Handball: VfL muss nach Pleite im letzten Heimspiel ins Abstiegs-Endspiel

Der VfL Gummersbach steht vor dem ersten Abstieg aus der Handball-Bundesliga. Am vorletzten Spieltag unterlag der VfL zu Hause Frisch Auf Göppingen mit 22:26 und verpasste den vorzeitigen Klassenerhalt.

© VfL Gummersbach/Philipp Ising

Am 33. Spieltag der Handball-Bundesliga verliert der VfL Gummersbach sein letztes Heimspiel der Saison 2018/19 gegen Frisch Auf Göppingen mit 22:26 (13:14). Knappe 40 Minuten lang sahen die Zuschauer in der ausverkauften Schwalbe-Arena ein ausgeglichenes Spiel, ehe beim VfL die Nervosität die Oberhand gewinnen konnte und dem Heimteam 13 Minuten lang nicht ein einziges Tor gelang. Die anschließende Wende im Spiel kam schlussendlich zu spät, um das Spiel zu drehen und die so wichtigen Punkte im Fernduell mit der SG Bietigheim und den Eulen Ludwigshafen einzufahren.

Der VfL spielte von Beginn an mit Willen und Leidenschaft. Gleich nach wenigen Sekunden zappelte der Ball dank Ivan Martinovic zum ersten Mal im Göppinger Netz. Auch VfL-Keeper Carsten Lichtlein zeigte sich in seinem letzten Heimspiel für die Oberbergischen hellwach und parierte in der Anfangsphase gleich mehrfach. Die aggressive Gummersbacher Abwehr, die in der sechsen Minute bereits die zweite Zeitstrafe hinnehmen musste, stemmte sich erfolgreich gegen die Göppinger Angreifer. Auch die kurzzeitige doppelte Unterzahl steckte der VfL gut weg. Nach sieben Minuten war es erneut Martinovic, der zum 4:3 traf. Während die Einstellung aufseiten der Hausherren stimmte, standen sich die Blau-Weißen in der Offensive hin und wieder selbst im Weg und ließen die Nervosität ob der Tabellensituation durchblicken. So verpassten es die Gummersbacher sich einen Vorsprung zu erspielen und es entwickelte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Über ein 6:6 (13. Minute) und 8:8 (17. Minute) ging der VfL in Minute 20 mit 10:9 in Führung. Den Treffer erzielte Stanislav Zhukov, der eine starke Leistung und gutes Durchsetzungsvermögen aus dem Rückraum zeigte. Dennoch nahmen in den kommenden Minuten die Göppinger das Spielgeschehen mehr und mehr in die Hand. Drei Treffer in Folge brachten die Oberbergischen in der 24. Minute erstmals mit zwei Toren in Rückstand (10:12). Die weiterhin kämpferische Haltung der Gummersbacher sorgte jedoch für den erneuten Anschluss. Fynn Herzig erzielte sowohl den 11:12-Anschluss (25. Minute) als auch das 13:14 in der 29. Minute. Mit diesem knappen Resultat ging es anschließend in die Halbzeitpause.

Nach dem Seitenwechsel blieb die Partie weiterhin eng mit leichten Vorteilen für Göppingen. Auf den dritten gehaltenen Siebenmeter-Treffer von Lichtlein in der 33. Minute folgte Zhukov im Gegenzug mit dem 14:15 (35. Minute). Dennoch agierte der VfL immer wieder fahrig und ließ zu viele Chancen liegen. Nach der ersten Drei-Tore-Führung der Göppinger in Minute 40 reagierte Gummersbachs Coach Torge Greve entsprechend mit der Auszeit (16:19). Doch auch die folgenden zwei Angriffe – davon ein Siebenmeter – beendete die Heimmannschaft ohne zählbaren Erfolg. Die Verunsicherung war dem VfL sichtlich anzumerken, denn bereits in der 44. Minute beim Stand von 16:20 nutze Greve erneut die Chance auf seine Mannschaft einzuwirken. Doch auch diese Auszeit brachte keine Wende hervor. Im Gegenteil – die Gummersbacher waren nun völlig von der Rolle und spielten vorne wie hinten mutlos.

Die Göppinger nutzten die Schwächephase der Hausherren, um ihren Vorsprung auf sieben Treffer auszubauen (16:23, 51. Minute). Zu diesem Zeitpunkt wartete der VfL bereits 13 Minuten lang vergeblich auf einen eigenen Torerfolg. Für die vorübergehende Erlösung sorgte erst Alexander Becker mit seinem 17:23-Treffer in der 51. Minute. Nur wenige Sekunden später legte Marvin Sommer per Tempogegenstoß nach (18:23, 52. Minute) und leitete das Aufbäumen der Blau-Weißen ein. Nach Treffer von Becker (19:23, 54. Minute) und Parade von Lichtlein (55. Minute) verpasste es der VfL jedoch wieder auf drei Tore heranzukommen. Trotz den Bemühungen die Konzentration wiederzufinden, reichte die Zeit schlussendlich nicht mehr aus, um das Ergebnis zu drehen. Mit 22:26 ging die Begegnung aus Gummersbacher Sicht verloren.

Durch die zeitgleiche Niederlage der SG Bietigheim beim SC Magdeburg bleiben die Bietigheimer und der VfL Gummersbach vor dem letzten Spieltag punktgleich und bestreiten damit das direkte Endspiel um den Klassenerhalt unter denkbar ausgeglichenen Vorzeichen. Bei einem Auswärtssieg dürfen die Gummersbacher weiter in der höchsten deutschen Spielklasse bleiben, ein Sieg der Bietigheimer würde den ersten Abstieg in der Geschichte des VfL nach sich ziehen. Sollte Ludwigshafen seine beiden verbliebenen Partien erfolgreich bestreiten, haben auch Die Eulen noch eine Chance auf den Klassenerhalt. Dazu sind sie auf ein Unentschieden zwischen dem VfL und Bietigheim angewiesen.

 

Trainerstimmen:

Torge Greve (Gummersbach): Ich gratuliere Göppingen zum Erfolg. Wir sind heute eigentlich gut ins Spiel reingekommen, hatten dann aber in verschiedenen Spielsituationen wieder Probleme, aus denen wir nicht rausgekommen sind. Wir haben dadurch dann den Fokus verloren und konnten das nicht wieder korrigieren. In der zweiten Halbzeit sind wir auch wieder ganz gut rausgekommen, haben uns dann aber in Eins-zu-eins-Situationen aufgerieben, wo man vielleicht einfach einen weiteren Pass hätte spielen können. Heute ist es für uns eine große Enttäuschung, die jetzt vorherrscht. Das ist auch normal. Wir haben jetzt einen von zwei Matchbällen nicht nutzen können und müssen nun den zweiten und letzten Matchball in Bietigheim nutzen. Ein sehr großes Lob geht heute definitiv an die Zuschauer, die uns ganz außergewöhnlich unterstützt haben, wie schon in der ganzen Saison.

Hartmut Mayerhoffer (Göppingen): Ich bin mit der Leistung meiner Mannschaft sehr, sehr zufrieden, vor allem was das Kämpferische betrifft. Wir haben über 60 Minuten viel investiert und hatten in der Anfangsphase viele Probleme gegen die Schützen aus der zweiten Reihe des VfL Gummersbach, aber darauf konnten wir uns dann am Ende der ersten Halbzeit gut einstellen. Es hat heute recht lange gedauert, bis wir es dann in der zweiten Halbzeit auch endlich geschafft haben wegzuziehen und zwischenzeitlich sogar mit sieben Toren zu führen. Das hier war unser Auswärtsgesicht, das sehe ich sehr gerne und das würde ich mir auch öfter bei unseren Heimspielen wünschen.

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