Regionale Wirtschaft weiterhin gespalten

Insgesamt hat sich das Konjunkturklima in der gesamten Region verbessert. „Bei allen positiven Erwartungen der Unternehmen bleiben die Investitionsabsichten immer noch im negativen Bereich – ein weiteres Indiz dafür, dass die Betriebe in der Region jetzt vor allem sichere Perspektiven brauchen.“

„Bei allen positiven Signalen gibt es auch deutliche Zeichen dafür, dass durch die Corona-Krise die Wirtschaft insgesamt in einen instabileren Zustand geraten ist“, sagt Michael Sallmann, Leiter der Geschäftsstelle Oberberg der IHK Köln. „So gerät die Industrie trotz guter Entwicklung durch Engpässe bei Material und Vorprodukten unter Druck, zudem steigen die Preise für Metalle und Baumaterialien in zum Teil zweistelliger Höhe“, so Sallmann. „Besonders unsere exportorientieren Unternehmen, unsere hidden champions, stehen dadurch im verschärften internationalen Wettbewerb. Auf der anderen Seite warten die von der Pandemie besonders betroffenen Branchen heute – über ein Jahr nach seit Beginn der Corona-Krise – immer noch auf verbindliche Öffnungsperspektiven und verlässliche Regeln, die uns auch im Herbst weiter begleiten könnten. Eine Wiederholung der Vor-und-Zurück-Politik aus dem letzten Herbst würde für viele Unternehmen dieser Unternehmen das Aus bedeuten!“

Oberberg

Im Oberbergischen Kreis hat der Lageindikator deutlich zugelegt. 42,6 Prozent der Unternehmen (Vorumfrage: 29,8 Prozent) melden eine gute und 21,3 Prozent (Vorumfrage: 34,2 Prozent) eine schlechte Lage. Die Industrie meldet eine deutlich verbesserte Lage, aber auch im Dienstleistungs­bereich und im Handel hat sich die Lage verbessert.

27 Prozent der Unternehmen glauben an eine bessere Geschäftsentwicklung (Vorumfrage: 28,9 Prozent) und 19,4 Prozent an eine schlechtere (Vorumfrage: 21,9 Prozent). Dabei sind die Industrie und die Dienstleistungswirtschaft deutlich optimistischer als die Handelsunternehmen. Als Haupt­risiken sehen die Unternehmen im Oberbergischen Kreis die Energie- und Rohstoffpreise, die Inlandsnachfrage und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.

Bei den Beschäftigungsplänen sind die Unternehmen etwas zurückhaltender als zuletzt: 16,7 Prozent (Vorumfrage: 18,4 Prozent) der Unternehmen planen mit mehr Mitarbeitern. 31 Prozent der Unternehmen planen jedoch mit weniger Personal als zuvor (Vorumfrage: 28,1 Prozent). Damit überwiegen weiterhin die Unternehmen, die Personal abbauen wollen.

Rhein-Berg

Jedes dritte Unternehmen bewertet seine Lage inzwischen wieder als gut (Vorumfrage: 19,8 Prozent). Eine schlechtere Lage meldet immer noch fast ein Viertel (Vorumfrage: 30,2 Prozent). Im Rheinisch-Bergischen Kreis melden vor allem die Industrie, aber auch der Handel und der Dienstleistungsbereich eine verbesserte Lage. Auch die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate haben sich verbessert. Allerdings glauben mit einem Viertel genauso viele Unternehmen an eine bessere Entwicklung, wie an eine schlechtere (Vorumfrage: 30,2). Während Industrie- und Dienstleistungswirtschaft deutlich positiver in die kommende Entwicklung schauen, ist der Handel skeptischer als zuletzt.

Die Beschäftigungspläne der Unternehmen im Rheinisch-Bergischen Kreis haben angezogen. Fast ein Viertel der Unternehmen (Vorumfrage: 7,1 Prozent) wollen mehr Personal einstellen. Dagegen planen noch rund 18 Prozent (Vorumfrage: 34,1 Prozent) mit weniger Personal als zuletzt.

Der gesamte IHK-Bezirk

Insgesamt hat sich das Konjunkturklima in der gesamten Region verbessert. Der Konjunkturklimaindex ist von 97,4 Punkten im Winter 2020/2021 auf 102,6 Punkte gestiegen. Damit liegt der Indikator wieder im positiven Bereich, aber immer noch unter dem langjährigen Durchschnitt (110,3). Im Vergleich zum Jahresbeginn konnten das Baugewerbe, unternehmensorientierte Dienstleister, viele Industriebetriebe und der produktionsorientierte Großhandel ihre Lage verbessern. Weiterhin sehr stark von den Schließungen und Auswirkungen der Pandemie betroffen sind die personenbezogenen Dienstleister, der Einzelhandel, die Gastronomie und auch der konsumnahe Großhandel. Michael Sallmann: „Bei allen positiven Erwartungen der Unternehmen bleiben die Investitionsabsichten immer noch im negativen Bereich – ein weiteres Indiz dafür, dass die Betriebe in der Region jetzt vor allem sichere Perspektiven brauchen.“ Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sind neben der Inlandsnachfrage und dem Fachkräftemangel die am häufigsten genannten Risiken für die Unternehmen. „Auch die Finanzlage bleibt für viele Betriebe angespannt. Bei jedem vierten Unternehmen gibt es einen Rückgang des Eigenkapitals und bei jedem Fünften Liquiditätsengpässe, 13 Prozent haben zunehmende Forderungsausfälle. Bislang geben drei Prozent der Betriebe an, in die Insolvenz gehen zu müssen, da erst Ende des Monats die Frist für den Aufschub der Insolvenzanträge endete, kann sich diese Zahl auch noch weiter steigern“, so Sallmann.

Der Indikator zur Geschäftslage ist im Vergleich zur Vorumfrage um 5,3 Punkte auf 3,3 Punkte gestiegen. Über ein Drittel meldet eine gute Geschäftslage – fast genauso viele Unternehmen geben eine schlechte Lage an. Die Erwartungen hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten sind im Vergleich zur Vorumfrage von -3,1 auf 1,9 Punkte gestiegen. Im Vergleich zum Frühjahr 2020 stieg der Erwartungsindex um rund 73 Punkte – dies spiegelt die Hoffnung in eine nachhaltige Überwindung der Krise.

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