
Auf der Intensivstation in Gummersbach
Ärzte auf Corona-Intensivstationen arbeiten derzeit oft am Limit. Sie gehören zu den Menschen, die ganz vorne „an der Front“ gegen Corona kämpfen. Einer von ihnen ist Dr. Christoph Klein, Oberarzt auf der Intensivstation in Gummersbach. Er hat mit uns gesprochen, auch darüber, dass viele Menschen sagen: "Ihr habt doch nur drei Corona-Patienten da auf der Intensivstation…"
Dazu sagt Klein: Ein Corona-Patient braucht wesentlich mehr Betreuung als ein normaler Patient auf der Intensivstation.
Sie leiden nicht nur an einer Lungenerkrankung, sondern es können viele Organe betroffen sein.
Der Patient muss intensiver überwacht werden. Zudem sind die Schutzmaßnahmen aufwendig: Rein in die Schutzkleidung, raus aus der Schutzkleidung, mehrfach täglich.
Und auch das muss jeder bedenken, der aus der Ferne „nur“ drei Patienten in Gummersbach zählt: Auf den anderen Stationen liegen zahlreiche weitere Corona-Patienten, die jederzeit ein Fall für die Intensivstation werden könnten. Weiterhin liegen Covid-Patienten mehrere Wochen dort und blockieren sehr lange so ein Bett.
Noch kriegen sie es gut hin
In Gummersbach sind manchmal die Betten belegt, manchmal noch welche frei. Die Lage funktioniert noch, weil man unnötige OPs verschiebt - die, an denen die Kliniken grundsätzlich eher verdienen.
Für den Fall, dass man einmal nicht mehr alle Patienten behandeln kann, habe man Anleitungen. Für die sogenannte "Triage", also wenn Ärzte entscheiden müssen: Wem helfen wir - und wem nicht. Er wäre dann so ein Arzt, der diese Entscheidung treffen müsste, zusammen mit anderen. Wie groß ist seine Sorge vor dieser Situation?
Wir sind sicherlich im internationalen Vergleich gut aufgestellt was die Menge an Intensivbetten angeht, aber auch hier ist natürlich die Ressource irgendwann endlich.
Nicht allein dieses Szenario aber ist für den Arzt Anlass, an uns alle zu appellieren, vorsichtig zu sein.
Es ist mitnichten so, dass nur Ältere schwer erkranken. Es gibt durchaus auch junge Patienten, die sehr schwere Verläufe nehmen können und unter Umständen versterben.
Sterben alleine - ohne Freunde und Familie noch einmal zu sehen
An Corona zu sterben bedeutet, im Krankenhaus zu sterben, an Apparaten und ohne seine Lieben. Denn der Infektionsschutz lässt nicht zu, dass sie noch einmal kommen dürfen. Der Arzt kennt die Situation, dass er Angehörige abweisen muss und Patienten diese seit Wochen nicht mehr gesehen haben, wenn sie ins künstliche Koma versetzt werden und diesen Prozess vielleicht nicht überleben.
Wir würden natürlich schon gerne Angehörigen die Möglichkeit geben, die Patienten noch einmal zu besuchen, bevor es zu solchen dramatischen Situationen kommt und es ist schon schwer, jemandem so etwas zu verwehren.
Schulleiter und Infektionsschützer
In dieser Doppelfunktion stellen wir Dieter Wagner vor, Schulleiter an der Nelson-Mandela-Gesamtschule in Bergisch Gladbach.
Ich komme dazu, meinen Job zu machen, das andere geht praktisch obendrauf.
Das „andere“, das ist das Umsetzen aller Regeln und Maßnahmen. An der Nelson Mandela Gesamtschule läuft es noch einigermaßen gut. Schulleiter Wagner sagt, man sei "bis jetzt von großen Einschlägen verschont geblieben".
Den Präsenzunterricht kriegen sie deshalb tatsächlich noch hin. Und das ist Wagner auch wichtig. Er sagt: Seine Schüler brauchen das. Sie haben welche, die die intensive Unterstützung brauchen und viele, die zu Hause kein eigenes anständiges digitales Gerät haben.
Überstunden seien gar nicht mal das größte Problem. Eher die Kurzfristigkeit, mit der sie umgehen müssten, weil die Landesregierungen die Infos oft erst am Vorabend bekannt gebe.
Und: Die Angst.
Ich glaube, die psychische Belastung ist viel größer. Ich glaube schon dass der Angstfaktor (...) sehr hoch ist: Was ist, wenn ich es kriege, was passiert mit mir und meinem Umfeld, wie stark kriege ich es. Das sind Fragen, die jeden einzelnen bewegen und ich glaube, dass diese Belastung sehr viel höher ist.
Unterwegs für die Ordnung
Auch Ordnungsamtsmitarbeiter kämpfen an der Corona-Front. Zwei von ihnen haben wir in der ersten Welle vorgestellt: Bei ihnen fielen schon damals zahlreiche Überstunden an, als es noch weniger zu kontrollieren gab, als jetzt während der zweiten Welle.
Am Telefon kämpfen gegen die Ausbreitung
Und auch in den Gesundheitsämtern kämpfen täglich Menschen gegen die Ausbreitung der Pandemie. Wir haben euch Oliver Rosin vorgestellt, der für die Bundeswehr im Gesundheitsamt in Bergisch Gladbach sitzt und bei Kontaktverfolgung hilft.
Für mich persönlich ist das sehr bereichernd, ich habe mich hier auch freiwillig gemeldet. Weil man hier auch direkt mit der Bevölkerung wirken kann. Und auch, um zu zeigen dass die Bundeswehr für solche Lagen we eine Pandemie zur Verfügung steht.