Kino / Portraits

Mit Wärmflasche auf Mauritius

Anja Knauer ist die "Inselärztin" (Freitag, 19. und 26. Januar, 20.15 Uhr, ARD)

Es ist Abend. Die Sonne ist bereits untergegangen, und, man höre und staune, Anja Knauer (38) bestellt sich an der Hotelbar einen Tee, weil es etwas frisch ist. Und das auf Mauritius. Zur Verteidigung der Paradies-Insel muss man wohl anmerken, dass die Dreharbeiten für die "Inselärztin" von Mai bis Juli stattfanden, wenn auf der Südhalbkugel Winter herrscht. Trotzdem hätte man sich für einen abendlichen Barbesuch an diesem Ort etwas anderes vorgestellt als Tee ... - Im Interview, das während der Dreharbeiten am traumhaften Insel-Set stattfindet, berichtet die Schauspielerin, die in der neuen ARD-Reihe die titelgebende Ärztin Filipa Wagner verkörpert, dass es auch abseits des abendlichen Fröstelns durchaus Momente gab, in denen sie eine Gänsehaut hatte.

teleschau: Waren Ihre Freunde neidisch, als es hieß: Ich bin dann mal weg - auf Arbeit in Mauritius?

Knauer: Sehr! Ich hatte aber durchaus Respekt davor, auf Mauritius zu arbeiten. Vor allem hatte ich Respekt vor der Hitze. Das lange Wegsein finde ich dagegen gar nicht schlimm. Aber man darf das jetzt trotzdem nicht mit Urlaub verwechseln.

teleschau: Was haben Sie als erstes gemacht, als Sie hier angekommen sind?

Knauer: Ich bin ins Meer gegangen. Als allererstes. Und mir fällt gerade auf, das ist auch das erste, was Filipa macht, als sie hier ankommt. Ich habe meine Sachen hier abgestellt und bin einfach ins Wasser gehüpft.

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teleschau: Trotz all der Sonne wird eigentlich im Winter gedreht. Haben Sie vielleicht sogar schon Mal gefroren?

Knauer: Ja. An einem Tag habe ich nur im Meer gedreht, und mir wurde am Abend einfach nicht mehr warm. Ich saß tatsächlich mit Wärmflasche und Decken auf Mauritius im Hotelzimmer, und mir war kalt. Da hat nichts mehr geholfen. Nicht gerade das, was man sich unter Arbeiten auf Mauritius vorstellt (lacht). Aber das war schon eher die Ausnahme.

teleschau: Was vermissen Sie in der Zeit hier am meisten?

Knauer: Irgendwann vermisse ich immer meine Wohnung. Ich bin jemand, der sehr gerne ein richtiges Zuhause hat. Und vor allem meine Küche. So toll das ist, immer in den verschiedenen Hotel-Restaurants zu essen, ich koche gerne zu Hause für mich. Hier nicht kochen zu können, das nervt mich tatsächlich schon manchmal. Auch wenn das schwer vorstellbar ist (lacht). Luxusprobleme!

teleschau: Also besteht keine Gefahr, dass Sie irgendwann die Koffer packen und nach Mauritius abhauen?

Knauer: Ne, ehrlich gesagt nicht. Ich reise sehr gerne und sehr viel, also anders, als wir hier jetzt wohnen, nicht so luxuriös, sondern mit dem Rucksack. Aber trotz allem brauche ich schon auch meine Basis, wie ich sie eben in Berlin habe. Wenn diese Voraussetzung gegeben ist, dann könnte ich mir vorstellen, ein halbes Jahr woanders zu verbringen. Ich habe auch selten Heimweh. So ganz die Zelte abbrechen, glaube ich aber nicht, dass ich das könnte. Mir würde einfach kein Grund einfallen, warum ich das tun sollte.

teleschau: Wie schwer ist es, seinem Umfeld klarzumachen, dass man wirklich zum Arbeiten hier ist?

Knauer: Sehr schwer (lacht). Aber es ist tatsächlich so, dass ich hier hart arbeite. Beim Film sind Zwölf-Stunden-Tage normal. Und wenn man so eine große Rolle hat, wird man eben immer gebraucht. Vor allem, weil wir ja gleich zwei Filme drehen. Aber ich sehe das in erster Linie als Herausforderung und freue mich sehr, an so einem schönen Ort arbeiten zu dürfen, während es in Berlin meist noch grau ist und den ganzen Tag regnet.

teleschau: Sie spielen Filipa Wagner, eine Chirurgin - wüssten Sie, was zu tun wäre, wenn hier jetzt jemand umkippt?

Knauer: Ja, ich habe einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht, deswegen weiß ich: Erst fühle ich den Puls, dann kommt die stabile Seitenlage, dann den Hals überstrecken, damit der Patient Luft bekommt, dann hole ich den Krankenwagen und dann hört's aber auch auf. Ich bin einigermaßen gut informiert (lacht).

teleschau: Wie haben Sie sich sonst auf die Rolle vorbereitet?

Knauer: Ich habe letztes Jahr schon einmal eine Ärztin gespielt, da wusste ich bereits, dass ich hierher komme. Deswegen beschloss ich, mir das Ganze mal anzugucken. Ich hatte die Möglichkeit, über einen befreundeten Assistenzarzt 24 Stunden in Berlin in einer Notaufnahme zu verbringen.

teleschau: Wie war die Erfahrung?

Knauer: Total aufschlussreich und megaspannend. Man kann sich als Schauspieler immer vieles denken, aber da habe ich dann einfach ganz andere Sachen bemerkt. Zum Beispiel rennen Ärzte nie, egal was ist. Das hat man mir wie so ein Credo kommuniziert - man macht das nicht, weil die Sekunde, die man früher da ist, geht so auf die Konzentration, dass das eben verboten ist. Ich habe einen riesen Respekt vor diesem Beruf. Diese Arbeitszeiten, die Verantwortung, die man hat, die ganzen Schicksale, die einem begegnen. Mich würde das zu sehr mitnehmen.

teleschau: Aber Sie rennen als Filipa, das konnte man beim Dreh am Strand beobachten ...

Knauer: Ja, ich weiß. Ich habe mich überzeugen lassen, denn manches im Film muss anders erzählt werden. Es käme im Film einfach komisch, wenn die Ärztin in einem Notfall gemächlich zum Patienten schleicht. Vor allem sind die Wege der Inselärztin aber auch etwas weiter als in der Notaufnahme. Ich muss da schon mal einen halben Kilometer über den Strand zum Patienten laufen.

teleschau: Wie oft mussten Sie rennen, bis die Szene im Kasten war?

Knauer: Ich glaube zehnmal, in der Mittagshitze. Augen auf bei der Berufswahl (lacht)! Mal sehen, wie viel davon dann im Film ist.

teleschau: Was war das schönste Erlebnis in Ihrer Zeit bisher?

Knauer: Eigentlich ist jeder Sonnenuntergang großes Kino. Das ist schon ein sehr besonderer Ort hier. Was auch ganz toll war, wir waren einmal an einem Samstag mit Delfinen schwimmen. Da waren wirklich hunderte Delfine, die neben mir im Wasser schwammen. Das war schon sehr besonders.

teleschau: Jetzt glaubt wieder niemand, dass das hier harte Arbeit ist ...

Knauer: Stimmt (lacht). Eigentlich sollte ich noch viel mehr jammern, wie schlimm alles ist.

teleschau: Was hat Sie - abgesehen von den Bedingungen - davon überzeugt, die Rolle anzunehmen?

Knauer: Ich fand, dass das Buch sehr gut ist. Weil es darüber hinausgeht, was der Titel vielleicht suggeriert: Wir zeigen die Fünf-Sterne-Welt in diesem Hotel, wo man andauernd das Gefühl hat, in einer Postkarte zu leben. Aber vor allem zeigen wir auch die Leute, die hier arbeiten, die Küche, die Angestellten, der Stress und immense Druck, der dort herrscht, wird thematisiert, wie auch das Leben der Einheimischen. Zudem finde ich, dass die Filipa eine sehr spannende Frauenfigur ist.

teleschau: Inwiefern?

Knauer: Es geht bei ihr nicht darum, dass sie unbedingt einen Mann finden muss, der sie rettet und ihr bei ihren Problemen hilft. Sondern sie hilft sich selbst. Ich finde, das ist im Deutschen Fernsehen immer noch ein leidiges Thema, dass die Frau immer irgendwie gerettet werden muss. Auch die Typen sind immer die gleichen. Es gibt die kühle Frau, die Ulknudel und die empfindsame Frau. Ich finde, wenn eine Schublade aufgeht, wird's uninteressant. Deshalb ist es toll, wenn man Frauen endlich einmal unabhängig ihres Geschlechts erzählt. Natürlich geht es bei der "Inselärztin" auch um Beziehungen, irgendwann auch um die große Liebe. Aber eben nicht nur und vor allen Dingen immer auf Augenhöhe. Filipa passt sehr schwer in eine Schublade. Und das ist auch mein Anliegen, das so weit wie möglich weiterzutreiben.

teleschau: Sie wären also bei weiteren Filmen dabei?

Knauer: Wenn die Geschichte gut ist, definitiv!

Amelie Heinz

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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