
Meine Güte bin ich erleichtert! Zur Erklärung: Die letzten Monate war mein Weg zur Arbeit ein einziger Nervenkitzel. Zum einen aktuell durch die typisch bergischen Gegebenheiten: Fuchs, Hase und Reh, die sich vermehrt im Herbst in teils scheinbar suizidaler Absicht unvermittelt auf die Straße stürzen. Andererseits dadurch, dass mein Vertrauen in meinen fahrbaren Untersatz zunehmend schwand. Denn mein heißgeliebtes Auto hatte gut über 200.000 Kilometer auf der Uhr und die ein oder andere Schwachstelle. Die ein oder andere sehr kostspielige Schwachstelle. So kostspielig, dass ich mich dann doch entschlossen habe, den alten Herrn abzugeben. Ein neues Auto sollte her, zum ersten Mal sogar ein „richtig Neues“. Bestellt habe ich Anfang Februar. Da hieß es: Liefertermin 10. Juni. Gut. Die paar Monate überlebt mein Rentner noch.
Das war natürlich alles ohne eine gewisse Pandemie berechnet, die unser aller Leben seit Monaten auf den Kopf stellt. Es wird Mai, der Liefertermin rückt näher. Aber das Werk ist dicht – mein Auto ist noch nicht mal gebaut. Puh, so langsam wird’s eng. Bei jeder Fahrt bete ich, dass mein aktuelles Auto noch anspringt. Ich parke ausschließlich abschüssig, damit der Wagen irgendwie in Bewegung kommt. Das ist teilweise ganz schön kompliziert - die wenigsten Supermarktparkplätze sind abschüssig...
Es wird August, September. Und dann endlich der erlösende Anruf: mein Auto wird gebaut! Mitte Oktober soll es so weit sein. Ein Ende ist absehbar. Bitte liebes altes Auto, halte noch so lange durch!
Hat es Gott sei Dank. Seit knapp zwei Wochen kann ich nun wieder befreit zur Arbeit fahren, im neuen Auto. Aber ganz ehrlich, auch wenn ich überglücklich und schwer verliebt bin in meinen neuen, kleinen Flitzer: Ein bisschen fehlen mir die Macken von meinem alten Herrn schon.