
Koffer-Gate
Urlaub. Sollte per Definition ja eigentlich die Zeit im Jahr sein, in der man entspannt. Das war auch mein Plan diesen Sommer: Schön ein paar Tage hoch an die See. Ganz entspannt mit dem Zug, denn für sechs Tage braucht man ja nicht viel. Da reichen ein Rucksack und ein Koffer.
Genau dieser Koffer hat mir den letzten Nerv geraubt. Und das bevor ich überhaupt richtig auf dem Weg war. Folgendes Szenario: Ich bin am Bahnhof angekommen und will hoch zum Gleis. Nicht mit dem Aufzug, sondern über die Treppe – schließlich ist mein Koffer nicht so schwer (14kg) und meine Beine noch jung (also mehr oder weniger). Ich erklimme also Stufe um Stufe. Auf der Letzten gibt es plötzlich ein krachendes Geräusch, das Gewicht des Koffers an meinem Arm verschwindet und ich höre entsetzte Rufe. Der Auslöser bin ich – oder vielmehr mein Koffer! Der Griff ist abgerissen und mein Koffer scheppert krachend sämtliche Stufen hinunter.
Ich stehe fassungslos oben an der Treppe, den abgerissenen Griff in der Hand. Gott sei Dank war niemand hinter mir, sonst hätte es durch meinen Koffer noch Verletzte gegeben. Zwei nette junge Männer erbarmen sich meiner und tragen den Koffer die Treppe hoch. Oder vielmehr was davon übrig ist: Durch den Sturz ist die komplette Vorderseite aufgeplatzt. Nur das Innenfutter verhindert, dass meine Schlüppis und Co auf dem ganzen Bahnhof verteilt werden.
Die komplette restliche Fahrt ist danach eine Kombination aus stummen Gebeten meinerseits, dass der Koffer auch beim Umsteigen hält, mitleidigen Blicken der anderen Reisenden und einem blutenden Kratzer am Oberschenkel. Den habe ich mir an einer Kofferkante zugezogen. Letztlich hat der Koffer tatsächlich durchgehalten. Die Rückreise sogar auch – dann allerdings gepimpt mit Unmengen an Gaffa-Tape…