
Wer steckt dahinter?
Rom/Dublin/Brüssel/Prag/Lissabon (dpa) - Die Serie rätselhafter Bombendrohungen im europäischen Luftverkehr hält an. Auch am Freitag wurden wieder mehrere Fälle gemeldet. Insgesamt gab es damit seit Dienstag mindestens 30 Drohungen gegen Flugzeuge. Indes sorgen in Irland nahezu identische Drohungen gegen Medienhäuser für Aufruhr.
Ein Wizzair-Flug von Prag nach Rom musste aufgrund einer Drohung nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa nach Venedig umgeleitet werden. Im portugiesischen Lissabon gingen gleich zwei Bombendrohungen gegen ein und dieselbe Ryanair-Maschine ein, wie der staatliche TV-Sender RTP unter Berufung auf die Polizei berichtete.
Auch gegen Flugzeuge aus London und aus Brüssel nach Sofia gab es Bombendrohungen. Die Maschinen seien am Flughafen Sofia sicher gelandet, bei den Kontrollen seitens der Grenzpolizei sei «nichts Beunruhigendes» entdeckt worden, wie das öffentlich-rechtliche Radio in Sofia berichtete. In Prag richteten sich nach Angaben einer Flughafensprecherin Drohungen gegen neun Flüge, auch in Frankreich kam es zu Vorfällen.
Bereits in den vergangenen Tagen hatte es zahlreiche solcher Drohungen im europäischen Flugverkehr gegeben. Allein am Donnerstag waren mehr als ein Dutzend Passagierflüge betroffen. Wer hinter den Drohungen steckt, ist bislang jedoch unklar.
Drohungen in der Häufung ungewöhnlich
Mehrere Behörden in europäischen Ländern ermitteln inzwischen zu den Vorfällen. Die EU-Kommission aktivierte als Reaktion auf die angespannte Situation einen Mechanismus zum grenzübergreifenden Informationsaustausch, wie eine Sprecherin bestätigte. Die Brüsseler Behörde koordiniert die Absprachen der betroffenen EU-Länder demnach. Auch die europäische Flugsicherheitsagentur EASA mit Sitz in Köln ist an dem Austausch beteiligt.
Frankreichs Justiz leitete Vorermittlungen ein, hieß es aus dem Amt des französischen Premierministers. Die tschechische Polizeieinheit für den Kampf gegen Extremismus, Terrorismus und Cyberkriminalität ermittelt ebenso. Auch in Irland beschäftigen die Behörden die Vorfälle.
Mindestens vier der am Freitag bedrohten Flüge gingen durch den deutschen Luftraum. Das Karlsruher Center der Deutschen Flugsicherung für den oberen Luftraum habe Informationen über die Drohungen an die Crews und an die benachbarten Flugsicherungen weitergeleitet, sagte eine Sprecherin. Bombendrohungen kämen zwar immer wieder vor, in dieser Häufung seien sie aber ungewöhnlich.
Irische Medien räumen Büros nach Drohungen
Auch in anderen Branchen gibt es nahezu identische Vorfälle. Mitarbeiter des irischen Rundfunksenders RTÉ und anderer Medienhäuser mussten nach einer Bombendrohung am Morgen in Sicherheit gebracht werden. Betroffen sind neben RTÉ auch die Zeitung «Irish Independent» und der Radiosender «Newstalk».
Ob die Drohungen gegen die Medienhäuser mit den Vorfällen im Flugverkehr zusammenhängen, ist offen. «Diese Drohungen folgen jedoch unmittelbar auf die anhaltenden Störungen des europäischen Flugverkehrs, die durch ähnliche Drohungen verursacht wurden, und es scheint wahrscheinlich, dass es sich hierbei um eine koordinierte Störkampagne handelt», teilte die irische Regierung der Nachrichtenagentur PA zufolge jedoch mit.
Kein Einfluss auf Verspätungen
Für Fluggäste halten sich die Schäden bisher zumindest in Grenzen. Bisher hätten die Bombendrohungen keinen Einfluss auf Verspätungen im europäischen Luftverkehrsnetz gehabt, wie die Luftsicherheitsorganisation Eurocontrol auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.
Laut Eurocontrol waren für Donnerstag Drohungen gegen 14 Flüge bekannt, am Dienstag gegen 7. Die betroffenen Flüge machten am Donnerstag demnach rund 0,05 Prozent aus, bei europaweit 28.488 Flügen. Am Dienstag waren es bei 26.278 Flügen rund 0,03 Prozent.

