
Handball: VfL verliert engen Krimi
Der VfL Gummersbach hat fünf Tage nach dem bitteren Pokal-Aus gegen den TBV Lemgo gegen denselben Gegner auch in der Bundesliga verloren. Am 19. Spieltag unterlag der VfL unglücklich einen dramatischen Krimi mit 28:29.
Veröffentlicht: Donnerstag, 09.02.2023 20:42
Der VfL Gummersbach ist mit einer Niederlage ins Bundesliga-Jahr 2023 gestartet. Fünf Tage nach dem schmerzhaften Pokal-Viertelfinal-Aus gegen den TBV Lemgo verlor das Team von Cheftrainer Gudjon Valur Sigurdsson gegen die Gäste aus Ostwestfalen nach einer dramatischen Schlussphase denkbar knapp mit 28:29 (14:16). Die Gastgeber präsentierten sich vor 3.800 Zuschauern in der Schwalbe-Arena deutlich konzentrierter als beim Aufeinandertreffen der beiden Teams am vergangenen Samstag. Auf einen guten Beginn folgte eine Schwäche-Phase der Oberbergischen, ehe es in der Crunchtime wieder spannend wurde.
Die Gastgeber starteten fokussiert in die Partie. Nach einem 0:2-Rückstand (2. Minute) markierten Lukas Blohme, Ole Pregler und Hákon Dadi Styrmisson drei Gummersbacher Tore in Folge und stellten damit die erste Heimführung auf (3:2, 4. Minute). Mit dem fünften VfL-Treffer in Serie erhöhte Pregler in der neunten Minute gar auf 5:2. Der Youngster ersetzte auf der Mittelposition den an einer Rippenprellung leidenden Spielmacher Dominik Mappes, auf den die Oberbergischen vorerst verletzungsbedingt verzichten müssen. Insgesamt hinterließen die Blau-Weißen einen in der Offensive aufgeräumten und in der Defensive stabilen Eindruck. Mit seinem Treffer zum 8:5 festigte Julian Köster nach einer Viertelstunde die knappe Führung der Gummersbacher.
In der Folge ließ der Bundesliga-Aufsteiger jedoch immer wieder seine letzte Konsequenz vermissen, so dass die Lemgoer wieder auf ein Tor aufschließen konnten (11:10, 20. Minute). Zu leichtsinnige Fehler im Angriff, in dem Sigurdsson viel Personal durchwechselte, mündeten in der 26. Minute in den 12:12-Ausgleich durch den TBV. Auch in der Defensive fehlte den Gummersbachern Ende der ersten Halbzeit der nötige Zugriff aus der Anfangsphase. So gerieten die Oberbergischen vor dem Pausenpfiff noch einmal ins Hintertreffen und gingen mit einem 14:16-Rückstand in die Kabine.
Mit neuem Schwung aber teilweise überhasteten Torabschlüssen gingen die Blau-Weißen die zweite Spielhälfte an, in der sie in Minute 36 erstmals mit drei Treffern in Rückstand gerieten (17:20). Der VfL tat sich weiter schwer, so dass Sigurdsson in Minute 39 unmittelbar nach dem ersten Vier-Tore-Rückstand seine Mannschaft zum Timeout berief (18:22). Auf einen weiteren Fehlwurf – diesmal durch Kreisläufer Jonas Stüber – folgte die gewünschte Reaktion von Sigurdsson. Zwei Tore durch Tilen Kodrin und Mathis Häseler verkürzten den Abstand auf 20:22, was wiederum die Auszeit durch Lemgo-Trainer Florian Kehrmann nach sich zog (42. Minute). Die Hausherren ließen sich jedoch nicht beirren und schlossen nur wenige Sekunden nach Wiederanpfiff der Partie und sofortigem Ballgewinn durch Tom Kiesler in Person von Häseler auf 21:22 auf (42. Minute). Der Youngster läutete mit einem weiteren Tor auch die Schlussphase der Partie ein (22:23, 44. Minute).
In dieser verpassten die Gummersbacher trotz nun starker Defensive und einem stärker werdenden Keeper Tibor Ivanišević die Fehler der Lemgoer auszunutzen und die Partie zu drehen. In einer hektischen Phase zog der TBV zunächst wieder davon (22:25, 47. Minute), fand dann aber immer wieder seine Endstation in Ivanišević, der mit einer Parade auch den 25:25-Ausgleich durch Miro Schluroff in der 51. Minute einleitete. Eine Minute später brachte Tom Jansen den VfL sogar wieder in Front (26:25). Beim Stand von 27:27 nahm Sigurdsson nach auf beiden Seiten chaotischen Minuten noch einmal von seiner Auszeit Gebrauch. Der nächste Führungstreffer war dann aber den Lemgoern vergönnt (27:28, 58. Minute). Auf Gummersbacher Seite zeigte sich im Gegenzug erneut der starke Häseler nervenstark und erzielte den 28:28-Ausgleich in Minute 59. Für einen Punkte sollte es am Ende dennoch nicht reichen, denn zwölf Sekunden vor dem Schluss kassierten die Hausherren noch den Gegentreffer zum 28:29, der die Niederlage besiegelte.
In der Tabelle ist der VfL neunter mit 18:20 Punkten. Am Donnerstag, 23. Februar, spielt Gummersbach beim Mitaufsteiger ASV Hamm.
Torschützen: Häseler 6, Köster 5, Jansen 4, Vidarsson 2, Kodrin 2, Pregler 2, Blohme 2/1, Styrmisson 2/1, Schluroff 1, Zeman 1, Schroven 1
Trainerstimmen:
Gudjon Valur Sigurdsson (VfL Gummersbach): Glückwunsch zum Sieg. So unzufrieden kann ich mit meinen Jungs heute nicht sein. Sie haben gekämpft und Willen gezeigt, aber man merkt in solchen Spielen, was uns gegenüber einer Mannschaft wie Lemgo einfach noch an Erfahrung fehlt. Sie haben einfach alles bestraft. In der ersten Halbzeit hatten wir Niels Versteijnen gar nicht im Griff. Abwehrmäßig war es okay, aber im Positionsangriff waren wir schlecht. In der zweiten Halbzeit haben wir viele Konstellationen probiert und auch besser gegen die 7:6-Variante von Lemgo gedeckt. In einer super Phase kommen wir dann mit 26:25 in Führung, aber gefühlt nur wenige Sekunden später übernimmt dann Lemgo wieder die Führung, weil wir die Bälle wegwerfen. Die guten Chancen, die wir hatten, verwerfen wir einfach. In den 1:1-Situationen, in denen wir die Würfe allein vorm Torhüter hatten, verwerfen wir einfach. Da müssen wir abgezockter werden. Wir sind enttäuscht, aber wir haben alles gegeben. Man muss das Positive sehen und von solchen Mannschaften lernen. Lemgo nimmt sich eben nur hundertprozentige Würfe, wohingegen wir es im Angriff schwerer haben. Ich möchte Mathis und Tom Kiesler, der in der Abwehr auf einer neuen Position gespielt hat, loben. Für diese beiden freut es mich besonders. Natürlich wollten wir die Punkte behalten, aber das ist uns leider nicht gelungen.
Florian Kehrmann (TBV Lemgo): Nach dem Pokalfight am Samstag war es heute wieder ein Fight. Wir sind überhaupt nicht ins Spiel gekommen und haben direkt deutlich zurückgelegen. Danach waren wir besser und stabiler in der Abwehr, wo wir uns viel helfen und abfangen. Wir kamen dann langsam ins Spiel und haben es geschafft das Spiel in unsere Richtung zu drehen. In dieser Phase haben wir Gummersbach für ihre Fehler bestraft. Es war aber klar, dass es noch einmal ein enges Spiel wird, in dem es auf die Kraftreserven ankommt. Wir haben das Spiel eigentlich im Griff, dann kommt Gummersbach ran, wir drehen es wieder und tun uns dann schwer. Auch wenn wir in der Phase kaum Tore geworfen haben, hatten wir das Momentum auf unserer Seite. Hintenraus hatten wir natürlich eine Portion Glück, aber über das ganze Spiel gesehen hatten wir mit unserer Abwehr ein Plus. Dass der Buzzerbeater reingeht, ist natürlich auch eine Qualität, aber ebenso Glück. Jetzt gilt es schnell zu regenerieren.