
Odenthal: Neuer Schwung von Priester mit Kindern und Enkeln
Der neue katholische Priester in Odenthal-Altenberg hat drei Kinder und fünf Enkelkinder, was für diesen Beruf natürlich eher ungewöhnlich ist. Eigentlich sollte es unmöglich sein, denn katholische Priester leben offiziell im Zöllibat und Familiengründung ist da nicht erlaubt. Dennoch konnte der mittlerweile 68-jährige Udo Casel vor zwei Jahren seine Ausbildung zum Priester beginnen und ist jetzt bereit neuen Schwung nach Odenthal und Altenberg zu bringen.
Veröffentlicht: Freitag, 17.12.2021 06:14
Die Schule geschmissen, mit langen Haaren Gitarre gespielt, Kinder bekommen und trotzdem zum Priester geweiht. Das ist der Lebenslauf des frisch gebackenen neuen Priesters in der katholischen Gemeinde Odenthal-Altenberg, Udo Casel.
Seine berufliche Zukunft hat er schon früh in der Kirche gesehen, allerdings wollte er nicht auf Familiengründung verzichten:
Ich wusste ja, dass Priester nicht heiraten dürfen, aber ich wollte auf jeden Fall heiraten und Kinder haben. Aber zu der Zeit gab es eben auch neue Berufe in der Kirche, da hab ich gedacht, dass das etwas für mich ist.
Als Schüler des Drei König Gymnasiums in Köln hat er zwar alte Sprachen und Physik gelernt, aber nichts über Jugendarbeit, wo er seine berufliche Zukunft in der Kirche sah. Er brach also die Schule ab und machte dann an einer Fachoberschule für Sozialpädagogik sein Fachabitur, danach folgte das Studium der Theologie. Als er mit dem Studium fertig war, stürzte er sich in die Jugendarbeit in Odenthal-Altenberg. Auf alten Fotos sieht man ihn dort mit abgeschnittener Jeans, schwarzem Bart und Gitarre zwischen begeisterten Jugendlichen. In Odenthal hat Udo Casel dann auch seine Frau kennengelernt und geheiratet. Sie bekamen Kinder und Enkelkinder und Udo hat sich zum Diakon ausbilden lassen. Aber seine Frau wurde leider schwer krank:
Ich hab meine Frau ein Jahr beim Sterben begleitet und dann nachher war die Frage für mich: wie deute ich das? Eine Zeit danach ist so die Idee gekommen, dass es jetzt ja auch möglich wäre Priester zu werden, wo ich nicht mehr verheiratet bin.
Er hat seine Ausbildung zum Priester mit 66 Jahren begonnen und ist jetzt wieder dahin zurückgekehrt, wo alles begann: Odenthal. Sein Bart und seine Haare sind mittlerweile weiß, aber die Gitarre und die Motivation, etwas zu bewegen, sind noch da:
Es ist sehr viel konservativer geworden hier und das ist nicht so einfach. Es ist lange nicht mehr so wie früher, ich kann da gar nicht mehr anknüpfen und will das auch nicht. Ich muss die Situation jetzt so nehmen wie sie ist und versuchen es so gut zu machen, wie es geht.
Die Kirche ist jetzt sein absoluter Lebensmittelpunkt und er hat sich einiges dort vorgenommen: durch die Missbrauchsskandale ist die Kirche als Zufluchtsort für Kinder und Jugendliche stark umstritten, daran will Udo Casel etwas ändern:
Ich kann probieren, als Mensch, als der, der ich bin, das Kinder andere Erfahrungen machen.