Der bergische Einzelhandel geht neue Wege

Das Corona-Virus hat alles auf den Kopf gestellt, nicht ist mehr, wie es mal war. Die momentan wahrscheinlich einzige wirksame Methode, das Virus in Schach zu halten, ist die Kontaktsperre einzuhalten. Die könnte allerdings viele lokale Einzelhändler im Bergischen in den finanziellen Ruin treiben. Sie dürfen ihre Geschäfte nicht mehr öffnen, die Kunden dürfen nicht mehr kommen. Dennoch lassen sie sich nicht so einfach unterkriegen. Mit außergewöhnlichen Methoden versuchen sie, ihre Geschäfte trotz Corona am Laufen zu halten.

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Für die vielen kleinen Einzelhändler im Bergischen ist Kontaktsperre eine existenzielle Bedrohung. Sie müssen ihre Läden schließen, die Kunden dürfen nicht mehr kommen, die Umsätze brechen ein. Aber deshalb wird sich der Einzelhandel trotzdem nicht tatenlos der Corona-Krise ergeben.

"Hier anrufen, damit der reichste Mann der Welt nicht noch reicher wird!" So steht es auf einem Plakat im Schaufenster eines Spielwarengeschäftes in Wermelskirchen. Und das funktioniert. Anstatt jetzt auf die großen Online-Anbieter auszuweichen, bestellen die Kunden bei ihm persönlich, erklärt der Inhaber Wolfgang Mühlenmeister: 

Am Montag haben wir im Dauerfeuer telefoniert, auf drei Telefonen synchron! Ich bin überwältigt und habe wirklich eine kleine Runde geheult. Nicht aus Kummer, sondern aus Dankbarkeit über die vielen, treuen Stammkunden!

Eine Resonanz, mit der der Chef des Spielwarenladens zu Beginn des Lock-Downs überhaupt nicht gerechnet hat.

Neue Wege gehen

Viele Einzelhändler wollen ihre Kunden jetzt auch über neue Wege erreichen. Einfach nur darauf zu verweisen, dass wir ihre Waren auch im Internet bestellen können, reicht da allerdings nicht aus, sagt zum Beispiel die Buchhändlerin Gabi van Wahden, aus Wermelskirchen. Ihre Kunden wollen ein persönliches Gespräch. Und das bekommen sie auch:   

Also das was wir am Telefon machen, ist teilweise auch einfach gute Laune zu verbreiten, sofern es uns eben möglich ist. Die Leute sind einfach froh, wenn sie eine nette Stimme hören und wenn man zwischendrin auch mal gemeinsam lacht. "Fühlen Sie sich gedrückt" ist ein Satz, den wir oft am Ende hören!

Den Verkauf hat Gabi auch nicht komplett ins Internet verlegt: sie liefert die Bücher aus. Und ihre Kunden können sich ihre Buchbestellungen in einer Apotheke abholen

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Kaufberatungen per Videochat

Auch Alex Schuhmacher muss wegen Corona umdenken! Sie hat eine Boutique in Leichlingen und berät ihre Kundinnen jetzt per Videocall.  Zuerst führt sie die Kleidungsstücke im Laden vor, die Kunden suchen sich was aus und präsentieren sich zu Hause dann selber im Videchat. Bequemer Klamotten-Shoppen geht doch eigentlich gar nicht! Alex kommt also virtuell zu ihren Kunden nach Hause. So nah war sie ihnen noch nie:

Oft wird gefragt, welche Kleidungsstücke man wie kombinieren kann, und dann sind wir froh, dass wir die Kunden per Videocall beraten können.
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Lieferungen bis vor die Haustür

Ralf Surges hat einen Fachhandel für Grillzubehör in Bergisch Gladbach. Mit großem Ausstellungsraum und eigener Grillschule. Das alles geht gar nicht in Zeiten von Corona. Also macht er jetzt, was er noch nie getan hat: er bringt den Barbeque-Fans frisch gegrillte Burger, Pulled Pork und Sparribs bis vor die Haustüre. Ralf hält also die persönliche Beziehung zu den Kunden trotz Kontaktsperre aufrecht!

Es ist für uns der Strohhalm, wo wir uns festhalten um bei den Kunden im Gespräch zu bleiben, um neue Geschäfte und auch neue Kunden zu bekommen und halt auch unseren Mitarbeitern zu zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind und weiter machen wollen und müssen!
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Unsere Einzelhändler sind durch die Corona-Krise nur scheinbar von der Bildfläche verschwunden. Wenn wir jetzt alle Corona zum Trotz bei unseren lokalen Händlern einkaufen, anstatt bei den großen Onlineplattformen zu bestellen, dann geben wir ihnen damit eine größere Chance die Krise zu überstehen.  

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