Die Wiedervereinigung von Hückeswagen

Da können sich die Hückeswagener eigentlich mal einen Sekt gönnen. Am 1.März jährt sich zum 100. Mal die Hückeswagener Einheit. Dass es die überhaupt gibt, wissen selbst viele Hückeswagener nicht.

© Christian Güldner, Radio Berg

Kaum einer weiß, dass am 1. März Tag der Einheit in Hückeswagen ist. In diesem Jahr feiert Hückeswagen sogar 100 Jahre Einheit! Tatsächlich gab es nämlich mal eine Teilung in Hückeswagen - den Stadtkern und die Landgemeinde. Über 60 Jahre war das so. Bis vor 100 Jahren, bis 1920.

Keine Mauer trennte die beiden Teile, sondern die Wupper.

Wo war was?

Wenn Einheimische, und erst recht Auswärtige, in der Schloss-Stadt Hückeswagen zum Beispiel auf Karten auf den Begriff „Neuhückeswagen“ stoßen, wundern sie sich. „Wo lag denn das?“, lautet meistens die Frage und das Erstaunen ist groß. Die Antwort ist auf den ersten Blick verblüffend: Es befand sich rundherum um das Schloss und die Altstadt, die früher Freiheit genannt wurde. Der dicht bebaute Stadtkern – im früheren Sinn also das eigentliche Hückeswagen, war regelrecht umzingelt. Das lag daran, dass Hückeswagen als alte Grafenstadt - und später der Grafschaft Berg zugehörig – eine Art privilegierter Bezirk war.

Und wieso?

Die Bürger hatten besondere Steuerprivilegien, im Gegensatz zu den Landbewohnern. Das war über Jahrhunderte so, bis Napoleon 1806 die Freiheit und die Außenortschaften – die vier so genannte Honschaften - „zwangsvereinte“, also unter eine einheitliche Verwaltung mit einem Maire (Bürgermeister)

stellte. Das war damals eine moderne Sache, zumal so die Grundsätze der Französischen Revolution mit dem Code Napoléon (u.a. die Gleichheit aller Bürger) umgesetzt wurden. Doch als die Preußen 1815 an die Macht kamen, wurden wieder Unterschiede zwischen Stadt und Land gemacht, z.B. durch ein

unterschiedliches Wahlrecht. 1856 machte dann Preußen einigen kleinen Orten mit Gewerbe das vergiftete Angebot, eine Städteordnung zu bekommen. Der

Vorteil: Die Stadtverordneten durften von da an ihren eigenen Bürgermeister wählen und man war somit unabhängiger. Dieses Angebote galt aber nicht für die Landgemeinde, also den Honschaften drumherum! Nun, die Stadtgemeinde nahm das Angebot dankend an, verließ das gemeinsame Gremium, den Sammtgemeinderat, und bekam 1859 besagte Städteordnung verliehen. Die Landgemeinde blieb außen vor und ab 1863 gab es auch dann zwei Bürgermeister mit jeweils einer eigenen Verwaltung auf engsten Raum.

Ärger vorprogrammiert

Beide „Zentren“ lagen nur wenige Meter voneinander entfernt und waren nur durch die Wupper getrennt. Es begann ein Konflikt sondergleichen in fast

allen Bereichen: Schüler wurden aus Schulen ausgewiesen und man überzog sich mit Vorwürfen, denn schließlich ging es ums Geld. Einigungsversuche, die immer dann gemacht wurden, wenn ein neuer Bürgermeister gewählt werden musste, blieben erfolglos. Immer wieder wehrten sich bestimmte Interessengruppen dagegen. 1880 dann ein unrühmlicher Höhepunkt: Die gerade im Amt befindlichen Bürgermeister von Hückeswagen und Neuhückeswagen bekämpften sich mittels Inseraten und Bekanntmachungen teilweise bis aufs Blut. Der Konflikt endete mit einer unglaublichen öffentlichen Entgleisung, wo der eine den andern mittels des berühmten Gedichtes von Friedrich Schiller, dem Lied von der Glocke, als wahnsinnig titulierte und zitierte: „Jedoch der

schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn“. Die Streitigkeiten setzten sich noch viele Jahre fort, bis der Erste Weltkrieg die Kontrahenten zur Räson brachten.

Zurück zur Einheit!

Ab 1918 ging alles ganz schnell, denn die Ressourcen auf beiden Seiten waren erschöpft und man kam zu der Erkenntnis „Nur gemeinsam ist man stark“. So wurden schließlich die Gemeinden zum 1.3.1920 zu „Hückeswagen" vereint.

(Danke für diesen Text an Norbert Bangert!)

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