Kino

Ausnahmesituation

Kampf um ein Wunder

VergrößernZwei auf dem Weg zum Sieg über eine heimtückische Krankheit: John Crowley (Brendan Fraser) und Prof. Stonehill (Harrison Ford).
© 2010 Concorde Filmverleih GmbH
Das Leben schreibt nach einem geläufigen Sprichwort nicht nur die besten Geschichten, sondern auch die ergreifendsten. Als Hollywood-Veteran Harrison Ford auf jene von John Crowley stieß, zögerte er nicht lange und sicherte sich die Filmrechte. Der Familienvater wurde vom soliden Geschäftsmann zum Pharmazie-Entwickler, um zwei seiner Kinder von einer unheilbaren Krankheit zu heilen. "Ausnahmezustand" zeichnet das Drama relativ tatsachengetreu nach, nur Harrison Ford selbst bat sich eine Sonderrolle aus - ein Kunstgriff, der die Emotionalität des Films in die Höhe zu treiben weiß.

In einem Punkt war Crowleys Kampf dann doch zu abstrakt und kompliziert: Um die Entwicklung und Marktreife eines Medikamentes voranzutreiben, das imstande wäre, den sogenannten Morbus Pompe zu besiegen, eine heimtückische Stoffwechselkrankheit, die genetisch bedingt ist, konsultierte Crowley eine Vielzahl von Wissenschaftlern und Pharmaziespezialisten. Im Film fließen all diese Charaktere mit ihrem Spezialwissen in einer Figur zusammen: Professor Stonehill (Ford), einem ebenso genialen wie exzentrischen Enzym-Forscher, der unter weitestgehendem Ausschluss seiner Mitmenschen an der Universität von Nebraska an einer bahnbrechenden Theorie bastelt.

Fords Portrait eines eigenbrötlerischen und launischen Akademikers, der am besten arbeiten kann, wenn aus seiner kleinen Stereoanlage klassische Rocksongs von Led Zeppelin, The Band und Grateful Dead dröhnen, ist ein solch überdeutlicher Kontrapunkt, dass schon beim ersten Zusammentreffen des verzweifelten Familienvaters mit dem unbequemen Denker klar ist, wie die Geschichte ausgeht. Crowley wird verkörpert von Brendan Fraser, der sich schon mehrfach als wandlungsfähige Geheimwaffe Hollywoods für so gut wie jede Art von Charakterrolle bewährt hat. Gemeinsam ergeben sie ein ungleiches Team mit unterschiedlichen Motivationen, um ein verlässliches Rezept gegen die tödliche Atemnot der erkrankten Kinder zu finden.

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Crowleys beschwerlicher Weg, Forscher und Investoren von der Sinnhaftigkeit seines Anliegens zu überzeugen, wird im Film zu einer systematischen Erfolgsstrategie von Spendenaktionen bis hin zu Investorengesprächen, die trotz temporärer Rückschläge am Erreichen des Ziels nie wirklich einen Zweifel aufkommen lässt. Dem Duo gelingt es immer wieder, strategische Kooperationen mit wichtigen Investoren und einem führenden Pharmaziekonzern unter Dach und Fach zu bringen. Doch die Geschäftswelt, auch das wird nicht vergessen, ist schlecht und auf Profit aus - ein arger Konflikt zum hehren Ziel, kranken Menschen zu helfen und sich dabei nicht über Businesspläne Gedanken zu machen. Am Ende bedarf es daher doch noch eines Aufbäumens des willensstarken Vaters und der Loyalität des Akademiker-Griesgrams, um die Geschichte zu einem gütlichen Finale zu führen.

Man mag diese Stringenz als kitschig kritisieren. Der Zweck aber heiligt die Mittel, schließlich zeigt die Traumfabrik Hollywood einmal mehr und vor Empathie nur so strotzend, dass Happy Ends im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht nur Hirngespinste sind. So zeigt sich die Filmindustrie dankbar dafür, dass das wahre Leben seine populärste Ideologie bestätigt: Alles gelingt, wenn man nur daran glaubt und willens und leidenschaftlich genug ist, um seine Träume zu realisieren. Wer dabei eine Träne vergießt, dem ist nichts vorzuwerfen.

Leif Kramp
Ausnahmesituation
USA, 2010
Drama
Regie: Tom Vaughan
Darsteller: Harrison Ford, Brendan Fraser, Keri Russell u.a.
Starttermin: 11.03.2010
Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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