"Da geht mir jedes Mal das Herz auf"

Über 300 Kindern hat Martin Kramm ein Zuhause gegeben: Der Lindlarer hat 15 Jahre lang das Kinderheim Bethanien in Bergisch Gladbach-Refrath geleitet. Heute geht er in Ruhestand und gibt mit dem Kinderdorf ein Herzstück seines Lebens ab.

© Radio Berg

Als Jugendlicher wollte er eigentlich Priester werden, erinnert sich Martin Kramm. Aber dann merkt er, dass er mehr an der Basis arbeiten will, mehr soziale Arbeit und mehr soziales Engagement verwirklichen will. Außerdem war der Wunsch nach einer eigenen Familie so stark, dass er letztendlich doch "Soziale Arbeit" studiert. Schnell kristallisiert sich für ihn die Arbeit mit Kindern in Not als Schwerpunkt heraus. Als er 2004 die Leitung des Bethanien Kinderdorfs übernimmt, ist dieses gerade im Umbruch: Während zu Gründungszeiten vor 50 Jahren vor allem Waisenkinder dort ein Zuhause gefunden haben, kommen jetzt eher Kinder von Eltern, die mit der Erziehung komplett überfordert sind.

"Die Kinder kommen mit Problemen, die behandelt werden müssen."

Therapeuten, Unterstützung in der Schule, Ärzte - Martin Kramm erkennt, was die Kinder brauchen und fängt an, ein Netzwerk aufzubauen. Für viele Kinder, die in Bethanien groß werden, ist er wie ein Vater. Jetzt in den Ruhestand zu gehen, fällt ihm schwer - auch wenn er sich sicher ist, dass "seine" Kinder gut versorgt sind.

"Jeden Morgen, wenn ich ins Kinderheim komme, da geht mir das Herz auf."

Häufig besuchen Ehemalige als Erwachsene zu besonderen Anlässen wieder das Kinderdorf. Gerade an Weihnachten sagen viele nochmal "Hallo". Dann spürt Kramm "welche hohe Bedeutung das für Kinder und Jugendliche hat, vor allem für solche die aus kaputten Familien kommen, dass hier wirklich dauerhafte Beziehungen aufgebaut werden, von denen auch Menschen, die schon älter sind, immer noch zehren und immer noch gerne hier her kommen", sagt er.


"Du wirst für immer meine Mama bleiben."

Wie eng verbunden die Bewohner mir dem Bethanien Kinderdorf verbunden sind, wurde ihm schon zu Beginn seiner Zeit dort klar. Er erzählt von der Verabschiedung einer Kinderdorfmutter, bei der sich eine Frau aus den Reihen löst, nach vorne stürmt und der ehemaligen Mutter mit den Worten "Du wirst für immer meine Mama bleiben" eine Fotocollage in die Hand drückt.

Spätestens ab dem Moment wusste Martin Kramm, dass er im Kinderdorf genau richtig ist, weil er den Kindern für ihr ganzes Leben etwas mitgibt.

Im Ruhestand möchte er eine gewisse Distanz zum Kinderdorf wahren, was nicht heißt, dass er seiner Leidenschaft abschwört. Im Gegenteil sollen Kinder auch in Zukunft sein Leben bestimmen, denn er engagiert sich schon seit vielen Jahren für Waisenkinder in Indien. Jetzt möchte er ihnen mehr Zeit widmen.

Weitere Meldungen