
Es ist ein schöner, sonniger Nachmittag an der Aggertalsperre. Friedlich, der Aggersee, im Sonnenschein. Ein paar Vögel zwitschern. Nichts, aber auch gar nichts lässt einen hier erahnen, dass im selben Moment, mitten in Europa ein Krieg tobt, wie wir ihn heute nicht mehr für möglich gehalten haben. Herzlich werde ich an der Tür von VfL Gummersbach Handball-Profi Janko Bozovic und seiner ukrainischen Ehefrau Larissa empfangen. Es gibt Kaffee, sehr leckeren Kuchen und noch leckereres Tiramisu - wunderbare Gastfreundschaft. Zu Gast sind auch die Ukrainer Stanislav Zhukov mit Frau und Kind. Die Familie ist unmittelbar nach Kriegsausbruch aus Moskau, wo Stanislav zuletzt bei CSKA unter Vertrag stand, geflüchtet. Wir spaßen und lachen – es herrscht eine gelöste Atmosphäre. Doch natürlich wollen wir auch über die Hilfe der beiden Familien für die Menschen in der Ukraine, im Kriegsgebiet sprechen und über ihre Hilfe für die Flüchtlinge, die auch hier bei uns im Bergischen ankommen. Und so sprechen wir zwangsläufig auch über den Krieg selbst. Unfassbar, erschütternd, ja schockierend sind die Bilder, die sie aus ihrer Heimat schildern, die sie selbst aus erster Hand tagtäglich am Telefon geschildert bekommen, von wo sie schreckliche Bilder geschickt bekommen. Emotional in einer Art und Weise, die einen erschauern lässt. Eindrucksvoll ist hingegen der Einsatz, den sie hier zeigen, um möglichst viel Hilfe zu generieren, Kleidung, Decken, medizinische Ausrüstung, Hygiene-Artikel, Lebensmittel so zu kanalisieren, dass sie dort ankommen, wo sie am nötigsten gebraucht werden. Hier in Oberberg plant Larissa gerade die Gründung eines Vereins, der sich kurzfristig um die gestrandeten Flüchtlinge aus der Ukraine kümmern soll. Mittelfristig ist der Verein für alle Flüchtlinge gedacht, egal woher sie kommen. Sie gründet den Verein, obwohl sie weiß, dass Jankos Vertrag im Sommer ausläuft und sie Gummersbach verlassen werden. Sie wird sich auch von ihrem neuen Wohnort aus kümmern. Das liegt ihr am Herzen. Hut ab vor diesem Einsatz und Engagement. Hut ab vor allen Helfern, die Menschen weltweit in Kriegsgebieten, und denen, die aus diesen flüchten, helfen.