
Ella fühlt sich um ihr Abijahr betrogen
Ella aus Schildgen hat dieses Jahr Abi gemacht und sagt
Ich hab mich richtig wütend und frustriert gefühlt, weil es sich für mich so angefühlt hat, als würde mir das Jahr geklaut werden. Ich glaube, das Jahr in dem man sein Abi macht, ist schon so das coolste. Zumindest eins, wo man viele Erfahrungen macht. Ich mache jetzt auch viele Erfahrungen, aber nicht die, die ich erwartet habe (lacht).
Ella wollte studieren, hat den Studienbeginn aber u.a. wegen Corona verschoben.
Ich hatte quasi keinen richtigen Schulabschluss. Nicht das Gefühl von Abschluss. Dann wollte ich nicht direkt studieren und mit Online-Vorlesungen starten, ohne dann wieder einen richtigen Start zu haben. Die Vorstellung hat mir nicht gefallen.
Jetzt macht Ella Hausaufgabenbetreuung an ihrer ehemaligen Schule und ist froh, wenigstens dort ihre Fünftklässler zu sehen.
Über das Studium auf Corona-Art sagt sie:
Ich weiß, dass es auf jeden Fall richtig ist und auf keinen Fall anders laufen sollte. Aber da ist Frust, den ich in mir habe und den ich keinem in die Schuhe schieben kann, das ist auf jeden Fall alles ärgerlich und ermüdend. Ja, ermüdend ist das richtige Wort.
Marie die Risikopatientin
Mein Plan nach dem Abitur war, zu reisen, ich wollte ein Jahr nach Australien, die Sprache und die Menschen besser kennenlernen.
Dann kam Corona. Australien macht seine Grenzen bis 2022 dicht. Für Marie (20, Foto rechts) aus Moitzfeld wäre Reisen auch bei offenen Grenzen keine Option. Sie hat schwere Vorerkrankungen, die sie zur Hochrisikopatientin machen. Die ganze Familie meidet fast alle Kontakte, um Marie nicht zu gefährden.
Tiermedizin studieren, das war Maries Plan für nach Australien. Sie hat den NC nicht geschafft. In Holland hätte sie sofort studieren können. Aber nicht während Corona. Zum Zeitvertreib gibt Marie zur Zeit Nachhilfe - mit Maske und Abstand, zweimal die Woche.
Ein anderer Nebenjob geht kaum.
Das ist super schwierig für mich, weil ich ja einen Job finden müsste, wo ich kaum Kontakt mit Menschen habe. Das habe aber ja nicht ich nur. Das haben viele Leute in meinem Alter, die sonst kellnern würden oder so. Das fällt ja alles für uns komplett weg.
Eigentlich hängt sie jetzt zu Hause ohne Kontakte in der Warteschleife.
Ich hoffe einfach, dass ich mich nächstes Jahr dann endlich einschreiben kann an einer Universität, für Tiermedizin. Und dann gehe ich somit meinen Weg. Und man sagt ja, dass Anfang des Jahres ein Impfstoff kommen soll und dass dann endlich mal wieder Ruhe einkehrt. Für alle, nicht nur für mich.
Lisa verunsichert auch das Online-Studium
Lisa (18, Foto Mitte) aus Bergisch Gladbach war auch ohne Corona noch unentschlossen, was ihr Studium angeht. Will sie wirklich Medizin studieren? Sie hat die Praktika im Krankenhaus, die sie für's Studium machen müsste, vorgezogen. Dass der Studienbeginn aktuell bedeuten würde, nur online zu studieren, hat sie zusätzlich verunsichert.
Ich habe Angst, dass ich jetzt nicht richtig reinkommen würde in das Studium. Das Medizinstudium ist ja sowieso kein leichtes Studium. Dass ich dann irgendwie untergehen würde.
Auch die Vorstellung, alleine zu Hause arbeiten zu müssen, findet sie abschreckend.
Ich finde, wenn man in so ein neues Studium reinkommt, möchte man ja auch mal neue Leute kennenlernen und zusammen Aufgaben lösen. Das ist nicht möglich und das finde ich sehr schade.
Sina kommt beim Online-Studium kaum noch mit
Sina (20, Foto links) aus Moitzfeld hat sich auf das Online-Studium eingelassen. Sie studiert Germanistik in Bonn, faktisch aber in Moitzfeld. Per Zoom. Sie hat Schwierigkeiten, "hinterherzukommen". Dass Präsenz-Unterricht nicht möglich ist kann sie nachvollziehen, fühlt sich aber dennoch als Einzelperson vernachlässigt.
Man weiß nie so wirklich, ist das jetzt richtig? Und man hat gleichzeitig mehrere Sachen auf einmal zu tun. Deadlines machen Druck. Wenn das Internet Probleme macht und das Video hängt, interessiert das auch keinen der 200 Leute da. Da ist man so anonym. Man sitzt davor und sieht ein paar Leute, aber man hat nicht das Gefühl, man würde mit denen studieren. Man macht zu Hause sein Ding für sich und schickt das ein. Es ist schwierig, sich selbst zu motivieren. Ich kenne keinen, habe noch nie jemanden live gesehen und sich da zu motivieren, das ist halt schon ziemlich schwer.
Zugleich frustriert es Sina, all das zu verpassen, was Erstsemester ausmacht: Die Faszination des Neuanfangs. Auch den Spaß in Kneipen am Ende des Tages.
Man fühlt sich so fernab von allem. Irgendwie. Man denkt sich schon manchmal so: "Warum mache ich das eigentlich?" Weil das alles so weit weg ist und es ist nicht so, als würde man studieren, sondern man kriegt irgendwelche Aufgaben nach Hause geschickt und hat keinen Bezug dazu. Ich hoffe, dass es irgendwann mal wieder anders sein wird.