Musik / CD

Lukas Rieger: CodeDer niedersächsische Justin Bieber

"Der deutsche Justin Bieber" - so wird Lukas Rieger immer wieder bezeichnet. Das beschreibt es auch ganz gut. Tatsächlich wirkt Justin Bieber hier wie das große Vorbild, immerhin war der kanadische Teenie-Schwarm der erste Social-Media-Star der Musikgeschichte. Dass es bei Biebers Pop um Eskapismus und Geschichten geht, hat Riegers Team offenbar auch verstanden. Ebenso fiktiv und stilisiert wie die Welten seiner Instagram-Bilder und Musikvideos klingen auch Riegers Vorstellungen von Liebe. Darin gibt der 18-Jährige das umschwärmte Sex-Symbol: "Girls be liking pictures on my Instagram, I know / but I ain't got no time, I can't be picking up my phone." Die Leiden des jungen Rieger erinnern dann auch an die Beziehungsunfähigkeit des deutschen Pop-Kollegen Cro: Alle Mädchen wollen ihn, nur die Richtige ist natürlich nie dabei, denn alle sehen in ihm nur den Star, nicht den Menschen. Daran wird (oder will?) auch Riegers zweites Album "Code" nichts ändern.

Hinter all den Posen den privaten Lukas Rieger auszumachen, ist nicht möglich. Damit sind auch die musikalischen Posen gemeint. Auf "Used To" sind das die Bässe und der gehauchte Vortrag im Stile großer R'n'B-Stars wie The Weeknd. Auf "Never Be This Young" ist es dann das "Young, Wild & Free"-Pathos von Bruno Mars zu einem Beat, der in jedem Moment nach der amerikanischen Hitmaschine Diplo klingt. "Code", auch erhältlich als exklusive Fanbox mit Lukas-Rieger-Schal und Stickern und Bonus-DVD, ist ein durch und durch artifizielles Produkt.

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Die musikalischen Zutaten sind immer leicht zu erkennen. Hier eine Nuance Drake, dort eine Prise Pharrell, für "Heart Skips A Beat" ein Refrain von Olly Murs. Die Produzenten scheinen nicht einmal verbergen zu wollen, woher sie ihre Einflüsse collagieren, weil das ihre Zielgruppe vielleicht auch gar nicht interessiert. Das führt nicht nur dazu, dass Riegers zweites Album nicht originell klingt, sondern auch dazu, dass es beim sich aufdrängenden Vergleich mit den Vorbildern zwangsläufig abstinkt. Dem Gesang des umtriebigen Teenie-Schwarms fehlt es an Charisma, die englischen Texte wirken allesamt sehr phrasig.

Möglicherweise kann sich das deutsche Teenie-Publikum Lukas Rieger etwas näher fühlen als Justin Bieber, immerhin guckt der in Niedersachsen verträumt in die Kamera und nicht in Kalifornien. Vielleicht ist genau das das Geheminis hinter Riegers unbestreitbarem Erfolg. 300.000 Fans bei Facebook, 100.000 bei Twitter und fast zwei Millionen bei Instagram sowie ein Spiegel-Bestseller und ein Debütalbum, das 2016 auf Platz vier chartete, sprechen für sich. Wer aber nicht nur ein jugendliches Fetischobjekt sucht, sondern interessante neue Musik, den kann Rieger bis dato nicht bereichern.

Mathis Raabe

Audio CD
Bewertungenttäuschend
CD-TitelCode
Bandname/InterpretLukas Rieger
GenrePop
Erhältlich ab16.02.2018
LabelEmbassy of Sound & Music
VertriebTonpool
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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