
Corona-Impfung: Impfarzt Dr. Otte beantwortet eure Fragen
Dr. Berndt Otte aus Wipperfeld war viele Jahre Hausarzt. Nun ist er freiwilliger Impfarzt in den Impfzentren in Gummersbach und Bergisch Gladbach. Ihr habt uns vorab eure Fragen zum Thema Impfen geschickt, hier seht ihr die Antworten:
Veröffentlicht: Mittwoch, 10.03.2021 11:28
Frage von Jutta: Wie lange sollte die Pause zwischen einer Chemotherapie und der Impfung sein?
Antwort von Impfarzt Dr. Berndt Otte:
Es kommt ganz auf die Chemotherapie an, die man hat. Ob es eine immun-modullierende oder immun-suppressive Therapie ist, die das Immunsystem unterdrückt. Da es ein Totimpfstoff ist, kann man immer impfen. Aber die Impfantwort kann abgeschwächt sein, wenn man gerade in die Höchstdosis der Chemotherapie hinein impft. Die meisten Chemotherapien sind ja Intervalltherapien. Man sollte dann möglichst in der Mitte des Therapie-freien Intervalls impfen.
Nicole kennt eine 76jährige, die schwer krank ist: Sie nimmt Marcumar, hat Osteoporose, eine Herz- und Nierinsuffizienz und COPD. Nicole macht ich bezüglich der Impfung jetzt Sorgen, weil da "so viel zusammenkommt".
Antwort von Impfarzt Dr. Berndt Otte:
Sie muss sich große Sorgen machen, wenn sie eine Covid-19-Infektion bekäme bei den Grunderkrankungen. Die Totimpfung wird auch von ihr gut vertragen werden und die Marcumartherapie ist keine Kontraindikation. Die Kanüle, mit denen der Impfstoff appliziert wird, sind so dünn geschliffen, dass sie kaum eine Verletzung des Muskels und der Gefäße machen, sodass es kaum zu Blutergüssen kommt. Man drückt etwa zwei Minuten danach auf die Einstichstelle und damit ist das komplikationslos zu verkraften.
Irmgard aus Bergisch Gladbach, sagt, sie kennt zwei Fälle, die drei Wochen nach der ersten Impfung eine Gürtelrose am Kopf bekommen haben. Könnte das mit der Impfung zusamenhängen?
Antwort von Impfarzt Dr. Berndt Otte:
Die Gürtelrose tritt dann auf, wenn unser Immunsystem irgendwie geschwächt ist. Es ist ein Wiederauftreten eines früheren Windpocken-Infekts in einem Nervensigment und kann durch Stress, starke Sonneneinstrahlung, aber auch durch Impfungen ausgelöst werden. Insofern kann es sein, dass da ein Trigger möglich ist, würde aber nicht als Kontraindikation für eine Impfung gelten.
Anmerkung: Nicht als Kontraindikation heißt: Kein Grund, deswegen nicht zu impfen.
Zweite Frage von Irmgard: Sie sagt, sie ist 74 Jahre alt, und hat bedenken gegen den Impfstoff Astra Zeneca - weil es erst hieß, er ist für Ü65 nicht geeignet. Jetzt doch. Können Sie meine Bedenken entkräften?
Antwort von Impfarzt Dr. Berndt Otte:
Es gibt eine Studie aus Schottland, bei der [...] ältere Patienten mit dem Astra Zeneca Impfstoff geimpft wurden und alle hatten eine hervorragende Immunantwort. Insofern ist jetzt auch von der ständigen Impfkommission vom Paul Ehrlich Institut in Deutschland der Astra Zeneca Impfstoff für alle Altersklassen zugelassen worden und sollte auch allen Altersklassen zu Verfügung gestellt werden.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, in der Studie wären Impfungen an sechs Millionen Menschen ausgewertet worden. Das ist so nicht richtig. Inhaltlich stimmt die Antwort weiterhin. Hier findet ihr mehr Infos zu besagter Studie.
Steffi hat uns geschrieben, dass sie als Erzieherin früh geimpft wird und sich Sorgen macht, weil sie dann den umstrittenen Astra Zeneca Impfstoff bekommt
Antwort von Impfarzt Dr. Berndt Otte:
Er ist zugelassen in ganz Europa gegen Corona, weil er sich bewährt hat und die Daten aus England zeigen auch, dass er eine sehr gute Schutzwirkung aufbaut. Wenn da berichtet wird, dass er 70 Prozent nur schütze, dann heißt das nicht, dass die verbleibenden 30 Prozent nicht davon profitieren. 70 Prozent sind nach der Impfung asymptomatisch, wenn sie angesteckt werden mit dem Corona-Virus und 30 Prozent kriegen abgeschwächte Verläufe in der Symptomatik, sodass Krankenhausaufenthalte, Beatmungspflichtigkeit etc. entfallen. Insofern sagt das Paul Ehrlich Institut: Es ist ein hervorragender Impfstoff. Wenn wir eine solche Effektivität bei Grippe- oder Lungenentzündungsimpfstoffen hätten, wären wir heilfroh. Der Impfstoff ist vielleicht etwas schwächer als die anderen, aber er ist immer noch ein hervorragender Impfstoff.
Wie sieht es mit den Nebenwirkungen bei Astra Zeneca aus?
Antwort von Impfarzt Dr. Berndt Otte:
Die Nebenwirkungen sind bei dem Astra Zeneca Impfstoff besonders nach der Erstimpfung erheblich und das besonders bei jüngeren Menschen, die ein sehr starkes Immunsystem haben. Die haben doch häufig schwere grippeartige Nebenwirkungen Muskelschmerzen, Gliederschmerzen, eventuell Fieber, Abgeschlagenheit ... Während bei der zweiten Impfung die Nebenwirkung deutlich geringer sind. Bei den anderen Impfstoffen von Moderna und Biontec sind die Nebenwirkungen nach der zweiten Impfung stärker als nach der ersten.
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Antwort von Impfarzt Dr. Berndt Otte:
Die Hauptnebenwirkungen sind grippeähnliche Symptome mit Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, eventuell leichtes Fieber und Schüttelfrost. Schwere Nebenwirkungen sind extrem selten. Ich höre immer wieder Allergiker, die fragen: "Wie sieht es denn aus mit einer Anaphylaxie? Es ist ja auch so, dass wir eine halbe Stunde nach der Impfung noch zur Beobachtung im Impfzentrum bleiben müssen, um eine Anaphylaxie auszuschließen." Da gibt es große Studien mittlerweile aus England, die festgestellt haben, dass diese Impfstoffe etwa in 2-4 auf eine Millionen Impfungen eine Anaphylaxie auslösen. Es ist also extrem selten.
Gabi schreibt, sie möchte sich schnellstmöglich impfen lassen, aber hat Bedenken bei Astra Zeneca. Wirkt der Impfstoff genauso wie der von BioNTech gegen Mutationen, will sie wissen?
Antwort von Impfarzt Dr. Berndt Otte:
Der Astra Zeneca Impfstoff der ist ja von einer Firma aus Schweden und England hergestellt worden und es gibt große Studien aus England, dass er dort auf jeden Fall gegen die englische Mutante B117 sehr gut wirkt. Es gibt erste Berichte, dass er gegen die südafrikanische Variante wohl etwas schwächelt. Die spielt hier in Europa bisher aber überhaupt keine Rolle, sondern wir befürchten, dass die englische Variante jetzt hier die maßgebende Variante sein wird. Und da hilft auch der Astra Zeneca Impfstoff sehr gut gegen.
Jenny macht sich Sorgen, ob für sie der Astra-Impfstoff infrage kommt - weil sie eine Pollenallergie hat.
Antwort von Impfarzt Dr. Berndt Otte:
Bei Pollenallergien ist es überhaupt kein Problem. Alle Impfstoffe sind Totimpfstoffe die auch ei normalen Allergien gegeben werden können. Man muss aufpassen, wenn jemand eine Allergie gegen Macrogol/Movicol hat, das ist ein Abführmittel, die können Probleme haben mit dem Biontec Impfstoff.
Sarah schreibt uns: "Ich habe von mehreren Quellen gehört, dass man sich erstmal nicht impfen soll, wenn man noch Kinder kriegen will. Gründe kenne ich nicht genau, aber es hieß, das würde einem im Beratungsgespräch gesagt." Stimmt das?
Antwort von Impfarzt Dr. Berndt Otte:
Das ist offensichtlich eine Fake-Meldung gewesen. Das hat Überhaupt nichts wirklich wissenschaftliches hinter sich. Das ist Unsinn. Kinderkriegen ist völlig normal, auch nach der Covid-19-Impfung. Das hat überhaupt nichts damit zutun.
Cornelia, Anna und Sandra fragen: "Ich durfte von Kindheit an schon kaum geimpft werden, bin medikamentenüberempfindlich, hatte schon einen Penicillinschock, werde auch nicht gegen Grippe geimpft - was ist bei mir mit dem Impfen?"
Antwort von Impfarzt Dr. Berndt Otte:
Sie kann trotzdem geimpft werden, weil es ein Totimpfstoff und kein Lebendimpstoff ist. Das Einzige, was man bei ihr ausschließen muss, ist, dass sie eine Macrogol Allergie hat. Eine extrem seltene Krankheit, die ich in 30 Jahren als niedergelassener Arzt kein einziges Mal gesehen habe. Normalerweise müsste sie also gut geimpft werden können. In den Impfzentren werden allerdings alle Patienten die eine bestehende Allergie angeben, exakt eine halbe Stunde danach noch beobachtet auf anaphylaktische Reaktionen, das heißt auf plötzliche allergische Reaktionen mit Kreislaufversagen.
Claudia fragt: "Ab wann werden Menschen geimpft, die eine Coronainfektion überstanden haben? Ich bekomme keinen Antikörpertest um eine evtl. noch bestehende Immunität feststellen zu können."
Antwort von Impfarzt Dr. Berndt Otte:
Da die Infektion mit dem nativen Corona-Virus nur eine Immunität gegen dieses Virus hinterlässt, aber nicht wahrscheinlich gegen die Mutanten, empfiehlt man, dass man sechs Monate nach der Infektion trotzdem impfen soll.
Frank aus Wermelskirchen fragt: Soll ich mich trotzdem impfen lassen? Oder reicht eine Bescheinigung: Ich bin immun? Er hatte einen positiven Antikörpertest, im Juni und im September.
Antwort von Impfarzt Dr. Berndt Otte:
Er ist ein Genesener, hat aber eventuell gegen die jetzt übergreifende englische Variante keinen Schutz. Insofern würde ich auch da empfehlen, dass er sich nach sechs Monaten, wenn er die Genehmigung bekommt, sich impfen lassen soll.
Sabine hat Rheuma und will wissen, ob nach einer Impfung eventuell ihre Rheumapräparate nicht mehr so wirken wie vorher.
Antwort von Impfarzt Dr. Berndt Otte:
Bei den Rheumapatienten ist es das Gleiche wie bei den Patienten unter Chemotherapie. Es gibt Antirheumatika die immun-modulierend oder eben immun-suppressiv, also immun-unterdrückend sind. Bei Ihnen kann man impfen, weil es ein Totimpfstoff ist, aber nicht vorhersagen, ob die Impfung so gut anschlägt wie bei nicht therapierten Rheumapatienten. Wenn es geht, soll man auch dann im Intervall impfen und man muss schauen, wie eventuell die Antikörpertiter nach der Impfung sind.
Sandra fragt: Was ist mit chronisch kranken Menschen, die ein geschwächtes Immunsystem haben?
Antwort von Impfarzt Dr. Berndt Otte:
Jetzt kommt es natürlich darauf an, wie stark das Immunsystem geschwächt ist. Ob noch eine Impfreaktion erfolgt oder eben nicht. Da es ein Totimpfstoff ist, gibt es keine Kontraindikation. Aber diese Fälle, genauso wie die Rheumapatienten, sind in den Testreihen nicht extra ausgewiesen gewesen. Insofern gibt es noch keine abschließende Beurteilung dafür, aber es spricht nichts gegen die Impfung. Es könnte allerdings sein, dass die Impfung nicht ganz so gut angeht wie bei jemanden, der keine immun-suppressive Therapie erhält.
Nicole aus Wipperfürth arbeitet in einer Zahnarztpraxis. Sie hat schon die erste Impfung mit Astra Zeneca bekommen und hatte danach 2 Tage hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Sie hat Angst vor der zweiten Impfung. Mit Grund?
Antwort von Impfarzt Dr. Berndt Otte:
Die Erfahrung zeigt, dass die Nebenwirkungen bei dem Astra Zeneca Impfstoff nach der Erstimpfung besonders stark sind und nach der zweiten Impfung deutlich geringer ausgeprägt sind. Insofern wird Nicole gute Chancen haben, dass sie die zweite Impfung besser vertragen wird.
Marion aus Bergisch Gladbach ist Ü65 und hat COPD. Sie möchte wissen: Wann kann ich geimpft werden, mit welchem Impfstoff und wie lange hält die Wirkung an?
Antwort von Impfarzt Dr. Berndt Otte:
Alle COPD-ler sind chronisch kranke Lungenpatienten und sollten bevorzugt geimpft werden. Sie soll sich eine Bescheinigung geben lassen von ihrem Pneumologen oder ihrem Allgemeinarzt, dass sie in der Prioritätenliste hochgestuft wird. Diese ärztliche Bescheinigung muss sie an den Kreis schicken und der wird sie dann vermitteln an ein Impfzentrum, sodass sie bevorzugt geimpft wird.
Brigitte aus Overath hat eine Frage zu ihrer mehrfach behinderten Tochter:
"Unsere 36-jährige Tochter Anna ist durch eine connatale Toxoplasmose-Infektion schwer mehrfach behindert . Gibt es besondere Risiken für sie im Zusammenhang mit einer Covid-19-Impfung ? Zum Beispiel wegen der latent ja vorhandenen Toxoplasmen? So durfte sie als Kind z,B. nicht gegen Masern geimpft werden, um die Toxoplasmen nicht u.U. wieder zu aktivieren."
Die Masern-, Mumps- und Rötelnimpfung ist eine Lebendimpfung, die wird in diesem Fall wirklich nicht empfohlen, aber die Covid-19-Impfungen, ob Vektor- oder Messenger-RNA-Impfung, sind Totimpfungen und können auch in diesem Fall gegeben werden. Sie sollte auch geimpft werden, bei den Vorerkrankungen.
Hinweis
Natürlich beantwortet Herr Dr. Otte die Fragen nach bestem Wissen und Gewissen. Dennoch lässt sich nicht jede Antwort auf jede Patient*in übertragen. Fragt im Zweifel bei eurem Hausarzt oder beim zuständigen Impfarzt nach.