
Fußball-WM
Arlington (dpa) - Edeljoker Lionel Messi kam, traf, siegte - und sorgte für den nächsten Rekord seiner atemberaubenden Karriere. Doch Messis wahrer Verdienst beim 3:1 (2:0) der Argentinier zum Gruppenabschluss der Fußball-WM gegen Jordanien war ein anderer: Durch seinen freiwilligen Verzicht auf einen Startelf-Einsatz machte der Weltmeister-Kapitän klar, dass für ihn das Team über dem eigenen Ego steht. Passend dazu beendete er seinen Social-Media-Post direkt nach dem Spiel mit den Worten: «Weiter zusammen.»
«Er denkt nicht so sehr an seine Zahlen. Er hat das einfach entschieden. Das spricht Bände, was Messi für dieses Team bedeutet. Das ist wunderbar», sagte Trainer Lionel Scaloni über die höchst ungewöhnliche Bankrolle für den Superstar: «Er hätte heute 90 Minuten spielen können - aber er ging raus und er wollte seinen Mitspielern Zeit auf dem Spielfeld geben.»
Messi überflügelt Just Fontaine und Jairzinho
Messi saß erstmals seit 20 Jahren bei einem WM-Spiel wieder auf der Bank. Bei seiner Einwechslung in der 60. Minute brandete riesiger Jubel im hauptsächlich mit argentinischen Fans gefüllten Dallas-Stadion auf - und der wurde knapp 20 Minuten später noch lauter: Messi baute per Freistoß seinen Torrekord auf nun 19 WM-Treffer aus. Auch Ehefrau Antonela Roccuzzo jubelte auf der Tribüne ausgelassen.
Der 39-Jährige ist der erste Spieler der Geschichte, der in sieben aufeinanderfolgenden WM-Spielen mindestens ein Tor erzielt hat. Er überflügelte den Franzosen Just Fontaine und den Brasilianer Jairzinho (beide 6).
Die Chancen, dass er seine Torrekorde in der ersten K.-o.-Runde ausbaut, sind groß. Zum einen hat der 39-Jährige gegen Jordanien etwas Kraft sparen können. Und zum anderen ist der nächste Gegner der krasse Außenseiter Kap Verde. Für den kleinen Inselstaat mit so vielen Einwohnern wie eine mittelgroße deutsche Stadt ist das Kräftemessen mit dem Titelverteidiger in der deutschen Nacht zu Samstag ein Jahrhundertspiel.
Kap Verdes Torwart will Messi stoppen
«Es ist der Traum eines jeden Fußballers, gegen Argentinien und Lionel Messi zu spielen», sagte Kap Verdes Torwartheld Vozinha. Der 40-Jährige hat seinen Kasten in der Gruppenphase zweimal sauber halten können, vor allem das sensationelle 0:0 gegen Spanien dürfte Warnung genug für Argentinien sein. «Es gibt kleine leichten Spiele», mahnte Scaloni.
Doch Argentinien geht als haushoher Favorit in das ungleiche Duell, zumal auch der zweite Anzug passt. Die auf neun Positionen veränderte Startelf hatte gegen Jordanien so gut wie keine Probleme, am Ende stand Argentiniens 50. Sieg bei Fußball-Weltmeisterschaften zu Buche. Erfolgreicher sind in der WM-Geschichte nur Rekordweltmeister Brasilien (78) und Deutschland (70).
Ibrahimovic: Messi gibt den Fans, was sie sehen wollen
«Wir haben immer noch Schmetterlinge im Bauch, wenn wir für Argentinien spielen», sagte Scaloni. Und die Fans, wenn sie Messi spielen sehen. Sie hatten zu Beginn der zweiten Halbzeit mit «Messi, Messi»-Rufen die Einwechslung ihres Lieblings gefordert - und waren erhört worden.
Was er zu Messi vor der Einwechslung gesagt habe, wurde der Trainer gefragt. «Ich habe nur gesagt, dass er sich aufwärmen soll», antwortete Scaloni: «Was soll ich ihm sonst sagen? Ich muss ihm nichts mehr sagen, er weiß es.» Messi sei ins Spiel gekommen und habe den Fans das gegeben, «was sie wollten», sagte Schwedens Fußball-Ikone Zlatan Ibrahimovic: «Die Fans können nach Hause und weiter seinen Namen singen.»
«Messi, immer Messi», schrieb die argentinische Zeitung «Olé», die aber auch bemerkte: Die Nationalmannschaft habe durch die XXL-Rotation «den Beweis für ihre Flexibilität erbracht, für ihre Vielseitigkeit, die über die außergewöhnliche Leistung von Lionel Messi hinausgeht».


