Der bergische Wald wird sich ändern

Nicht nur bei der Stadt Gummersbach rufen viele empörte Wanderer an: "Die holzen den gesamten Wald ab!" Nur wenige wissen: Schuld ist der Borkenkäfer.

© M. Cescotti

Es ist nicht die Gier nach Geld, die in unseren bergischen Wäldern für Kahlschlag sorgt. Der Borkenkäfer frisst sich durch den Wald. Nur ein Mittel kann ihn bremsen: Abholzen. Es gibt keine wirklich wirksamen Mittel gegen den Borkenkäfer. Nur das Fällen befallener Bäume kann eine Verbreitung vermeiden.

Ein befallener Baum - Fachleute haben gezählt - enthielt 1.600 Altkäfer, 29.000 Larven und 4.000 Puppen. Im nächsten Jahr werden daraus eine Milliarde fünfhundert Millionen (!) neue Borkenkäfer. Aus einem einzigen Baum!

Da versteht wohl jeder, dass Fallen, die eine Handvoll Käfer fangen, nicht helfen können.

"Selbst wenn man es schaffen würde, mit welche Keule auch immer 95 Prozent der Population zu killen, würde sie sich immer noch vermehren", heißt es vom Regionalforstamt Bergisches Land.

In manchen oberbergischen Waldgebieten müssen die Waldbesitzer die zehnfache Holzmenge einschlagen lassen, um den Wald zu erhalten.

Problem: Hitze

Was der Borkenkäfer nicht mag: Nässe und Kälte. Die Hitzewelle des letzten Jahres hingegen lässt den Käfer "feiern".

Fichten könnten sich grundsätzlich selbst gegen Borkenkäfer "wehren" - indem sie Harz bilden, sobald sie angebohrt werden. Darin verenden die Käfer.

Eine Fichte ohne Wasser aber kann kaum oder kein Harz mehr bilden.

Wald auf der Nordhelle bei Berghausen im August 2018© Ch. Amling/Regionalfortsamt Bergisches Land
Wald auf der Nordhelle bei Berghausen im August 2018
© Ch. Amling/Regionalfortsamt Bergisches Land

Beispiel Gummersbach

Von den 5.000 Hektar Wald im Stadtgebiet Gummersbach sind 250 Hektar bereits vernichtet. 60 Prozent der Waldfläche in Gummersbach ist Fichtenwald. 50 Prozent der Stadtfläche insgesamt ist Wald. Da wird schnell klar: "Überall dort, wo der Wald nicht mehr erhalten werden kann, verändert sich in Zukunft das Landschaftsbild erheblich."

Nicht nur die Gummersbacher müssen sich umgewöhnen. Der Klimawandel wird von uns alle sichtbar in den Wäldern.

Der Anblick wird sich verändern

Auch wenn es eine Zeit nach dem Borkenkäfer geben sollte: Der Anblick des Waldes wird sich verändern. Waldbesitzer und Förster pflanzen den Wald jetzt neu. Mischwald ist wieder angesagt. Der neu heranwachsende Wald soll den Klimaextremen der Zukunft besser gewachsen sein.

Lebensgefahr

Viele Waldwege sind während des Holzeinschlages gesperrt. Es wird dringend gebeten die Absperrungen zu befolgen. Es besteht Lebensgefahr.© M. Cescotti
Viele Waldwege sind während des Holzeinschlages gesperrt. Es wird dringend gebeten die Absperrungen zu befolgen. Es besteht Lebensgefahr.
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Im Wald finden Besucher jetzt nicht nur verdreckte und schlecht begehbare Wege vor, sondern auch gesperrte Wege. Diese Absperrungen sollten dringend respektiert werden, sagen Forstbehörden: Es besteht Lebensgefahr durch stürzende Bäume oder Äste während der Fällungen.

FAQ - Antworten auf Fragen zum Thema

© Radio Berg
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