Da habe ich also den Salat. Denn zu allem Überfluss ist
offenbar auch die Gemeindeverwaltung der Meinung, dass unsere
Straße immer noch unbewohnt ist. Keine Laterne in
Hausnähe, es ist einfach zappenduster.
Verlasse ich also nachts das Haus, gehe ich nach links geneigt auf
die Treppe zu. Nach links geneigt, um noch möglichst viel
Licht von der Lampe über der Haustür hinter mir auf die
Treppe fallen zu lassen. Ich speichere ein, was ich in diesem
letzten Licht noch sehen kann und versuche dann, aus dieser
Erinnerung heraus die Stufen zu treffen. Etwa auf der Hälfte
der Treppe angekommen, fange ich an, mit den Armen zu winken: der
bescheuerte Versuch, den Bewegungsmelder auf mich aufmerksam zu
machen. "Hoffentlich sieht mich keiner", denke ich jedes
Mal, und im nächsten Augenblick wird mir der Witz dieses
Gedankens klar.
Wenn Sie mich morgen früh im Radio hören, habe ich wieder
eine Treppe überlebt. Und wenn Sie von der Gemeinde
Kürten sind: Ich wünsche mir eine Laterne! Schön,
dass es jetzt wieder früher hell wird.