
Zugegeben, ich verbringe mehr Zeit mit dem Anschauen von Fußball- oder Handball-Spielen als mit Joggen oder Fahrradfahren. Aber bin ich deshalb ein „Passivsportler“? Ein Fan ist doch nicht passiv! Meine Aktivität fängt ja schon mit Schweißperlen an, wenn ich in der Vorbereitung aufs Spiel die Getränkekisten in Richtung Kühlschrank schleppe. Mit dem Anpfiff geht der Puls dann spätestens bei der ersten offensichtlichen Schiedsrichter-Fehlentscheidung erneut nach oben. Okay, wenn der Videobeweis dann zeigt, dass man die Szene wohl auch so sehen konnte wie der Schiri, dann beruhige ich mich kurzzeitig wieder. Meine Frau hat zu diesem Zeitpunkt aber meist schon das Zimmer verlassen. Und dann kommt schon die nächste Schnappatmung, wenn der Stürmer den Ball aus vier Metern über das Tor jagt. Meine Reaktion: Minutenlanges Stampfen um den Fernsehsessel, das kann am nächsten Tag einen Muskelkater nach sich ziehen. Wobei es für mich beim Handball noch anstrengender als beim Fußball ist: Während eines Spiels des VfL Gummersbach verbrenne ich gefühlt mehr Kalorien als bei einer Runde um die Aggertalsperre. Als Zuschauer in der Halle zum Beispiel fühle ich mich verpflichtet, die Schiedsrichter frühzeitig auf ein Zeitspiel des Gegners hinzuweisen. Ich muss bereits nach wenigen Sekunden des gegnerischen Ballbesitzes anfangen, laut zu rufen, zu pfeifen und zu gestikulieren. Je länger es dauert, bis die Schiris den Arm heben, desto anstrengender ist das. Dazu die Nervenbelastung. Denn gefühlt jedes zweite VfL-Spiel steht kurz vor Schluss Unentschieden. Und der Jubel bei einem Sieg ist nicht weniger kräftezehrend. Auch für die Stimme, denn nach dem zehnten „oh wie ist das schön“ klingt das „guten Morgen“ im Radio am nächsten Tag etwas heiser. Aber dann aus gutem Grund, denn ich habe ja alles gegeben. Von wegen Passivsportler!