Knapp vorbei gerauscht - Gerd ist zu langsam für den Bahnübergang

Zweifellos ein Albtraum: Nicht schnell genug zu sein, dass es für das Überqueren eines Bahnübergangs reicht.

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Gerd aus Leichlingen hat ihn erlebt. Er ist 81 und mit Rollator oder anderen Gehhilfen unterwegs. Am Bahnhof in Leichlingen ist der Zug schon dreimal nur knapp an ihm vorbeigerauscht. 

Einmal kam ein Passant zu Hilfe: Beide zusammen versuchten, die Schranke noch hochzuhalten, natürlich ohne Erfolg. In diesem Fall griff das Notsystem ein, der Zug wurde gestoppt. Die anderen Male nicht.

Wir haben ein Statement der Bahn zum Fall: Man habe die Situation geprüft, es gebe kein Problem mit den Notsystemen und es habe zu keiner Zeit Gefahr gegeben. Ob Gerd das auch so sieht?

Die Stellungnahme der Bahn im Wortlaut

Die Vollschrankenanlage funktioniert ordnungsgemäß und entspricht den geltenden Sicherheitsvorschriften. Es besteht und bestand zu keinem Zeitpunkt eine lebensgefährliche Situation für die Nutzer des Bahnüberganges (BÜ). Nachfolgend möchten wir Ihnen die Funktionsweise der Sicherung einmal erklären:
Bevor ein Zug den BÜ passieren kann, muss das Hauptsignal auf Fahrt gestellt werden. Bevor dies passieren kann, muss wiederum der Bahnübergang geschlossen und frei sein. Bei Vollschranken überprüft eine sogenannte radargestützte „GefahrenraumFReimeldeanlage (GFR)“, dass der Bahnübergang frei ist, also weder Autos, Menschen oder andere Hindernisse sich im Bereich zwischen den Schranken des BÜ befinden.
Wenn also ein Zug den BÜ passieren will, wird sofort das Rotlichtzeichen für die Fußgänger eingeschaltet. Bei Autos kommt erst das Gelblicht und nach 3 Sekunden das Rotlicht. 8 Sekunden nach der Einschaltung des BÜ überprüft die GFR-Anlage, ob der Verkehrsraum zwischen den Schranken frei von Fahrzeugen und/oder Personen ist. Gleichzeitig schließen 19 Sekunden nach Einschaltung des BÜ die beiden Schrankenbäume für die auf den BÜ zulaufenden Verkehre und 27 Sekunden nach Einschaltung des BÜ die anderen beiden Schrankenbäume, so dass nach insgesamt 33 Sekunden der BÜ vollständig geschlossen ist. Nach 36 Sekunden wird der BÜ dann normalerweise freigemeldet, das Signal schaltet von rot auf grün um, und der Zug befährt kurz danach den BÜ.
Sollte wie im vorliegenden Fall jemand es nicht schaffen, die knapp 20 Meter lange Strecke von Einschaltung bis zum Schließen der Schranken zurückzulegen, ist aber sichergestellt, dass kein Zug den BÜ passieren kann, da die GFR den BÜ nach der Einschaltung kontinuierlich überwacht und das Signal nur dann auf Fahrt kommt, wenn er wirklich frei ist, sich also keine Person mehr zwischen den Schranken befindet. Der Schließvorgang der Schranken ist automatisiert und kann daher zwischendurch nicht abgebrochen werden.
Insofern erklärt sich auch, dass der Zug im geschilderten Fall zum Halten kam, nämlich deswegen, weil das Signal rot zeigte. Die GFR ist voll funktionsfähig, wie auch unsere Prüfungen ergaben. Aufgrund der zuvor erläuterten Technik ist es auch nicht möglich, dass ein Zug den BÜ passiert, wenn sich dort noch eine Person befindet.
Daher sollten Personen den BÜ zügig überqueren. Für Herrn XXXXX persönliche Situation können wir keine konkrete Lösung anbieten. Keinesfalls sollte er versuchen, die Schranke aufzuhalten, da hier große Verletzungsgefahr besteht.
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