Auftrag Rache
Mel Gibson auf Rachefeldzug

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War es früher ungewohnte Freizügigkeit, die für
Tabubrüche auf großer Leinwand sorgte, sind es im
zeitgenössischen Kino Schockeffekte. Dass es jedoch nicht
unbedingt literweise Kunstblut und grauenhafte Maskenbildnerei
braucht, um das hartgesottene Publikum zu erschrecken, führt
"James Bond"-Regisseur Martin Campbell mit der
Überfallszene perfekt vor Augen.
Weniger spielt es eine Rolle, wer hinter der grausamen Tat steckt
und warum. Routiniert und zielsicher versteht sich Campbell
darauf, die Handlung rund um eine ganz große
Verschwörung mit illegaler Waffenentwicklung und
radioaktiven Sauereien im Regierungsauftrag, denen die engagierte
Emma auf die Schliche kam, wie eine Rolle Nähgarn
abzuspulen. Wichtiger ist vielmehr, auf welche Weise der in den
Jahren seiner Leinwandabsenz enorm gealterte Mel Gibson seinen
Job als einsamer Rächer erledigt.
Dies gelingt ihm auf beinahe hypnotische Weise: grimmig,
entschlossen, versiert. Verblüffend authentisch strahlt
Gibson jenen erbitterten und gerechten Zorn des Vaters aus. Es
folgt die Erkenntnis, dass nicht er, der unbequeme Cop, Ziel des
Anschlags gewesen war, sondern hier tatsächlich seine
geliebte Tochter hingerichtet wurde.
Auf seinem Weg zur Vergeltung wird Craven, dessen
Gesichtszüge mit jedem weiteren Ergebnis seiner Ermittlungen
zunehmend erstarren, unterstützt von einem undurchsichtigen
Spezialagenten Jedburgh. Nachdem Robert De Niro den Part unter
ungeklärten Umständen hingeworfen hatte, übernahm
der "Beowulf"-Darsteller Ray Winstone die Rolle, was
ihr nicht zum Nachteil geriet. Gemeinsam einsam enthüllen
sie ein verworrenes Netz aus Abhängigkeiten und Korruption,
das bis in höchste Regierungskreise reicht.
Dass es schließlich an unterschiedlichen Orten zu einem
klassischen Showdown kommt, der kein Happy End zulässt,
entspricht dem düsteren Stimmungsbild, das bereits von
Anfang an auf der Geschichte lastet: Der Film beginnt im
strömenden Regen, der alles verwischt und verschwimmen
lässt, und endet mit einer Halluzination. Gibson sagt,
"Auftrag Rache" sei genau der richtige Film gewesen
für ein Comeback. Sofern er damit nach all seinen privaten
Fehltritten in den vergangenen Jahren meint, sich neu erfinden zu
können, kann ihm durchaus recht gegeben werden.

























