
Heute geht es um eine Herausforderung auf zwei Rädern
Für eine Radioreportage sollte ich einen E-Bike fahrenden Postboten auf seiner Tour mit einem E-Bike der Post begleiten. Eigentlich ein schöner Termin. Der Haken an der Sache: ich bin noch nie E-Bike gefahren. Okay, ich sehe täglich viele Menschen, die wesentlich älter sind als ich und trotzdem mit einem E-Bike klarkommen. Aber ich hatte Bedenken, mich und meine Umwelt in Gefahr zu bringen. „Um das Rad müssen sie sich nicht sorgen“, beruhigt mich der freundliche Postbote, „das ist der reinste Panzer. Wenn das mit einem Auto zusammenstößt, hat das Auto eine Beule, dem Rad passiert nichts.“ Das glaube ich ihm gerne. Das Rad ist ein Koloss von einem Stahlross. 90 Kilo schwer, mit wuchtigen Ladeflächen. Aufgebockt wie ein Motorrad. Der Motor wird über den Handgriff gesteuert. Kurz flackern Erinnerungen an meine erste und einzige Fahrt auf einem Mofa auf: völlig unkontrolliert bin ich damals über eine Wiese geschossen. Nie wieder, hatte ich beschlossen als ich endlich die Bremsen gefunden hatte. Und jetzt das. Mit zittrigen Beinen und einem flauen Gefühl im Bauch traue ich mich drauf. Vorsichtig taste ich mich ran, Gas geben, bremsen, aufsteigen, absteigen, wieder aufsteigen, am Berg anfahren. Zum Glück hat der Motor nicht so viel Schubkraft, wie ich befürchtet hatte, aber ohne käme ich mit dem schweren Gerät auch gar nicht in die Gänge. Ich drehe zwei Runden alleine und sehr verhalten durch die Stadt. Bei der dritten Runde ertappe ich mich dabei, dass es mir Spaß macht. Dann bin ich bereit, den Postboten auf seiner Tour zu begleiten. Dass ich trotz E-Bike eher zur Kategorie Schneckenpost gehöre, lässt mich der Profi zum Glück nicht spüren. Danke dafür, lieber Stefan! Letztendlich kommen das E-Bike und ich tatsächlich unverletzt zurück. Aber mein schönes, leichtes Sportfahrrad tausche ich trotzdem nicht gegen ein E-Bike ein.