
Bergisches Land: Corona sorgt für weniger Ausbildungen
Corona hatte in diesem Jahr die meisten Lebensbereiche im Griff - so auch den Ausbildungsmarkt im Bergischen. Die Industrie- und Handelskammer im Oberbergischen spricht beispielsweise von einem Minus von 20 Prozent der Azubis auf dem Arbeitsmarkt.
Veröffentlicht: Mittwoch, 30.12.2020 05:17
Durch die Corona-Pandemie ist der Großteil an Beratungsangeboten oder Ausbildungsmessen komplett ausgefallen, sagt Michael Sallmann von der Geschäftsstelle Oberberg:
Da hat im Grunde genommen der Startpunkt gefehlt, gerade im Anfang des Jahres, im Frühjahr, dass die jungen Leute sich auf den Weg machen, dass die Gespräche führen, mal irgendwo hingehen, schnuppern, und deswegen sind die dann am Ende auch nicht auf dem Arbeitsmarkt aufgetaucht und machen einen großen Teil des Minus aus, was bei uns 20 Prozent beträgt im Vergleich zum Vorjahr.
Diese Entwicklung bestätigt auch Eva Babatz von der Industrie- und Handelskammer Leverkusen/Rhein-Berg. Sie spricht von einem Minus von 10 bis 15 Prozent bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Hauptgrund war die Pandemie-Lage, so Babatz:
Wir vermuten mal, dass viele einfach in der Warteschleife hängen und desorientiert sind, und wir können einfach nur appellieren nicht abzuwarten und wertvolle Zeit zu verlieren. Wir sind dringend darauf angewiesen, dass die jungen Menschen nachrücken und bieten gute Zukunftsperspektiven in der Wirtschaft.
Auch ein Studium, dass an die Ausbildung anschließt sei durchaus möglich,so Babatz weiter. Ähnlich lautet auch der Appell der IHK Oberberg: Jugendliche sollten das Gespräch suchen und sich beraten lassen.
Auch Marcus Otto, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land, bestätigt die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt:
Wir haben es in diesem Jahr sehr stark gemerkt, dass ganz, ganz viele Jugendliche sich in die akademische Ausbildung quasi "geflüchtet" haben, weil sie keine Alternative gesehen haben in der dualen Ausbildung. Unsere Bitte und Forderung ist hier auch an die Politik, vielleicht mal darüber nachzudenken die akademische Ausbildung genauso zu fördern wie die duale Berufsausbildung.
Die Förderung muss auch finanzieller Natur sein, so Otto weiter. Beispielsweise gibt es für Studenten Wohnheime mit günstigeren Mieten, während Auszubildende meist auf dem normalen Wohnungsmarkt suchen müssen. Hier muss sich dringend etwas ändern, sagt Otto.