Sind unsere Wälder gefährlich?

Der Borkenkäfer lässt den bergischen Wäldern weiterhin keine Ruhe. Es gibt kaum noch Fichten, in denen nicht schon ein Borkenkäfer sitzt. Und das kann uns in einigen Jahren zum Verhängnis werden: Dann sind die aktuell befallenen Bäume so morsch, dass sie eine Gefahr für Waldbesucher werden können.

© Radio Berg

Der extrem heiße und trockene Sommer hat den Bäumen und besonders der Fichte viel Kraft geraubt. Dadurch hat der Borkenkäfer leichtes Spiel. Die Fichte kann jetzt kaum noch Harz produzieren und den Käfer deswegen nicht mehr abwehren. Auf Grund der enormen Menge gestaltet sich der Abtransport des befallenen Holzes, das eigentlich jetzt aus den Wäldern raus müsste, als sehr schwierig. Und in zwei bis drei Jahren werden die aktuell befallenen Bäume so morsch sein, dass sie zur Gefahr werden können.

Das Werk eines Borkenkäfers.© Radio Berg
Das Werk eines Borkenkäfers.
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Bei der Gefahr kommen dann auch die Waldbesitzer ins Spiel: Sie haben eine sogenannte Verkehrssicherungspflicht. Das heißt, sie müssen die Bäume an Straßen und Wohngebieten entfernen, mitten im Wald aber nicht. Kay Boenig vom Regionalforstamt Bergisches Land sagt aber auch:

Wir werden es nicht schaffen, alle befallenen Bäume in den nächsten Jahren abzuholzen. Wenn es hart auf hart kommt, werden die Forstämter dann die Wälder für uns Spaziergänger und Co sperren. 

Aktuell ist die Gefahr in den bergischen Wäldern nicht größer als sonst auch. Trotzdem gilt: Jeder von uns geht auf eigene Gefahr in den Wald.

Leere Flächen wo früher Fichten standen. © Radio Berg
Leere Flächen wo früher Fichten standen.
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Die Borkenkäferplage wird außerdem dafür sorgen, dass unsere Wälder in Zukunft anders aussehen. Kay Boenig spricht von einer Dimension, die es in der jüngeren Waldgeschichte noch nicht gegeben hat und vergleicht das mit dem Orkan Kyrill 2007. Kyrill war gegen das, was wir aktuell erleben ein laues Lüftchen. Wir haben 30 Prozent Fichte in unseren Wäldern, damit macht sie den größten Anteil an Bäumen aus. Aber nicht mehr lange, denn der Borkenkäfer wird nicht viel übrig lassen, da sind sich die Experten alle einig. 

Fichte verschwindet aus dem Bergischen

Die Fichte wurde bei uns im Bergischen nach dem Krieg angepflanzt: Man brauchte Bauholz und wollte die Flächen wieder begrünen. Der Grund für die Monokulturen, die uns jetzt zum Verhängnis werden, war also keine Absicht oder Ignoranz: Es war einfach kein anderes Saatgut zu bekommen. Das Sterben der Fichte könnte sich auch noch anderweitig bemerkbar machen, fürchtet Förster Wolfgang Blass:

Bauholz wird schwierig. Und da habe ich so die Befürchtung, dass eventuell in drei Jahren ein Dachstuhl so teuer ist, wie das ganze Haus. Weil einfach keine Fichte mehr da ist.

Leider hat der Borkenkäfer auch einen Großteil der jüngeren Bäume befallen, so dass die Fichte in wenigen Jahren komplett aus dem Landschaftsbild im Bergischen verschwinden wird. Aber das ganze bietet auch Chancen es jetzt besser zu machen: Indem wir keine Monokulturen mehr anlegen und Bäume pflanzen, die mit dem veränderten Klima und der Trockenheit besser klar kommen. 

Borkenkäfer frisst bergische Fichten

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