Anzeige
Das Ende der Kaufhäuser
© Radio Berg
Teilen:

Das Ende der Kaufhäuser

Der Countdown läuft, der Ausverkauf auch: Mit Karstadt in Gummersbach geht ein weiteres Stück der Ära Kaufhäuser im Bergischen zu Ende.

Veröffentlicht: Montag, 28.09.2020 12:06

Anzeige

Wir haben mit Kunden in Gummersbach über die bevorstehende Schließung gesprochen. Dabei waren die Meinungen einhellig: Eine riesige Lücke entsteht hier.

Das Forum hat zwar einiges an Kunden angezogen, aber ich denke, die Palette, die es bei Karstadt gibt, die findet man sonst nirgendwo. Und da ist irgendwas kaputtgegangen. (Christa aus Reichshof)
Was haben wir denn hier noch in Gummersbach? Wir können hier keine Pfanne kaufen, Handtücher, oder so kleine Sachen. Das fehlt hier alles. (Roswitha aus Gummersbach)

Viele verbinden auch Kindheitserinnerungen mit dem Kaufhaus.

Als unsere Kinder klein waren, war es etwas Besonderes, zu Karstadt unten in die Lebensmittelabteilung zu gehen, da gab es Süßigkeiten aus aller Welt. (Andrea aus Gummersbach)
Karstadt kenne ich von Kindheitsbeinen an. Das war immer Treffpunkt oben, zum Beispiel im Eiscafé, oder eben in dem guten Restaurant bei Karstadt, während des Einkaufs mal Mittagessen zu gehen, das war sehr schön zu den damaligen Zeiten. Da gab es ja noch kein Fastfoodgeschäft, oder sonst irgendwas. Das war halt eben so für die Familie.

Noch ist unklar, was in das leerstehende Gebäude kommen wird. Bürgermeister Frank Helmenstein kann sich dazu nicht äußern.

Es gibt da eine Vielzahl von Gesprächen, spruchreif ist aber noch nichts, wir sind natürlich da immer unterstützend zur Stelle, aber ich kann jetzt auch nicht Genaueres sagen, wohin die Reise geht.

Der zuständige Geschäftsführer des Betreibers des Bergischen Hofes, Marco Ludwig, sagte uns:

Wir wollen weiter vermieten. Erst wenn etwas unterschrieben ist, werden wir aber bekanntgeben, wie es weitergeht. Vielleicht werden auch Teilflächen vermietet. Insgesamt bin ich aber, was die Vermietung angeht, sehr optimistisch. Auch weil die Gespräche nicht in ein Moloch laufen, weil reagiert wird.

Klar ist aber, dass Helmenstein den Kampf um die Filiale bis zum letzten Tag nicht aufgeben will.

Ich stehe nach wie vor im Kontakt insbesondere auch zu unserer Landesregierung und vor einigen Tagen ist ja beispielsweise auch die Kaufhof-Filiale in Neuss noch gerettet worden, bzw. ein Karstadt in Düsseldorf, ... und das zeigt es mir, dass es sich lohnt, sich bis zum letzten Tag für den Erhalt der Filiale stark zu machen.
Anzeige
Das Ende einer Ära
download
Anzeige

Mitarbeiter an der Belastungsgrenze

Anzeige

Laut Betriebsrat Roland Brockhoff kommen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Karstadt aktuell nicht dazu, sich Gedanken über ihre Zukunft zu machen. Der Ausverkauf fordere alle stark. Es kämen andere Kunden als sonst, Schnäppchenjäger, die ungeduldig seien. Im Verkauf würde aber Personal fehlen, da es verstärkt an den Kassen gebraucht werde. Dort bildeten sich lange Schlangen.

Man schaltet nicht mehr ab. Alles wir zu Hause durchdacht. Immer wieder die Angst vor der Zukunft, wie geht's weiter. Und deswegen haben auch viele gesagt, lass mal warten, bis wir in die Transfergesellschaft gehen. Da kommen wir zur Ruhe und können einmal gezielt nachdenken, wie es weitergehen soll.

Noch 62 Angestellte gebe es, drei hätten einen neuen Job gefunden. Noch einmal so viele gehen nach kurzer Arbeitslosigkeit in die Rente. Die überwiegende Mehrheit bleibt bis zu Schluss. Verkaufsstop ist am 17 Oktober.

Ein paar Tage später wollen die Angestellten, manche von ihnen arbeiten seit 40 Jahren dort, eine Abschiedsparty im Gebäude "feiern".

Da bringt dann jeder ein Salätchen mit,

sagt Brockhoff.

Anzeige
Das sagt der Betriebsrat
download
Anzeige
Anzeige
Anzeige