
Kitzretter im Bergischen
Jedes Jahr fallen in Deutschland bis zu 100.000 Rehkitze dem Mähdrescher zum Opfer. Um das zu verhindern, durchstreifen immer mehr Ehrenamtliche die Felder und Wiesen, bevor die Landwirte mähen. Zum Beispiel im Oberbergischen auch die Mitglieder des Wiehler Vereins "Werde KitzretterIN e.V." - und retten so jedes Jahr vielen Jungtieren das Leben.
Veröffentlicht: Montag, 24.04.2023 11:16
Um ihre Jungen vor Fressfeinden zu schützen, verstecken Rehe ihre Kitze meist in den hoch gewachsenen Wiesen im Bergischen. Bei Gefahren reagieren die Kleinen, dann aber anders als die ausgewachsenen Rehe: Sie drücken sich flach auf die Erde und bleiben regungslos liegen, wenn Landwirte im Frühling und Sommer ihre Wiesen mähen. Hier kommen Angie Bonsch und ihr Kitzretter-Team ins Spiel. Sie haben letztes Jahr über 388 Hektar abgesucht:
Ich hab die Nacht zum Tag gemacht, weil einfach mein Herz dafür brennt und ich auch meinen Urlaub dafür an den Nagel hänge. Es gibt nichts großartigeres als Leben zu retten - wir sind Lebensretter.
Immer mehr Oberberger machen mit. Im Idealfall melden sich die Landwirte mehrere Tage bevor sie anfangen zu mähen, damit der Verein genug Zeit hat, alles zu organisieren und Trupps zusammen zu stellen. Dann werden die Felder und Wiesen Meter für Meter durchsucht, erklärt Angie:
Das ist manchmal echt cool und ein Gänsehauteffekt, wenn man sieht, wie die Leute zusammen interagieren, wenn es drauf ankommt. Die sind dann auch total gepusht hinterher, weil sie von diesem Erlebnis und Teamspiel total angetan sind.
Kitzrettung ist eine Leidenschaft
Die Arbeit ist ehrenamtlich, aber durchaus anstrengend. Für die Retter geht es teilweise schon in den frühen Morgenstunden raus, erzählt Tina, die bei den Kitzrettern aktiv ist:
Manchmal geht es bis in den späten Nachmittag hinein und wenn es dann Heuwiesen sind, wo das Gras sehr hoch ist, dann hat man hinterher wirklich keine Fragen mehr. Man ist körperlich einfach am Ende - nur noch Beine hoch! Dann kann es aber passieren, dass der nächste schon wieder sagt "ich will morgen mähen" und dann geht es wieder los.
Lara gehört mit ihren 23 Jahren zu den Jüngeren im Team, hat hier aber in den zwei Jahren, die sie schon dabei ist, eine neue Leidenschaft für sich entdeckt:
Es ist halt total schön, also klar Kitze zu finden ist mega, die Leute sind der Hammer. Aber morgens halt aufzustehen und alles liegt noch so im Sommer im Morgentau und die Sonne geht auf alles ist so rosig am Himmel - ist schon total cool.
Drohnen erleichtern die Arbeit
Um die Kitze im hohen Gras zu finden, setzt das Team auch auf Hilfe aus der Luft. Drohnen mit Wärmebildkameras erleichtern die Suche auf den meist riesigen Wiesen und Feldern bei uns im Bergischen. Die kleinen Kitze liegen häufig eingerollt und überdeckt mit Gras auf den Wiesen, sie zu finden ist eine schwere und mühselige Arbeit. Drohnen sind da zu einer unverzichtbaren Ergänzung geworden, sagt Angie:
Die Drohen die fliegen natürlich eine Fläche von einem Hektar in einer beschleunigten Zeit ab, die wir niemals mit einer Fußgruppe schaffen. Und wir haben einfach auch die Freiwilligen nicht mehr, weil Corona vorbei ist und alle wieder an ihren Schreibtischen tätig sind.
Deshalb sucht das Team von der Werde Kitzretter e.V. auch ständig Leute die sowohl zu Fuß mithelfen, aber auch Leute die mit ihrer Drohne die wichtige Arbeit unterstützen können. Mehr Infos auch hier.
