Kino / Portraits

Tatort-Beschnuppern mit dem blauen Panther

Am Freitag, 4. Mai, überträgt der BR die Verleihung des "Bayerischen Fernsehpreises"

Das deutsche Fernsehen ist grausam. Es ist ein System, in dem die Quote über Wohl und Wehe einer Produktion entscheidet - und in dem Redakteure auf Nummer Sicher gehen und per Vorabzensur festlegen, was den Zuschauern zu gefallen hat. Gleichzeitig ist Deutschland auch ein Luxus-Land - wegen der ungewöhnlich vielen TV-Preise. Die bekommen auch Qualitätsformate verliehen, die übersehen werden. Beim Bayerischen Fernsehpreis hat Bjarne Mädel vom NDR-"Tatortreiniger", der im Spätprogramm zu sehen war, gute Chancen auf eine Auszeichnung. Dass seine skurrile Krimi-Comedy bereits den Grimme-Preis gewann, stört nicht weiter. Der BR überträgt die Verleihung am Freitag, 4. Mai, ab 19.00 Uhr live.

In diesem Jahr dürfte der Wohlfühl-Faktor bei Teilnehmern, Veranstaltern und Publikum besonders hoch ausfallen, weil der "Bayerische Fernsehpreis" sozusagen nach Hause kommt. Nicht dass er in den Vorjahren etwa anderswo als im ehrwürdigen Münchner Prinzregententheater verliehen wurde, doch diesmal überträgt turnusgemäß wieder das Bayerische Fernsehen das Spektakel - angeführt vom charmanten, durchaus aber auch spritzig-bissigen Conferencier Christoph Süß. Und damit ist dem Bussi-Bussi-Event der nicht ausschließlich, aber eben dominant vertretenen Münchner Film- und Fernsehszene ein Ehrenplatz zur besten Sendezeit sicher. Dass RTL im Vorjahr die Gala, auf die man an der Isar so stolz ist, im Nachtprogramm versteckte, nahm man dem Privatsender übel.

Vielleicht mag der etwas zurückhaltende Fernsehpreis-Enthusiasmus der Werbe-Sender allerdings daran liegen, dass auch in München - wie bei ähnlich gelagerten Jury-Prämierungen - die Privaten ohnehin meist schlechte Siegchancen haben und die meisten der begehrten Auszeichnungen unter den Öffentlich-Rechtlichen aufgeteilt werden. In dieser Hinsicht dürfte die Vergabe der bayerischen "Blauen Panther" keine Ausnahme machen.

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Schon bei den Nominierungen dominieren ARD, ZDF, ARD-Dritte und ARTE. Allerdings dürfen sich in der Kategorie "Beste Schauspielerin in einem Fernsehfilm" Miriam Weichselbraun für die SAT.1-Komödie "Unter Umständen verliebt" und Anja Kling in der Sparte "Beste Schauspielerin in Serien und Reihen" dank ihres Auftritts im Krimi "Hannah Mangold & Lucy Palm" (ebenfalls SAT.1) Siegchancen ausrechnen.

Dass das ZDF bei den Darstellerinnen der Fernsehfilm-Kategorie gute Chancen hat, ist eine Frage der Mathematik. Immerhin sind mit Anna Loos ("Die Lehrerin") und Lisa Maria Potthoff ("Tödlicher Rausch") zwei Weichselbraun-Konkurrentinnen in ZDF-Produktionen nominiert. Ähnlich das Bild bei den Serien- und Reihen-Darstellerinnen: Hier wetteifern zwei ARD-Schauspielerinnen - nämlich Sibel Kekilli für "Tatort: Borowski und die Frau am Fenster" und Nina Kunzendorf für "Tatort: Der Tote im Nachtzug" mit der SAT.1-Vertreterin Anja Kling.

Der erstgenannte ARD-Krimi, der vom NDR kommt, brachte auch Axel Milberg eine Nominierung ein, der mit "Tatort: Borowski und die Frau am Fenster" in der Kategorie "Bester Schauspieler in Serien und Reihen" gewinnen könnte. Er tritt gegen Matthias Brandt aus der im vergangenen Jahr wegen angeblicher Jugendschutzbedenken umstrittenen BR-Produktion "Polizeiruf 101: Denn sie wissen nicht was sie tun" und gegen den "Tatortreiniger" Bjarne Mädel (NDR) an. Bei den männlichen Fernsehfilm-Schauspielern zieht Ulrich Noethen für die ZDF-ARTE-Koproduktion "Das unsichtbare Mädchen" gegen Armin Rohde ("Alleingang", ARD/BR) und Wotan Wilke Möhring ("Der letzte schöne Tag", ARD/WDR) ins Rennen.

Keine Sorgen, womöglich zu kurz zu kommen, müssen sich die altgedienten Münchner "Tatort"-Kommissare Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec machen. Die beiden beliebten Schauspieler erhalten den diesjährigen Ehrenpreis, der vom Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer verliehen wird. Sie präsentieren seit über 20 Jahren ein weltoffenes Bild Bayerns, lautet die Begründung für ihre Wahl.

Doch nicht nur das Siegen (samt der mehr oder minder einstudiert emotionalen Dankesreden) steht im Münchner Prinzregententheater auf dem Programm, die Veranstaltung soll auch wieder ein schmissiger Unterhaltungsabend sein. Deswegen wurde diesmal die Popgruppe Unheilig eingeladen, die mit Balladen wie dem Dauerbrenner "Geboren um zu leben" die Charts gestürmt hatte. Ein wenig bajuwarisches Lokalkolorit, das man beim BR gerne auch skurril interpretiert, soll schließlich die Desperado-Truppe Django 3000 einbringen. Die jungen Männer vom Chiemsee interpretieren traditionelle Volksmusik eher eigenwillig. Aber man befindet sich ja, wie erwähnt, zu Hause.

Rupert Sommer

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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