Musik / CD

Turbonegro: Rock'n'Roll MachineEine Packung Wunderkerzen bitte!

Ist das schon Rock'n'Roll, wenn man aufhört, auf seine Mutter zu hören? Oder gehört dazu auch, sich eine Wunderkerze zwischen die Pobacken zu stecken? Turbonegro, oft betitelt als de schwulste Rockband der Welt, hören jedenfalls schon lange nicht mehr auf ihre Mütter. Und das mit den Wunderkerzen - man kennt die Geschichten. Seit 1988 mischt die Band aus Oslo nun schon die Rockwelt auf. Und die Funken sprühen noch immer. Auch auf ihrem jüngsten Punkrock-Lehrstück decken Turbonegro wieder das gesamte Spektrum postpubertären Fehlverhaltens ab. Aus dem Weg Mama, hier kommt die "Rock'n'Roll Machine"!

Erst ein Turbonegro-typisches Rockopera-Intro, anschließend ein paar Begrüßungsworte von Sänger Tony Sylvester, dann wird in die Saiten gehauen. Nach etwa 45 Sekunden hat man eigentlich schon wieder alles gehört. Turbonegro spielen auf "Rock'n'Roll Machine" mehr Glamrock als üblich; einmal wagen sie es auch, Van Halens "Jump"-Synthies herauszukramen ("Skinhead Rock'n'Roll"). Grundsätzlich hat sich am Sound der Norweger aber nichts geändert, es wird zu breitbeinigem Getöse einem schnellen Tod entgegengefeiert.

"Rock'n'Roll Machine" ist wieder mal ein ziemlich redundantes und eindimensionales Album geworden. Redundanz und Eindimensionalität haben aber auch nur selten so viel Spaß gemacht wie bei Turbonegro. Es sind der Spirit und die Attitüde, die hier zählen. Leidenschaft, Rotz und Trotz, bedingungslose Liebe zum Rock'n'Roll als verführerisch asoziale Kunstform: Von alldem gibt es auf dieser Platte so viel, dass sie beinahe platzt.

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"Your Mama told you not to go get another tattoo / But you don't ever listen to what that bitch has to say", heißt es in "Hurry Up & Die". Turbonegro lassen uns seit Jahren glauben, dass zu einem echten Rockeroutfit neben Jeansjacke und Sonnenbrille auch Lippenstift, dämliche Matrosen-Käppchen, Pelzmützen oder Stahlhelme gehören. Von dem neuen Tattoo überzeugen sie uns mit Leichtigkeit. Natürlich geht's aber nicht nur um Mütter und läppische Tätowierungen, ein bisschen weiter reicht der Turbo-Horizont dann doch.

In "Special Education" etwa träumt sich das Sextett zwischen die Schenkel einer Highschool-Lehrerin. Bei einem Altersdurchschnitt der Band von etwa 45 Jahren darf man das mindestens unreif finden. Mit "Let The Punishment Fit The Behind" bedienen die Musiker, die offenbar noch immer nicht über die anale Phase hinausgekommen sind, dann auch wieder ihre Hintern-Obsession. Trotzdem: In Zeiten, in denen Rock'n'Roll für viele beim Nietengürtel schon wieder aufhört, kann man für ein Album wie dieses gar nicht genug Wunderkerzen anzünden.

John Fasnaugh

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelRock'n'Roll Machine
Bandname/InterpretTurbonegro
GenrePunkrock
Erhältlich ab02.02.2018
LabelBurger Records
VertriebH'Art
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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