Kino / Portraits

Optimistin auf der Kommandobrücke

Sonequa Martin-Green spielt die Hauptrolle in "Star Trek: Discovery" (zweite Hälfte der ersten Staffel seit Montag, 8. Januar, auf Netflix)

Wenn sie lacht, scheint der ganze Raum zu erbeben. Zudem hat man bei Sonequa Martin-Green von Beginn an das Gefühl, als könnte man sich stundenlang mit ihr unterhalten, ohne, dass einem der Gesprächsstoff ausgeht. In der Serie "Star Trek: Discovery" (zweite Hälfte der ersten Staffel seit Montag, 8. Januar, auf Netflix) sieht das etwas anders aus: Die Schauspielerin verkörpert die erschreckend emotionslose Michael Burnham, ihres Zeichens erste Meuterin der Sternenflotte und Ziehtochter von Spocks Vater Sarek. Doch in eine andere Haut zu schlüpfen das ist ihrer Meinung nach schließlich der Reiz der Schauspielerei, wie die charismatische 32-Jährige beim Interview in London betont.

teleschau: Sie spielen in "Discovery" die auf Vulkan aufgewachsene Michael Burnham. Wie oft mussten Sie für Fans den vulkanischen Gruß machen, seit die Serie zu sehen ist?

Sonequa Martin-Green: Ziemlich oft, aber das ist okay. Dass ich den vulkanischen Gruß machen darf, war eines der Dinge, über die ich mich am meisten gefreut habe (lacht). Ich musste ihn nicht einmal üben. Das habe ich als Zeichen gesehen.

teleschau: Trekkies bilden eine sehr spezielle Fan-Gemeinde. Hatten Sie Angst, die Hauptrolle in einer neuen "Star Trek"-Serie zu übernehmen?

Martin-Green: Ich würde nicht sagen, dass ich Angst hatte. Aber ich war mir der Fans sehr bewusst. Ich verstehe, wie wichtig das Erbe von "Star Trek" für viele ist. Die Trekkies wollen eben sichergehen, dass wir diese Welt verstehen, wenn wir eine solche Serie machen. Das liebe ich auch an "Discovery": Wir haben das Vermächtnis sehr ernst genommen.

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teleschau: Wie fielen die ersten Reaktionen aus?

Martin-Green: Bis jetzt waren die meisten überwältigend positiv. Wir wussten, dass wir die Fans stolz machen wollten, wir wussten, dass wir die Leute erreichen wollen, die schon seit Jahren auf dieser Reise sind, aber wir wollten auch ein wenig unser eigenes "Ding" machen. Wir wollten auch die erreichen, die vielleicht noch nie eine Folge "Star Trek" gesehen haben. Dann haben wir festgestellt, dass es schwierig ist, etwas Neues zu entwickeln, wenn man die ganze Zeit Angst vor schlechten Kritiken und enttäuschten Trekkies hat. Wir mussten deshalb den ganzen Druck, der sich im Vorfeld aufgebaut hatte, einfach mal vergessen. Zu viel Druck kann die ganze Kreativität ersticken.

teleschau: Haben Sie die alten "Star Trek"-Sachen gesehen?

Martin-Green: Ich erinnere mich wage daran, dass die TV-Shows im Fernsehen liefen als ich aufwuchs. Allerdings saß ich nicht mit meinen Eltern vorm Fernseher und hab mir "Star Trek" gezielt angesehen. Als ich dann die Rolle bekam, wollte ich das unbedingt nachholen. Ich wollte jede Episode jeder Serie und jeden Film sehen. Ich hab's wirklich weit geschafft, aber durch bin ich bis jetzt noch nicht (lacht). Es hat einfach viel mehr Zeit in Anspruch genommen als ich vorher dachte. Und irgendwann musste ich dann ja auch anfangen zu arbeiten (lacht). Aber ich mache auf jeden Fall weiter, wenn ich wieder etwas mehr Zeit habe.

teleschau: Was haben Ihre Eltern und Ihre Freunde gesagt, als sie erfuhren, dass Sie die Hauptrolle in der neuen "Star Trek"-Serie spielen?

Martin-Green: Die haben sich wahnsinnig für mich gefreut. Ich glaube, da habe ich auch zum ersten Mal realisiert, wie viele meiner Verwandten und Freunde Trekkies sind (lacht). Plötzlich haben mir alle erzählt: "Oh mein Gott, weißt du, dass ich früher immer 'Star Trek' gesehen habe? Ich liebe 'Star Trek', es ist so aufregend, dass du jetzt Teil davon bist." Einfach Wundervoll!

teleschau: Gene Roddenberry, der Schöpfer von "Star Trek", glaubte immer daran, dass die Zukunft eine gute sein wird: Meinen Sie, dass er recht hatte?

Martin-Green: Ich hoffe es! Ich denke, es ist schwierig, hoffnungsvoll zu sein, wenn man sieht, wie düster die Gegenwart zum Teil ist. Aber wenn man die Hoffnung verliert, wird man krank. Deshalb denke ich, dass wir immer daran glauben müssen, dass die Zukunft eine bessere wird.

teleschau: Hat die Menschheit Fortschritte gemacht, seit "Raumschiff Enterprise" zum ersten Mal im Fernsehen lief?

Martin-Green: Natürlich. Einiges ist seit den 60-ern besser geworden. Und wir müssen diesen Fortschritt feiern. Man braucht für die Zukunft immer eine Vision, wie sie letztlich auch Gene Roddenberry hatte. Und um nicht zu verzweifeln, muss man sich immer bewusst machen, was alles schon erreicht wurde.

teleschau: Sie sind also ein Optimist?

Martin-Green: Ich versuche es. Ich kämpfe täglich mit mir, um optimistisch zu bleiben. Aber es ist hart!

teleschau: Was ist die Gesamtaussage von "Discovery"?

Martin-Green: Ich denke es ist die gleiche, wie bereits in vorangegangenen "Star Trek"-Serien: Hoffnung, Einheit, Gemeinschaft und Gleichheit. Natürlich erzählen wir die Geschichte ein wenig anders als zuvor. Fernseh-Macher haben heutzutage ganz andere Möglichkeiten als damals.

teleschau: Michael Burnham ist auf Vulkan aufgewachsen und wurde in der Tradition der Vulkanier erzogen. Unter anderem deshalb sieht man sie so gut wie nie lachen. Wie schwer war es für Sie, so eine ernste Persönlichkeit zu verkörpern - Sie wirken in der Realität wie das genaue Gegenteil ...

Martin-Green: Ja, das stimmt, Michael Burnham ist sehr ernst, streng und diszipliniert. Ganz anders als ich (lacht). Aber ich liebe das, das ist doch der Kern der Schauspielerei, in eine andere Haut zu schlüpfen. Es ist eine tolle Herausforderung für mich Michael zu spielen. Aber vielleicht darf ich in Zukunft als Michael ja doch ein wenig öfter lachen.

teleschau: Sie sagten in einem Interview, dass Sie von einigen Fans angegriffen wurden, da Sie die erste dunkelhäutige Frau sind, die eine Hauptrolle in "Star Trek" spielt. Wie gehen Sie damit um?

Martin-Green: Naja, einerseits war ich überhaupt nicht überrascht, denn unglücklicherweise kannte ich ein solches Umfeld bereits zur Genüge. Ich wuchs als dunkelhäutige Frau im Süden der USA auf, deshalb muss man traurigerweise sagen, dass ich an derartige Reaktionen und derartiges Verhalten gewöhnt war. Aber andererseits war ich sehr überrascht, da diese Angriffe von Menschen kamen, die behaupteten, "Star Trek"-Fans zu sein. Zu sagen: "Ich liebe 'Star Trek'", dann aber über Diversität sauer zu sein, finde ich ziemlich verwirrend. Aber alle Veränderung ist hart, und vor allem der Weg zur Gleichheit ist ein überaus holpriger. Deswegen habe ich solchen Leute immer gesagt: "Schau es dir doch erst einmal an." Hoffentlich entdecken sie sich selbst irgendwo in der Story und nehmen etwas daraus mit. Zum Glück war die Reaktion der Mehrheit der Leute sehr positiv.

teleschau: Hoffen Sie, dass eine Serie helfen kann, die Menschen positiv zu beeinflussen?

Martin-Green: Das ist glaube ich die Verantwortung und die Pflicht von Kunst, die Menschheit irgendwie zu verändern. Man kann natürlich nie vorher beurteilen, wie etwas aufgenommen wird. Aber ich hoffe immer, dass das, was ich mache, irgendwie irgendwo einen positiven Einfluss auf jemanden hat.

teleschau: Wenn alles läuft wie geplant, könnte "Discovery" noch lange weitergehen. Wie fühlt sich das an?

Martin-Green: Ich freue mich darüber. Das ist natürlich alles noch Zukunftsmusik, aber ich wäre dabei.

Amelie Heinz

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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