Kino / Portraits

"Die Zuschauer werden es lieben"

Helmut Zierl spielt in der neuen ARD-Reihe "Die Inselärztin" (Freitag, 19. und 26. Januar, 20.15 Uhr, ARD)

Vom "Traumschiff" zum "Traumhotel" zur "Inselärztin": Es wirkt ein wenig so, als würde sich Helmut Zierl seine Rollen jeweils nach den schönsten Drehorten aussuchen. Doch dass die Arbeit auch auf einer Paradies-Insel wie Mauritius sehr schweißtreibend sein kann, das verriet der 63-Jährige bei einem Gespräch an der Bar des Luxushotels "Dinarobin", welches der neuen ARD-Reihe als Kulisse dient: "Der Zuschauer sieht die Sonne, die Palmen, den Strand und denkt, dass Schauspieler bei solchen Drehorten immer nur in Badehose am Strand liegen. In der Realität sieht das ganz anders aus." Alle 30 Minuten habe er bei einem Dreh in der Mittagshitze seine Hemden wechseln müssen, weil sie völlig durchgeschwitzt waren. Trotzdem kann der Schauspieler nicht ganz verleugnen, welch Geschenk es ist, ein paar Wochen auf einer Trauminsel wie Mauritius arbeiten zu dürfen. Zudem zeigt sich der eingefleischte Schleswig-Holsteiner überzeugt, dass die Filme gut beim Publikum ankommen werden: "Die Zuschauer werden es lieben!"

teleschau: Sie waren ein paarmal mit dem "Traumschiff" unterwegs, jetzt sind Sie bei der "Inselärztin". Die Locations sind bei beiden Formaten traumhaft. Aber wo hat es Ihnen besser gefallen?

Helmut Zierl: Das kann ich schlecht sagen,weil alle Drehorte schön waren. Beim "Traumschiff" haben mich die Dreharbeiten auf dem Schiff immer eher gelangweilt. Es waren die Tagesausflüge, die reizvoll waren. Und dann natürlich der gesamte Landdreh. So kam ich nach Brasilien, Papua-Neuguinea, Namibia oder auf die Seychellen. Auf dem Schiff war es manchmal Spießrutenlauf.

teleschau: Wieso das?

Zierl: Wenn man auf so einem Schiff dreht, kann man nicht weg. Da ist man immer ausgeliefert. Den zahlenden Gästen, aber auch den Kollegen. Man ist drei Wochen lang von morgens bis abends mit den gleichen Menschen zusammen, und irgendwann erschöpfen sich dann auch einmal die Gesprächsthemen. Es ist ein bisschen wie ein Klassenausflug - nur, dass man eben schon erwachsen ist.

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teleschau: Und so ist es bei der "Inselärztin" nicht?

Zierl: Genau. Man kann hier auch mal ein Auto mieten, wegfahren und eben einfach für sich alleine sein. Das ist mir immer ganz wichtig.

teleschau: Denken Sie sich manchmal: Jetzt hatte ich ein paar Monate zu Hause, jetzt könnte mal wieder ein Angebot fürs Ausland kommen?

Zierl: Je älter ich werde, desto stärker werden meine Wurzeln. Ich komme aus Schleswig-Holstein und hänge mit Leib und Seele an diesem Bundesland. Für mich ist es das schönste in Deutschland. Es hat die Nordsee, die Ostsee, die Seenplatte. Und das Allergenialste an Schleswig-Holstein ist, es hat eine der schönsten Städte der Welt vor der "Haustür", nämlich Hamburg. Ich wohne eine halbe Stunde von Hamburg weg. Einfach genial.

teleschau: Und früher waren Sie anders?

Zierl: Ich hatte als Kind schmerzendes Fernweh. Ich wollte immer weg, weg, weg. Als Kind habe ich direkt an der Nordsee gewohnt, wo das Land total flach ist. Damals habe ich Karl May gelesen, aus dem Fenster gesehen und mich weggewünscht. Da muss wohl jemand ganz große Ohren gehabt haben da oben und gesagt haben: Okay, du kriegst deine Reisen. Jetzt habe ich die ganze Welt gesehen und gerade durch dieses Herumreisen kann ich es im Alter sehr schätzen, wenn ich zu Hause bin und zur Ruhe kommen kann.

teleschau: Was war für Sie auf Mauritius der schweißtreibendste Dreh?

Zierl: Ich spiele den Hoteldirektor und habe insofern wirklich ganz schlechte Karten, denn ich bin der einzige Mensch in der ganzen Anlage, der mit Anzug, Hemd, Weste, Krawatte und Jackett hier herumrennen muss. Zwei oder drei Strandszenen, in denen ich eine Auseinandersetzung mit meinem Sohn spielen sollte, waren dann auch wirklich bitter und eine große Herausforderung. In voller Montur in der prallen Sonne mussten wir die Szene mehrfach durchgehen. Ich hatte ungefähr alle 30 Minuten einen Hemdenwechsel, weil alles völlig durchgeschwitzt war.

teleschau: Hoteldirektor wäre also nicht so sehr Ihr Ding?

Zierl: Wenn, dann nur in klimatisierten Räumen (lacht). Der Zuschauer sieht die Sonne, die Palmen, den Strand und denkt, dass Schauspieler bei solchen Drehorten immer nur in Badehose am Strand liegen und zwischendurch ein bisschen arbeiten. In der Realität sieht das ganz anders aus. Es ist wirklich anstrengend.

teleschau: Dafür wird man bei einem Dreh in einem Luxushotel sehr verwöhnt, was die Verpflegung betrifft.

Zierl: Da halte ich mich sehr zurück. Ich nutze das, was diese Region bietet, esse viel Obst, und vermeide diese Ecke, wo es Dessert gibt (lacht). Meine Anzüge sind sehr eng, ich kann mir das gar nicht leisten, so zuzunehmen, zumal wir ja auf eine Fortsetzung hoffen.

teleschau: Man lebt in solch einer Fünf-Sterne-Anlage ja schon ein wenig in einer Blase. Das hat mit dem Leben auf Mauritius wahrscheinlich gar nicht so viel zu tun ...

Zierl: Das mag sein, aber darüber will ich mich jetzt wirklich nicht beschweren, das wäre Jammern auf hohem Niveau. An den Wochenenden entfliehe ich auch gerne dieser Blase, indem ich ins Landesinnere abtauche. Das Geniale an der "Inselärztin" ist, dass die Filme nicht nur von Urlaub, Sonne, Strand erzählen, sondern, dass all das mit einer Arztreihe verbunden wird und so die Einheimischen mit eingebunden werden.

teleschau: "Klinik unter Palmen 2.0" also ...

Zierl: Ähnlichkeiten sind vorhanden. Aber natürlich ganz anders (lacht)! Im Ernst, allein die Erzählweise dieser Filme ist besonders. Wir haben das Jahr 2017. Es gibt andere Möglichkeiten. Es werden beispielsweise Drohnen für die Luftaufnahmen benutzt. Das ermöglicht ungewöhnliche, fantastische Bilder. Der Schnitt ist schnell und modern. Ich könnte mir vorstellen, dass es sehr erfolgreich wird. Die Zuschauer werden es lieben.

teleschau: Sie haben unter anderem schon in Australien und auf den Bermudas gedreht. Sie zieht es offensichtlich mit der Arbeit immer eher in die Wärme ...

Zierl: Ich glaube, ich habe einfach nur sehr viel Glück gehabt. Meine ersten Schritte als Schauspieler habe ich in Hamburg gemacht. Und diese Drehs im Winter, bei drei Grad Nieselregen, im Freihafen, Dock 10, waren nicht wirklich prickelnd (lacht). Da ist mir die Sonne dann doch lieber.

teleschau: Wieso kriegen die Deutschen von solchen "Wolfühlformaten" nicht genug?

Zierl: Ich glaube, der deutsche Zuschauer hat vor allem im gnadenlos langen Winter eine Sehnsucht nach Sonne, Palmen und Strand. Dazu bieten leichte Geschichten, die sie aus ihrem Alltag entführen, angenehme, beste Unterhaltung. Übrigens mögen nicht nur Frauen solche Formate, auch Männer sprechen mich oft an, wenn sie mich in einer solchen Produktion gesehen haben und loben sie.

teleschau: In einem Interview wurden Sie einmal als "charmanter Spitzbube" bezeichnet. Können Sie sich damit identifizieren?

Zierl: Wie lange ist das Interview her (lacht)? Nein, wenn ich so gesehen werde, habe ich kein Problem damit. Aber das liegt ja immer im Auge des Betrachters. Ich glaube, Charme hat man oder hat man nicht. Und spitzbübisch ist tatsächlich eine Eigenschaft, die mir sehr nahe ist. Ich mache sehr gerne Scherze, und necke gerne Leute. Das liegt mir tausendmal näher, als grantelnd und grummelnd durchs Leben zu gehen.

teleschau: Sie arbeiten seit rund 40 Jahren als Schauspieler - wie geht's bei Ihnen weiter?

Zierl: Fürs kommende Jahr gibt es schon einige interessante Anfragen. Das ist ja das Schöne. Falls die Gesundheit mitspielen sollte, kann man in diesem Beruf bis ins hohe Alter weitermachen. Ich habe überhaupt keine Veranlassung, aufzuhören. Und mittlerweile habe ich jetzt altersgemäß Rollenangebote, die wesentlich mehr Tiefgang haben als früher. Sie glauben ja gar nicht, wie oft mich als junger Schauspieler diese Liebhaber-Rollen gelangweilt haben, sowohl am Theater als auch beim Film. "Aber Susi, ich liebe dich doch. Was hat er, was ich nicht habe?" Es war wirklich oft öde und ist mit 63 Jahren allmählich Vergangenheit (lacht). Ich schaue neugierig nach vorne.

Amelie Heinz

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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