
"Wir konnten den Impfturbo zünden" - das sagt Dr. Frank Bergmann von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein zu den Impfungen in unserer Region. Knapp 4.400 Praxen impfen in der Region jetzt mit. Schnell und ohne Impfstoffe übrig zu behalten. Die Doppelbelastung für die Praxen, Impfungen und Normalbetrieb, seien hoch, sagt Bergmann. Deshalb sei wichtig, dass, sobald mehr Impfstoff da ist, die Priorisierungen wegfallen, damit dieser organisatorische Aufwand entfällt.
Ab dieser Woche (KW 17) erhalten die Praxen laut KV die Impfstoffe, die sie bestellt haben, vollständig. Die Menge der Impfstoffe habe "drastisch zugenommen". Die KV rechnet damit, dass alle impfwilligen Erwachsenen der Region Ende Juni, im schlimmsten Fall Ende Juli die Erstimpfung erhalten haben werden.
Weitergehende Infos der KV
Die niedergelassene Ärzteschaft der KV Nordrhein hat am 27.12.20 mit Impfungen in Alten- und Pflegeheimen begonnen. Insgesamt 3650 Ärztinnen und Ärzte sind seitdem in mobilen Teams und den Impfzentren (IZ) im Einsatz gewesen - sowie bis heute fast 1.500 Medizinische Fachangestellte (MFA). Dazu kommen über 200 Ärztliche Leiterinnen und Leiter in den IZ und fast 1.500 Administrationskräfte.
Am 25.01.21 ist über die Online-Buchungssysteme und das Callcenter der KV Nordrhein die Terminvergabe für über 80-Jährige gestartet. Direkt nach den Ostertagen hat die Terminvergabe für die Gruppe der über 70-Jährigen schrittweise nach Geburtsjahrgängen von älter nach jünger begonnen. Mittlerweile haben 89 Prozent der über 80-Jährigen in Nordrhein (rund 578.000) eine Impfung erhalten oder die Impfung terminiert – 53 Prozent der über 70-Jährigen (über 450.000) haben eine Impfung erhalten oder die Impfung terminiert. Nach den Ostertagen sind auch die nordrheinischen Arztpraxen in das Impfgeschehen eingestiegen. Daran beteiligen sich mittlerweile fast 3.500 Hausarztpraxen (entspricht 90 Prozent der nordrheinischen Hausarztpraxen) und über 900 Facharztpraxen (entspricht 16 Prozent der nordrheinischen Facharztpraxen). Mittlerweile sind bereits rund 570.000 Impfungen in den nordrheinischen Arztpraxen erfolgt.
Nach einer Modellrechnung würden laut Szenario 1 (geht von der Annahme aus, dass pro Praxis durchschnittlich 50 Impfungen pro Woche erfolgen) bis Anfang August alle impfbereiten Erwachsenen in NRW eine Erstimpfung bekommen.
Laut Szenario 2 (geht von der Annahme aus, dass pro Praxis durchschnittlich 100 Impfungen pro Woche erfolgen) würden schon bis Ende Juni alle impfbereiten Erwachsenen in NRW eine Erstimpfung bekommen.
Nichts bleibt übrig in den Praxen
Wichtig festzuhalten ist, dass die nordrheinischen Arztpraxen sofort alles verimpfen, was sie an Impfstoff über Apotheken und Impfzentren bekommen. Dort bleibt kein Impfstoff liegen. Wenn die Impfstoffmengen wie angekündigt zunehmen und auch die Impfzentren die Dosen, die dort nicht verimpft werden können (zurzeit rund 100.000), in die Praxen geben, müssen nach Ansicht der KV Nordrhein die Priorisierungsvorgaben aufgehoben werden. Eine Priorisierung ist bei ausreichend vorhandenem Impfstoff eher ein Hindernis.
Am Ende sollte dafür nach Ansicht des KVNO-Vorstandsvorsitzenden Dr. med. Frank Bergmann der gesamte Ablauf im Impfgeschehen noch reibungsloser funktionieren. D. h. konkret, dass die gemeinsame Arbeit von Impfzentren, den Ärztinnen und Ärzten in den Praxen und der KVNO an manchen Stellen noch besser ineinandergreifen könnte, um zum Beispiel schnell und unkompliziert Impfstoffe von den Impfzentren in die Praxen umzuleiten. Dabei wird nach Ansicht von Dr. Bergmann das schon geschaffene Netzwerk mit den Kommunen und Landkreisen in Nordrhein hilfreich sein. Man arbeite ja schon an vielen Stellen sehr eng und konstruktiv zusammen, so Bergmann. Ein weiterer wichtiger Schritt ist für Bergmann das möglichst zeitnahe Einbeziehen von Betriebsärzten in den Impfprozess, damit auch in Unternehmen geimpft werden kann.
Dem KVNO-Chef ist außerdem wichtig, dass neben der Doppelbelastung, die die Vertragsärzte durch die Regelversorgung und das Impfen sowohl
in den Impfzentren als auch in den Praxen haben, vor allem auch der Anteil der Medizinischen Fachangestellten (MFA) am Impf-Fortschritt in der öffentlichen Diskussion stärker in den Mittelpunkt rückt. Diese leisteten in den Praxen schon während der gesamten Corona-Pandemie durchweg eine großartige Arbeit, zum Teil bis ans Limit des Machbaren, so Bergmann.
Neue IZ-Terminvergabe für Chroniker
Ab 30.04.21 können neben der gesamten Altersgruppe 70+ auch chronisch kranke Menschen (Patientinnen und Patienten aus der Priorisierungsgruppe 2) über das Online-Buchungssystem der KV Nordrhein oder über das Callcenter 0800 116 117 01 einen Termin für das Impfzentrum buchen. Es können über eine Mailadresse weiterhin maximal zwei Personen angemeldet werden. Derjenige, der sich anmeldet sowie die mit angemeldete Person müssen entweder über 70 Jahre alt sein oder eine chronische Erkrankung haben. Nur unter diesen Voraussetzungen ist eine Doppel- Anmeldung möglich.