
Jahresbericht für 2025
Potsdam (dpa) - Die Bundespolizei hat im vergangenen Jahr mehr Gewaltdelikte an Bahnhöfen und anderen Orten, wo sie für die Sicherheit zuständig ist, festgestellt. Wie aus dem Jahresbericht der Bundespolizei für 2025 hervorgeht, stieg die Zahl der Gewaltdelikte im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 Prozent auf rund 35.400 Fälle.
Gemäß der Eingangsstatistik der Bundespolizei zählen zur Gewaltkriminalität sämtliche Körperverletzungs- und Raubdelikte, Straftaten gegen das Leben, Widerstand gegen die Staatsgewalt sowie Straftaten gegen die persönliche Freiheit sowie Taten, die sich gegen die öffentliche Ordnung richten. Sexualdelikte werden separat erfasst. Bei Gewaltdelikten mit bekannten Tatverdächtigen lag der Anteil deutscher Staatsangehöriger demnach bei 53 Prozent. Ein Messer wurde bei 3,9 Prozent aller Gewaltdelikte mitgeführt.
Die Zahl der Angriffe auf Einsatzkräfte der Bundespolizei stieg den Angaben zufolge um 7,4 Prozent auf 3.185 Einsatzkräfte. Neben Faustschlägen und Tritten zählten dazu unter anderem auch Bisse und Spuck-Attacken. Verletzt wurden den Angaben zufolge 818 Polizistinnen und Polizisten - ein Anstieg um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 53 Prozent derjenigen, die Einsatzkräfte angriffen, standen laut Bundespolizei unter dem Einfluss berauschender Mittel.
Weniger Verstöße gegen Aufenthaltsgesetz
Dass die Zahl der im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei - also vor allem auf dem Gebiet der Bahnanlagen, an 13 Flughäfen und an den Grenzen - registrierten Straftaten 2025 insgesamt um 5,8 Prozent auf rund 604.700 Straftaten gesunken ist, hat vor allem damit zu tun, dass weniger Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz festgestellt wurden.
An allen deutschen Landesgrenzen gibt es seit dem 16. September 2024 Grenzkontrollen bei Einreisen, zuvor war das bereits teilweise der Fall. Die Zahl der Menschen, die in Deutschland erstmals Asyl beantragt, ist seit 2023 deutlich gesunken. Im Mai 2025 wurden die Grenzkontrollen intensiviert. Seither werden - abgesehen von Ausnahmen etwa für Kranke und Schwangere - auch Asylsuchende zurückgewiesen.
Werden die Grenzkontrollen weiter verlängert?
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat in Aussicht gestellt, die deutschen Binnengrenzkontrollen zu lockern, sollte die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (Geas) so funktionieren, wie von den EU-Mitgliedstaaten erhofft. Kern der Reform, deren Regeln seit dem 12. Juni gelten, ist eine Registrierungspflicht für alle Asylsuchenden an den Außengrenzen. Außerdem sollen Menschen, die aus Staaten stammen, bei denen eine Anerkennung als schutzbedürftig wenig wahrscheinlich ist, an der EU-Außengrenze ein schnelles Asylverfahren durchlaufen.
Im Schengen-Raum sind Kontrollen an den Binnengrenzen eigentlich nicht vorgesehen. Wenn Mitgliedstaaten sie dennoch vorübergehend einführen, muss die EU-Kommission darüber vorab werden. Auch eine Begründung wird verlangt. Die Kontrollen an den deutschen Landgrenzen gelten aktuell bis September 2026.
Aus Sicht von Bundespolizeipräsident Dieter Romann erfüllen sie ihren Zweck. Er sagt der Deutschen Presse-Agentur: «Die flexiblen und smarten Grenzkontrollen haben auch 2025 ihre Wirkung gezeigt.» Ob und wie lange sie weiter fortgesetzt würden, hänge auch vom Gelingen und der Wirkung der Geas-Reform ab.
In den ersten Wochen nach Inkrafttreten der Reform hat die Bundespolizei zwar etliche unerlaubte Einreisen von Menschen festgestellt, die an den Außengrenzen nicht registriert worden waren. Jedoch ist gut möglich, dass diese Menschen bereits vor dem 12. Juni in die EU gekommen waren.
Gründe für den Rückgang irregulärer Migration
Die Bundespolizei nennt in ihrem Jahresbericht mehrere Faktoren, die im vergangenen Jahr ausschlaggebend waren für den Rückgang der irregulären Migration nach Deutschland. Neben der «Signalwirkung der veränderten Zurückweisungspraxis in Deutschland» sei dies vor allem auch auf einen Rückgang der Migration aus wichtigen Herkunftsländern wie Afghanistan, Syrien, der Türkei und der Ukraine zurückzuführen gewesen.
Viele Rückführungen scheitern
Von den 58.795 Rückführungen, die im vergangenen Jahr geplant wurden, scheiterten 34.848 - in mehr als 33.000 Fällen bereits vor der Übergabe der Ausreisepflichtigen durch die Länder an die Bundespolizei. Während der Übernahme scheiterten nach Angaben der Bundespolizei 464 Rückführungen - etwa wegen ungültiger Heimreisedokumente oder aus medizinischen Gründen.
In 1.353 Fällen seien Rückführungen nach Übernahme durch die Bundespolizei abgesagt worden, vor allem weil Transportunternehmen die Beförderung verweigerten, sich der Zielstaat querstellte, der Abzuschiebende passiven Widerstand leistete oder wegen eines Verwaltungsgerichtsbeschlusses in letzter Minute.
Mehr Personal
Wie bereits in den Jahren zuvor stieg die Zahl der Beschäftigten der Bundespolizei auch 2025 an - und zwar um 0,7 Prozent auf 55.369 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Stichtag 31. Dezember. Neue Aufgaben kamen etwa bei der Drohnenabwehr hinzu.
Die Zahl der Einsatzstunden sank laut Jahresbericht im gleichen Zeitraum um rund 6,4 Prozent. Die Zahl der Einsatzstunden der Bundespolizisten für Grenzschutz-Aufgaben stieg demnach um 5,2 Prozent. In seinem Grußwort, das dem Jahresbericht vorangestellt ist, dankt Dobrindt den Bundespolizistinnen und Polizisten für ihren Einsatz an den Grenzen. Dieser trage dazu bei, «dass wir das Migrationsgeschehen neu ordnen konnten». Durch die Maßnahmen seien seit Mai 2025 «über 32.000 illegale Einreisen unmittelbar verhindert, Schleuserkriminalität eingedämmt und das Asylsystem entlastet worden».

