
FRISUR FATALE – EIN GESELLSCHAFTSDRAMA
Eine frivole und offenbar schwer unter den Kontaktbeschränkungen leidende Kollegin fragte mich neulich mit Schlafzimmerblick: „Hey, weißt Du, was ich gerade richtig richtig nötig habe? Fängt mit F an und hört mit N auf.“ Sie zwinkerte mir zu: „Einen Friseurtermin!“
Ja, den haben viele gerade sehr viel nötiger als alles andere. Weil etliche Frisörläden ja gerade schon gefühlt bis Juni ausgebucht sind, also Juni nächsten Jahres.
Ich habe neulich von einem Schaf gelesen, das seinen Besitzern weg gerannt und sieben Jahre verschwunden geblieben war. Als es dann endlich wieder auftauchte, war ihm soviel Wolle nachgewachsen, dass es ganze 13 Kilo zugelegt hatte. Wobei, 13 Kilo zulegen in sieben Jahren – gebt mir Chips, Schokolade, ein Sofa und härtere Ausgangsbeschränkungen, und ich schaff das in sechs Monaten. Trotzdem, was da gerade auf meinem Kopf passiert, das ist unrühmlich. Sieht aus, als wäre in dem diffusen Nest Platz für eine ganze Eichhörnchenfamilie. (kurze Schreibpause, esse gerade eine gefundene Nuss). Weitere akkurate Vergleiche, wie meine Frisur aktuell aussieht: Doc Brown aus „Zurück in die Zukunft“, ein verwahrloster Wildpudel, so ziemlich jeder Komponist aus dem 18ten Jahrhundert.
„Lasset uns gemeinsam hässlich werden!“, hatte ich meinen Freunden anfangs noch zugerufen, aber ich musste feststellen: Menschen sind lieber kriminell als hässlich. Denn während mein Eichhörnchennest wuchs, gingen sie nach und nach zu geheimen Untergrundfrisören und ließen sich illegal die Matte fräsen. Falls ihr, ähnlich wie ich, zu den letzten verbleibenden Kopfhaut-Yetis gehört, die tapfer die Bastion der Ungepflegten halten – bleibt stark, denn wahre Schönheit... ach verdammt, ich nehm den Langhaarschneider.