Musik / CD

The Corrs: Jupiter CallingSchlafen statt shoppen gehen

Wie ist das eigentlich, immer nur die Nummer zwei in Irland zu sein: Lauert U2s Bono den vier Geschwistern von The Corrs in deren Albträumen auf? Wahrscheinlich nicht. Die Band ist ohnehin viel zu bodenständig für Eifersüchteleien. Sie spielte in den 90-ern seichten Pop, der für Menschen gemacht war, die durch Shopping-Malls bummeln, ohne etwas zu kaufen. Damit hatten die Corrs eine zeitlang großen Erfolg. Und sie hatten sich gern. Dann folgte eine zehnjährige Bandpause. Für den Familienfrieden vielleicht, oder weil längst genug Mall-Bummel-Songs eingespielt worden waren. 2015 wagte die Band mit "White Light" schließlich doch ein schmieriges Comeback (zum Vergessen). Jetzt scheint statt der weißen Neonröhre zum Glück das Dämmerlicht einer Glühbirne: Das neue Album "Jupiter Calling" handelt von der Liebe.

"Could you love me again", haucht Andrea Corr einem ins Ohr, und es wird klar: In eine Shopping Mall passt das nicht. Dafür sind die neuen Texte zu intim. Das ist die gute Nachricht. Nach 27 Jahren Bandgeschichte hat die Gruppe ihre Komfortzone verlassen und sich in die irische Natur begeben, um eine Art Folk-Pop aufzunehmen. So klingt es jedenfalls. Vielleicht haben die Mitglieder der Corr-Familie, also Andrea (Gesang), Caroline (Schlagzeug), Sharon (Violine) und Jim (Keyboard), sich ihre Strickpullover übergezogen, drei Kannen Tee gekocht und sich in irgendeiner Hütte verschanzt. In jedem Fall haben sie aus ihren Instrumenten viel Melancholie und Romantik herausgekitzelt. The Corrs dafür nun auch wieder lieb zu haben, das ist legitim.

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"Have you ever been in love?", säuselt Andrea Corr an anderer Stelle. Ja: Auf "Jupiter Calling" kommt kaum ein Song ohne das Wort "love" aus. Dazwischen gleiten Flötenmotive mit Zuckerglasur durch die Lieder, dann kommen die obligatorischen Geigen-Motive, und zwischendrin dudelt eine verstrahlte Gitarre. Es ist eine einzige großes Familien-Musiziererei, um den Liebeskummer für einen Geschwister-Teil erträglicher zu gestalten.

An diesem intimen Familienmoment teilzuhaben, der sich schließlich in hippieskem Pop entlädt, ist nicht sonderlich spektakulär. Vielleicht liegt aber gerade im Unspektakulären die größte Stärke von "Jupiter Calling". Das Album verhilft einem, selbst wenn der Liebeskummer am Ego nagen sollte, zu einer wohligen Dämmrigkeit. So spielen The Corrs sich und ihre Hörer in einen albtraumlosen Schlaf.

Johann Voigt

Audio CD
Bewertungakzeptabel
CD-TitelJupiter Calling
Bandname/InterpretThe Corrs
GenreFolk-Pop
Erhältlich ab10.11.2017
LabelWarner
VertriebWarner
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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