
Ich liebe es, in den Ferien zu arbeiten. Wenn ich um 4 Uhr 30 das Haus zur Frühschicht verlasse, muss ich mir keine Gedanken machen, wer von meinen Kindern wie lange Schule hat und danach in welchen Sportverein oder zur Musikschule muss. In der Redaktion fühlen wir uns wie in einem verschworenen Club der Daheimgebliebenen. Die Arbeit wird allerdings leider nicht weniger. Das Weltnachrichten-Karussell dreht sich aktuell so schnell, wie selten in meiner 20-jährigen Erfahrung als Nachrichtenredakteurin. Und auf lokaler Ebene ist es während der Ferien nicht so einfach, Interviewpartner ans Telefon zu bekommen: Alle in Urlaub. Oder im Home-Office. Ich liebe diese Situationen, wenn im Telefonat mit Stadtsprechern, Bürgermeistern oder Politikern der Hund im Hintergrund bellt und man merkt, dass die Menschen in der Einsamkeit des Home-Office gerne noch das ein oder andere private Wort wechseln. Ich selber hasse allerdings mein Home-Office. Das liegt bei mir aber an W-LAN und Handyempfang. Seit fast einem Jahr liegt der Glasfaseranschluss im Haus. Aufgeschaltet ist unsere kleine Ortschaft an der Bever in Hückeswagen noch immer nicht. Wenn ich eine Mail im Radio Berg-Account von Zuhause lösche, dauert das manchmal zwanzig Sekunden. Manchmal auch nur zehn, „je nachdem wie der Wind steht“, scherzen mein Nachbar und ich gerne. Wir sind unfreiwillig zu einer Art “Co-Working-Space“ geworden. Der Grund: Wir haben beide nur Handyempfang draußen auf der Terrasse. Da stehen wir dann mit Kaffeetassen in unangemessener Kleidung und telefonieren beruflich. Da komm ich doch lieber ins Büro. Da muss ich den Kaffee auch nicht selber kochen. Das haben Katja Effey und Basti Wirtz schon erledigt – und in den Ferien gibt`s auch manchmal einen Muffin als Zugabe.