
Dreigestirn in Odenthal-Eikamp: Reine Frauenpower
Worüber in Köln noch heiß diskutiert wird, ist im Bergischen schon Realität: Ein weibliches Dreigestirn. In Odenthal-Eikamp ist in dieser Session ein Damendreigestirn proklamiert worden. Jungfrau Inga Schoppeit, Bäuerin Verena Mengden und Prinz*in Clara Brückers haben sich ganz selbstverständlich auf den Posten beworben. Dass jetzt Gott und die Welt über die drei spricht, kam für sie unerwartet, sagt Clara.
Es ist schade, dass wir überhaupt noch diskutieren müssen. Auf der anderen Seite: Wenn wir nicht diskutieren, dann wird sich auch nichts ändern. Wir freuen uns auf jeden Fall, ein Teil der Veränderung zu sein.
Im eigenen Verein war eine Session, die von drei Frauen getragen wird, laut Inga nie ein Thema.
Es war immer selbstverständlich, dass wird das machen können und dürfen. Da wurde auch nicht einmal dumm geguckt oder nachgefragt.
Veröffentlicht: Montag, 30.01.2023 11:25
Meistens positive Reaktionen bei den Auftritten
Clara, Verena und Inga haben bei ihrer Proklamation die Bühne gerockt und sorgen wo sie auftauchen für gute Stimmung. Auch andere Vereine reagieren positiv auf das Dreigestirn und unterstützen die Frauen. Trotzdem fallen hin und wieder aber Sätze, die die Frauen mittlerweile gekonnt ignorieren.
Jemand meinte zu mir: Wenn meine Oma das wüsste, die würde sich im Grab rumdrehen. Die Oma war eine sehr traditionelle Karnevalistin und mit drei Frauen im Dreigestirn wäre die gar nicht einverstanden gewesen.
Ich habe noch den Kommentar gehört: Nur über meine Leiche in meinem Verein.
Besonders wegen solcher konservativen Karnevalisten haben die drei mittlerweile auch eine Vorbildfunktion. Immer wieder kommen Frauen auf sie zu, die sich gewünscht hätten, einmal als Dreigestirn auf den Bühnen zu stehen, deren Vereine sich aber quergestellt haben.
Karneval feiern mit Gendersternchen
Für Aufsehen sorgt auch Prinz*in Clara. Ihr Schwiegervater hatte die Idee mit dem Gendersternchen und Clara fand den Vorschlag direkt richtig gut.
Eine Jungfrau und eine Prinzessin hätte irgendwie nicht gepasst, deswegen habe ich mich für Prinz*in entschieden. Ich finde das Gendern wichtig und provoziere auch gerne damit. Viele Leute lassen sich ja auch sehr leicht damit provozieren.
Probleme gibt es deswegen aber nicht. Sowohl die Vereine, als auch die Jecken nehmen das Sternchen gut auf und sprechen es mit, wenn sie die Prinz*in ankündigen. Clara hofft, dass sie damit auch für mehr Diversität im Karneval wirbt, denn ein Gendersternchen bezieht auch alle Menschen mit ein, die den Geschlechternormen nicht entsprechen.
Ich würde mich total freuen, wenn demnächst Transmenschen im Dreigestirn sind, oder auch Leute mit einer anderen Hautfarbe oder auch Migrationshintergrund.
Die Strukturen im Karneval müssen sich grundsätzlich ändern, sagen die drei Frauen. Die Vorstände der Karnevalsvereine bestehen immer noch zum größten Teil aus weißen Männern und das hat auch Einfluss auf die Art wie wir Karneval feiern. Am Ende sollte der Karneval aber für alle da sein, so die drei.
Auch Radio Berg Reporter Dominik Becker hat sich für den Podcast Kölsch&Jot mit dem weiblichen Dreigestirn aus Eikamp getroffen und sich nochmal ausführlich mit den Powerfrauen unterhalten. Zu dem Podcast geht es hier.