Musik / CD

Hugh Laurie: Didn't It RainEin Brite hat den Blues

Den Comedian in ihm kann Hugh Laurie nicht ganz ablegen: So wie er auf dem Cover von "Didn't It Rain" gekrümmt vor einem winzigen Piano kauert, mit dem Frack in der Pfütze und doch scheinbar hoch konzentriert. Eine Hommage an Schroeder aus den "Peanuts"-Comics? Egal, das Cover birgt schon ein wenig Komik. Oder will man das nur sehen? Einer der lustigsten Männer Großbritanniens hat den Blues. Doch es ist beileibe keine Rolle, die er spielt, wie die des grantigen TV-Arztes Dr. House, den er bis 2012 mit enormem Erfolg verkörperte. Blues, Jazz und Gospel sind von Kindesbeinen an die Passion des 53-jährigen Schauspielers, Schriftstellers, ach, Allround-Künstlers. Auf seinem zweiten Album zelebriert er sie in erstklassigen Coverversionen erneut mit viel Liebe und Fingerspitzengefühl.

Klar: Dass es sein Debüt "Let Them Talk" 2011 in die Top Ten der deutschen Albumcharts schaffte, ist schließlich wohl auch seiner Beliebtheit als "House" geschuldet. Doch bei Hugh Laurie steckt mehr dahinter: Auch in der Serie durfte seine Figur ohne Not ihre Leidenschaft für Gitarre und Piano ausleben. Musik zu machen ist ihm ein innerstes Bedürfnis, dann ist er ganz bei sich - das meint man auch auf "Didn't It Rain" zu spüren, wenn er sich in die traditionsreichen Songs hineinkniet und sich zu eigen macht.

Letztendlich fällt es deshalb leicht, zu vergessen, dass hier "Dr. House" an Klavier, Wurlitzer, Gitarre und anderen Instrumenten sitzt. Bereits der Opener ist ein außerordentliches Highlight: In üppig arrangierten "The St. Louis Blues", ein Evergreen, den sich auch Horst Köhler beim Großen Zapfenstreich spielen ließ, hört man Laurie gekonnt und leichthändig an den Tasten, während zunächst seine starke Duett-Partnerin Jean McClain die Führung übernimmt. Sie ist auch im makaber dahinstampfenden "Send Me To The 'Lectric Chair" zu hören. Überhaupt hält sich der Star der Platte zumindest stimmlich im Hintergrund und überlässt seiner großartigen Copper Bottom Band einen beträchtlichen Teil des Rampenlichts. Sie feiern den Titelsong im Geiste von Sister Rosetta Sharpe als ausgelassenen Gospel, legen einen heißen Tango aufs Parkett ("Kiss Of Fire") und bedienen im Finale bei Alan Prices "Changes" ein großes Repertoire an Emotionen und wechseln fliegend zwischen bedächtig-sentimentalen und launig-beschwingten Parts.

Seine Bescheidenheit mag Hugh Lauries Trumpf sein. Doch manches Mal dürfte ruhig ein wenig ungenierter sein. Seiner Version von "One For My Baby" beispielsweise fehlt es leider ein wenig an Verve, als hätte seine britische Trockenheit den Musiker kurzfristig ausgebremst. Am Ende punktet der notorische Tiefstapler aber mit großer Authentizität und Können. Und klar, an mancher Stelle dann doch auch mit Humor.

Alexandra Petrusch

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelDidn't It Rain
Bandname/InterpretHugh Laurie
GenreJazz/Blues
GenreJazz/Blues
Erhältlich ab10.05.2013
LabelWarner
VertriebWarner
Laufzeit52:51
EAN Code5053105713721
Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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