Ermittler befürchten weitere noch aktive Täter

Im Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach befürchten die Ermittler, dass weitere Täter nach wie vor aktiv sind. Die nordrhein-westfälischen Polizeibehörden arbeiten weiter mit Hochdruck an der Auswertung der sichergestellten Daten, auch über das Wochenende sollen die Ermittlungen ununterbrochen weitergehen.

Polizei und Staatsanwaltschaft sind nach Informationen von Radio Berg dabei im Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach weitere Opfer zu identifizieren. Außerdem scheint der Fall eine bundesweite Dimension zu bekommen. Aus Ermittlerkreisen heißt es, man gehe mittlerweile von einer zweistelligen Zahl von Opfern aus. Man sei optimistisch, dass bald auch weitere Täter identifiziert und festgenommen werden können. Freitagmorgen hat die Polizei in Köln den Ermittlungsapparat noch einmal vergrößert. Es gab im Kölner Polizeipräsidium ein Treffen mit Bundeskriminalamt, dem Landeskriminalamt und der Sondereinheit Cybercrime der Staatsanwaltschaft. Das deutet darauf hin, dass die Ermittler einem Netzwerk von Kinderschändern in mehreren Bundesländern auf der Spur ist. Die Polizei bereitet sich darauf vor die Ermittlungen bundesweit und vielleicht sogar international auszuweiten, in den gefundenen Chatforen ist nicht nur in deutsch, sondern auch in anderen Sprachen kommuniziert worden. In mehreren Fällen haben die Ermittler außerdem nachweisen können, dass die Tatverdächtigen Männer ihre Opfer untereinander ausgetauscht haben.

Die Zahl der Ermittler ist inzwischen weiter aufgestockt worden. Mehr als 200 Beamte arbeiten mit Hochdruck daran, die betroffenen Kinder zu identifizieren und die Täter aus deren Umfeld zu holen, sagte der leitende Ermittler, Michael Esser.

NRWs Opferschutzbeauftragte Auchter-Mainz erklärte, dass den Kindern in ihren Familien sowie in Einrichtungen, in denen sie betreut werden, geholfen wird.

Unterdessen berichten Medien von einer möglichen Panne bei den Behörden. Die Polizei hatte einen der sechs in diesem Fall bisher festgenommenen Täter offenbar bereits im Juni im Visier. Die Klever Staatsanwaltschaft veranlasste jedoch keine Hausdurchsuchung. Die Verhaftung des Mannes aus dem Großraum Wesel war dann vor einer Woche nach der Durchsuchung bei einem Gladbacher Familienvater veranlasst worden. 

Mindestens zehn Terabyte an Daten sind im Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach mittlerweile sichergestellt worden. Das hat Innenminister Reul am Donnerstag im NRW Landtag berichtet.

Die Kölner Staatsanwaltschaft spricht bei den Daten von „beweiserheblichem, kinderpornografischem Material“. In den Chats würden Bilder und vielleicht auch Opfer ausgetauscht.

Innenminister Reul mahnte an,die Ermittler ruhig und ordentlich arbeiten zu lassen. Er befürchtet, dass sie dabei noch nicht am Ende seien. Nach Angaben des Ministers haben die Polizisten sechs Tatverdächtige ermittelt. Neun Objekte seien durchsucht worden, acht davon in NRW. Nach Expertenmeinung ist der Fall in Bergisch Gladbach nur die Spitze des Eisbergs.

Die Ermittler werten aktuell mit Hochdruck das sichergestellte Bildmaterial aus. Dabei stehe man noch am Anfang, sagt Kölns Polizeipräsident Uwe Jacob. Er geht davon aus, dass es weitere Täter und somit auch Opfer gibt. Der Schutz und die Rettung der Kinder habe jetzt oberste Priorität.

Am Mittwoch waren zwei weitere Festnahmen in Aachen und Krefeld bekannt geworden. Einer der Männer hat den Missbrauch an seiner Tochter gestanden. Die Männer sollen überwiegend ihre eigenen oder Stiefkinder im Alter von bis zu 11 Jahren schwer missbraucht haben.

Die Männer sollen ihre Taten mit Fotos und Videos dokumentiert und über Handychats ausgetauscht haben. Teilweise in Gruppen mit bis zu 1.800 Mitgliedern. Innerhalb dieser Gruppen wurde größtenteils in Deutsch, aber auch in kyrillisch geschrieben.

Die umfassenden Ermittlungen waren nach der Durchsuchung bei einem Gladbacher Familienvater ins Rollen gekommen – dabei wurden mehrere Terabyte kinderpornografisches Material sichergestellt. In den letzten Tagen waren auch extra ausgebildete Datenspeicher-Spürhunde im Einsatz. Sie hatten weitere Datenträger in Haus und Garten des Gladbachers gefunden.

Weil die Sichtung der schrecklichen Fotos und Videos auch für die Ermittler psychisch sehr belastend sei, hat die Kölner Polizei eine spezielle Betreuungsstelle für sie eingerichtet.

Weitere Meldungen