Kino

Hugh JackmanDas bisschen Humbug kann doch nicht so schlimm sein

spielt in "Greatest Showman" (Kinostart: 4. Januar) einen großen Zampano, der die Wahrheit der Show unterordnet

Natürlich ist Hugh Jackman (49) für immer Wolverine. Aber der Australier muss nicht immer die Krallen ausfahren, um das Publikum zu bezirzen. Als "Greatest Showman" (Kinostart: 4. Januar) sind Singen und Tanzen seine Waffen: in einem knallbunten Musical über den Zirkuspionier P.T. Barnum. Der hatte im 19. Jahrhundert die Effekthascherei zum Geschäftsmodell erhoben und in seinem "Great American Circus" in New York City im Prinzip das moderne Showbusiness erfunden. Eine Rolle ganz nach dem Geschmack von Hugh Jackman: Beim Interview in Berlin will er dann auch am liebsten über Fantasie und Träume reden - und er erklärt, warum ein glückliches Publikum nicht immer die ganze Wahrheit kennen muss.

teleschau: Träumen die Menschen noch genug?

Hugh Jackman: Die meisten Menschen nehmen das Leben einfach hin, sie reagieren nur auf alles, was passiert. Ich finde es wichtig, es aktiv zu gestalten - nach den eigenen Vorstellungen, die man sich gerne in den schillerndsten Farben ausmalen kann. Mit Fantasie ist es doch viel schöner.

teleschau: So einfach ist das?

Jackman: Das Leben ist, das hört sich jetzt ziemlich altklug an, was man daraus macht. Es liegt an jedem Menschen selbst, Spaß zu haben, es zu genießen. Ich persönlich liebe, was ich tue. Meine Kinder sehen einen Vater, der glücklich und zufrieden ist. Hoffe ich zumindest. Dabei spielt es nicht mal eine Rolle, ob meine Arbeit immer gelungen ist ...

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teleschau: Wie schätzen Sie die Qualität denn ein?

Jackman: Wissen Sie, ich wusste erst mit 23, also recht spät, was ich machen wollte. Dann besuchte ich drei Jahre lang die Schauspielschule und bekam mit 26 meinen ersten Job. Ich setzte mir eine Frist von fünf Jahren: Mit 31 wäre es immer noch nicht zu spät, etwas anderes zu machen. Aber ich bin immer noch dabei: So schlimm kann es also nicht sein.

teleschau: Aus fünf Jahren "Probezeit" wurden mehr als 20 Jahre Weltkarriere ...

Jackman: Und ich habe jeden Moment genossen, weil alle meine Erwartungen übererfüllt wurden. Wer hätte gedacht, dass ich mal ein Musical mache? Ich, ein klassischer Shakespeare-Schauspieler. In meiner Karriere gab es ständig Überraschungen, ich spielte in Actionfilmen mit, moderierte die Oscar-Verleihung. Womit wir wieder bei Träumen und Fantasie sind: Ich musste einfach immer nur "Ja" sagen und es mir vorstellen können.

teleschau: So einfach ist das?

Jackman: Am Ende kommt es immer auf die Story an. Darum geht's im Showbusiness: Die Zuschauer fesseln und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Das hat P.T. Barnum damals auch verstanden. Er wusste, für wen er seine Show machte und warum. Das gilt heute auch, für jeden, der in der Branche arbeitet.

teleschau: P.T. Barnum hat sich offensichtlich nicht viel aus der Wahrheit gemacht, die historische Person wird durchaus kritisch gesehen. Wie viel künstlerische Freiheit ist denn bei einem biografischen Musical erlaubt?

Jackman: Damals gab es das schöne Wort "Humbug", das sein künstlerisches Schaffen ganz gut beschreibt. Ja, er hat das Publikum getäuscht, um es zu unterhalten. Das halte ich jedoch für durchaus akzeptabel, auch wenn er viele Dinge tat, die nicht akzeptabel sind. Barnum hatte seine dunklen Seiten. Aber wir haben uns nun mal entschlossen, einen Film zu machen, den Fünfjährige genauso genießen können wie 95-Jährige. Deswegen hielten wir uns an sein Credo: "Die edelste Kunst ist es, andere glücklich zu machen."

teleschau: Um jeden Preis?

Jackman: Das Lächeln beim Publikum ist echt. Das ist es, was bei gutem Entertainment zählt. Niemand glaubt doch in einer Zaubershow, dass der Magier die schöne Frau wirklich in zwei Teile zersägt. Da rennt ja auch niemand schreiend raus. Man staunt und wundert sich. Das war auch Barnums Stärke.

teleschau: Im Film geht es auch darum, alle Menschen zu akzeptieren, wie sie sind. Barnums Truppe besteht zum großen Teil aus Außenseitern.

Jackman: Ein wichtiger Aspekt. In den letzten Jahren war es nicht so gut bestellt mit der Akzeptanz anderer, ungewöhnlicher Menschen. Man kann die Leute nicht oft genug daran erinnern, tolerant zu sein. Schließlich will niemand ausgegrenzt werden.

teleschau: Ihr Wort in Gottes Ohr ...

Jackman: Ich habe durchaus Hoffnung, weil die Welt nicht zuletzt durch Technologie immer mehr zusammenrückt. Die Menschen sind vernetzter als jemals zuvor. Der Film ist eine gute Erinnerung daran, dass man nicht aussehen muss wie die Menschen auf Werbeplakaten, um cool und wichtig zu sein. Das Coolste, was du im Leben tun kannst, ist, du selbst zu sein. Ich habe bestimmt 40 Jahre für diese Erkenntnis gebraucht.

Andreas Fischer

Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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