Als Transfrau im Bergischen: Marie Brück wirbt für Offenheit

"Ich möchte anderen Transmenschen in der Region zeigen, dass man das überlebt", sagt Marie aus Nümbrecht.

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Ich möchte anderen Transmenschen in der Region zeigen, dass man das überlebt, dass es auch Spaß machen kann, dass ein tolles Ergebnis dabei herauskommen kann, im Sinne von: Man wird akzeptiert und respektiert und kann seine Träume und Wünsche umsetzen.

Auch als Transperson kann man im Bergischen leben. Die Menschen hier sind nicht so engstirnig, wie man es Landmenschen unterstellt. Das ist die Botschaft von Marie Brück. Die Grünen-Politikerin aus dem Oberbergischen spricht deshalb öffentlich darüber, dass sie früher ein Mann war. Weil sie öffentlich darüber sprechen kann. Weil sie sich nicht verstecken will und muss. 

Man hat mir ganz klar zu Beginn empfohlen, ich möge doch bitte nach Köln gehen oder in eine andere Metropole. Da habe ich immer geantwortet: Wenn jeder immer in die Metropolen geht, ändert sich hier nie irgendwas.

Es sei wichtig, sich nicht zu verstecken, sich zu integrieren und auch verbindlich zu sein. Die Gemeinschaft "muss mit dir planen können, dann kommen sie auch damit klar", sagt Brück.

Und wenn dein Auge dich ärgert, so reiß es heraus und wirf es weg; es ist besser, einäugig in das Leben einzugehen, als mit zwei Augen in die Feuerhölle geworfen zu werden. (Matthäus 18,9)

Marie Brück ist religiös erzogen, stammt aus einer baptistischen Familie. Ihren Wandel vom Mann zur Frau bebildert sie mit diesem Bibel-Zitat. Das Leben als Mann sei für sie irgendwann diese "Hölle" gewesen, obwohl sie dieses Leben "viele Jahre sehr genossen" hätte. Doch irgendwann war es so, dass sie "immer nur noch mit diesem Thema belastet" war.

Ich dreh mich da in so einem Teufelskreis, der es mir unmöglich macht, noch am Leben teilzunehmen. Ich kann meine Gaben, das was ich gelernt habe, das was ich mitbringe vielleicht auch von Natur aus - ich kann es gar nicht mehr einsetzen.

Immer öfter kommen Selbstmordgedanken. Daniel, als der Marie geboren wurde, ist mittlerweile - nach einer Karriere als Soldat - Banker, verheiratet, zwei Kinder. Ein wunderbares Leben, eine wunderbare Familie, wie Marie sagt. Und doch ist da der Wunsch, zu sterben.


Heute ist Marie glücklich. Sie arbeitet bei einem Bildungsträger, ist aktiv bei den Grünen, in Gremien, am Gericht und anderweitig.

Ich merke jetzt, auch mit dem Wechsel, den ich gemacht habe, dass es mir supergut geht. Das tut meinen Kindern gut, das tut meiner Familie mittlerweile, denke ich, auch ganz gut. Dass sie sehen, dass ich klarkomme. Das Problem, dass Familien ja oft haben, ist, dass sie sich sorgen, wie gehen andere damit um.

Zu sehen, dass Marie klarkommt, zeigt ihnen: Sie müssen sich nicht länger sorgen um ihr Kind.

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