Kino / Portraits

"Ich träume von einem Ausstieg auf Zeit"

Aglaia Szyszkowitz spielt in der ARD-Komödie "Zimmer mit Stall - Ab in die Berge" (Freitag 16. März, 20.15 Uhr, ARD)

"Jetzt oder nie!" - Das hat sich Aglaia Szyszkowitz in ihrem Leben schon oft gedacht und hat mutige Entscheidungen getroffen. Etwa als die Österreicherin ihre eingeschlagene Medizinerlaufbahn zugunsten der Schauspielerei aufgab. Und es hat sich gelohnt, inzwischen ist die 50-Jährige seit über 20 Jahren erfolgreich im Film-Geschäft und hat, wie sie sagt, spannendere Rollenangebote denn je. In der ARD-Komödie "Zimmer mit Stall - Ab in die Berge" (Freitag. 16. März, 20.15 Uhr) ist die zweifache Mutter in der Rolle der draufgängerischen Sophie zu sehen, die ihren sicheren Job gegen ein Leben auf dem Land eintauscht und dort auf den eigenbrötlerischen Barthl (Friedrich von Thun) trifft. Wir haben mit der Schauspielerin übers Aussteigen, spleenige Entscheidungen und das Älterwerden gesprochen.

teleschau: In "Zimmer mit Stall" spielen Sie die Hauptrolle der Flugbegleiterin Sophie, die ihren Job spontan hinwirft und auf einen Bauernhof zieht - gegen den Willen ihres Mannes. Können Sie so einen Schritt nachvollziehen?

Aglaia Szyszkowitz: Sehr! Ich fand es schön, die Geschichte einer Frau zu erzählen, die mit dem Kopf durch die Wand geht. Sie ist an einem Punkt in ihrem Leben - nach 25 Jahren als Flugbegleiterin und 20 Jahren Ehe -, an dem sie noch mal was Neues ausprobieren möchte. Sie sagt sich: Jetzt oder nie!

teleschau: Kennen Sie dieses "Jetzt oder nie!"aus eigener Erfahrung?

Szyszkowitz: Auf jeden Fall. Es ging damit los, dass ich mein Medizinstudium hingeschmissen habe, um Schauspielerin zu werden. Später habe ich das Theater verlassen und bin zum Film gegangen. Lange Zeit konnte ich mir nicht vorstellen, jemals zu heiraten, doch dann habe ich mich getraut und sogar zwei Kinder bekommen. Aktuell befinde ich mich wieder an so einer Weggabelung. Da die Kinder größer und selbständiger werden, zeigt sich mir eine neue Freiheit auf, und es stellt sich die Frage, wie ich sie nutzen möchte. Mein Mann und ich überlegen uns etwa, ob wir eine Zeit lang mit unserem Sohn ins Ausland gehen wollen.

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teleschau: Was schwebt Ihnen da so vor?

Szyszkowitz: Eine Freundin von mir war gerade ein halbes Jahr in Buenos Aires. Das würde mich reizen: eine andere Sprache, eine neue Stadt, eine fremde Kultur. Gerade in meinem Beruf und in der in Verantwortung, Charaktere zu gestalten, merke ich, dass es von Vorteil ist, sich inspirieren zu lassen. Ich bin mir sicher, je mehr man erlebt, desto facettenreicher kann man eine Figur darstellen.

teleschau: Denken Sie ans Auswandern oder eher an einen Ausstieg auf Zeit?

Szyszkowitz: Letzteres. Wir haben in Bayern ein so gutes Leben, mit einem großen Freundeskreis und einer wunderbaren Familie, was ich niemals aufgeben würde.

teleschau: Sophie, die Figur aus Ihrem aktuellen Film, trifft einen folgenschweren Entschluss binnen Sekunden aus dem Bauch heraus. Wie gehen Sie an wichtige Entscheidungen ran?

Szyszkowitz: So eine große Sache, wie das Land zu verlassen oder von der Stadt aufs Land zu ziehen, könnte ich niemals spontan treffen. Ich bin ein Menschen-Mensch. Ich liebe es, mich mit Menschen zu umgeben und würde das so lange diskutieren, bis man zu einem Entschluss kommt. Übrigens habe ich die Erfahrung gemacht, dass Frauen meist diejenigen sind, die schlussendlich die Veränderung herbeiführen.

teleschau: Haben Sie schon mal eine spleenige oder unüberlegte Entscheidung getroffen?

Szyszkowitz: Mein 50. Geburtstag Anfang des Jahres war so ein Fall. Ich habe mich kurzfristig dazu entschlossen, ihn in Wien zu feiern. Vor allem meine deutschen Freunde waren davon überhaupt nicht begeistert. Es waren nicht wenige, die es für eine absolute Schnapsidee hielten, im Januar in die österreichische Hauptstadt zu reisen. Schlussendlich wurde es eine geniale Feier. Viel besser, als wenn ich sie ewig lang vorbereitet und versucht hätte, es jedem recht zu machen.

teleschau: Apropos runder Geburtstag, wie fühlt sich das neue Lebensjahrzehnt an?

Szyszkowitz: Im Vorfeld war es schrecklich. Weil alle gesagt haben, wie furchtbar sich diese 50 anfühlen würde. Letztlich war der Geburtstag fast wie ein Befreiungsschlag. Dazu kommt, dass ich beruflich gerade einen guten Lauf habe. Ich werde ernstgenommen und einbezogen, so als ob ich die Früchte der letzten 20 Jahre ernten würde. Ich hatte aber auch Phasen, in denen ich das Älterwerden überhaupt nicht toll fand.

teleschau: Was ist Ihr Erfolgsrezept, wenn's im Job mal nicht so rund läuft?

Szyszkowitz: Sich weiterbilden, am Handwerk arbeiten und sich breit aufstellen. Ich arbeite viel mit Musikern zusammen und bilde mich in Richtung Drehbuch und Regie weiter. Man muss sich einbringen und darf nicht zu Hause rumsitzen und sich leidtun.

teleschau: Zurück zur Alpen-Komödie "Zimmer mit Stall" - wie war es für Sie, inmitten der Natur zu drehen?

Szyszkowitz: Die Arbeit mit den Tieren, den Hühnern und Ziegen, fand ich super. Die machen was sie wollen, und das liebe ich als Schauspielerin, überrascht zu werden. Ich mag nichts weniger, als wenn man alles genau plant und es genauso umsetzen muss. Die Tiere lassen das gar nicht zu. Zudem finde ich es schön, beim Dreh den Naturgewalten ausgesetzt zu sein. Wobei wir weniger mit Wind und Wetter, sondern vielmehr mit der Hitze zu kämpfen hatten.

teleschau: Sind Sie generell ein Naturmädel?

Szyszkowitz: Ja, absolut. Ich bin gern in der Natur, gerade als Kontrast zum hektischen Filmgeschäft. Wir haben einen Bergbauernhof in Tirol gepachtet, wo wir viel Zeit verbringen. Ich bin einmal im Monat da, mein Mann fast jedes Wochenende.

teleschau: Sie haben erwähnt, dass Sie ursprünglich eine Mediziner-Karriere angestrebt hatten. Wie kam's zum Sinneswandel?

Szyszkowitz: Während des Studiums bin ich an Hepatitis erkrankt und musste sechs Wochen das Bett hüten. Das war eine Phase des Innehaltens, in der die Schauspielerei ständig in meinem Kopf rumspukte. Irgendwann dachte ich mir: Du musst es versuchen. Am berühmten Max Reinhardt Seminar in Wien bin ich erst mal durch die Aufnahmeprüfung geflogen. Kurz darauf wurde ich an der Schule vom Volkstheater aufgenommen. Dann nahm alles seinen Lauf. Die Schauspielerei ist ja fast wie eine Sucht, wie ein Sog, der einen mit sich fortreißt.

teleschau: Wie kamen Sie im Krankenbett überhaupt auf das Schauspiel?

Szyszkowitz: Seit ich klein bin liebe ich Filme. Wenn meine Eltern am Samstag-Nachmittag außer Haus waren, habe ich mit meinen kleinen Schwestern heimlich Schwarz-Weiß-Filme im österreichischen Fernsehen geguckt. Sich reinversetzen in eine Welt, die nicht real ist, hat mich seit jeher fasziniert. Als Teenager habe ich als Statistin beim Grazer Schauspielhaus gearbeitet. Dabei habe ich mich endgültig ins Theater und in die Theaterluft verliebt.

teleschau: Haben Sie Ihre berufliche Entscheidung jemals angezweifelt?

Szyszkowitz: Vor zwei, drei Jahren kamen kurz Zweifel auf. Aber ich habe das kleine Tal gut überbrückt und bin jetzt auf dem nächsten Gipfel. Aktuell werden mir immer öfter spannende Charakterrollen angeboten. Die haben oftmals mehr Facetten, als die Figuren, die ich noch vor zehn Jahren gespielt habe. Ich bin glücklich darüber, wie es gekommen ist.

teleschau: Erleben Sie sich selbst eigentlich gern auf dem Bildschirm oder der Leinwand?

Szyszkowitz: In "Zimmer mit Stall" habe ich mich gern gesehen. Weil ich die Rolle so mochte und eine enorme Freiheit im Spiel hatte. Bei meinem letzten Kinofilm brauchte ich zwei Schnäpse, bevor ich ihn mir anschauen konnte. Wenn man sich auf der großen Leinwand in einem nicht ganz so vorteilhaften Licht sieht, kann das ernüchternd sein. Aber auch da wächst man rein.

Marion Genetti

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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