
Mein erstes Mal hatte ich im Sommer 1990. Es war ein magischer Abend in Mailand. Und danach sind viele weitere Male hinzugekommen. Leider waren nicht alle magisch, aber viele davon. Bei meinem ersten Mal war ich neun Jahre alt. Damals sah ich das erste Mal ein Fußball-Weltmeisterschaftsspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft vor dem Fernseher.
Bei allen 47 deutschen Spielen danach war ich dabei. Leider nie live im Stadion – trotz der WM im eigenen Land 2006 (den Fehler mache ich nicht wieder – bei der EM in Deutschland 2024 will ich auf jeden Fall mindestens ein Spiel im Stadion sehen). Ab nächster Woche jedenfalls mache ich die 50 voll. Auf jeden Fall. Ja, ich schaue mir die Spiele der Deutschen bei der WM in Katar an. Natürlich! Wobei es sich ein wenig so anfühlt, als müsste ich das ganz leise sagen. Fast flüsternd. In etwa so, als ob ich sage, dass ich rauche, gerne Fleisch esse und PS-starke Autos mag. Ist man ein schlechterer Mensch, weil man die Spiele des deutschen Teams anschaut? Und ein noch schlechterer, wenn man auch andere Spiele der Weltmeisterschaft im Fernsehen sehen will? Ja, es ist eine Schande, dass die WM im Winter in Katar stattfindet. Und ja, ich finde die Diskussionen wichtig. Sehr wichtig. Und auch richtig. Aber die WM zu boykottieren, kommt für mich nicht in Frage. Auch wenn es mich noch nie so wenig gejuckt hat in Sachen Vorfreude wie dieses Mal. Aber die Frage, ob die Welt diese Fußballweltmeisterschaft boykottieren sollte, die kommt viel zu spät. Zehn Jahre zu spät. Mindestens.