
Ton gegen bergische Politiker wird rauer
Es ist im Moment nicht leicht Politiker zu sein. Von Berlin bis hier ins Bergische sehen sich Politiker immer mehr Beschimpfungen, Beleidigungen und Drohungen, ja sogar Morddrohungen, ausgesetzt. Zuletzt gab es Morddrohungen gegen den Thüringer CDU-Mann Mike Mohring und gegen den Grünen Cem Özdemir. Im Juni wurde der Landrat in Kassel, Walter Lübcke, ermordet. Auch im Bergischen bekommen Politiker Morddrohungen.
Veröffentlicht: Dienstag, 12.11.2019 07:48
19 Morddrohungen hat es seit 2017 in NRW gegen Politiker gegeben. Eine davon gegen Bergisch Gladbachs Bürgermeister Lutz Urbach. Plötzlich steht mitten in der Nacht die Polizei vor seiner Tür und sagt ihm: "Gegen Sie hat es eine Morddrohung gegeben":
Für mich persönlich war das überschaubar unangenehmen. Sehr unangenehm wird es dann, wenn man sich klar macht, dass es ja acuh nicht immer nur um einen selber gehen könnte, sondern man hat ja auch Familie und Freunde. Und da wird's dann richtig fies.
Gerade in den sozialen Medien lassen Menschen immer häufiger ihrem Hass freien Lauf. Trotzdem sagt Urbach: Er macht seinen Job gerne, auch wenn er die negativen Seiten nicht verschweigen will. Gerade die Nähe zum Bürger sei wichtig für die Bürgermeister, Personenschutz oder ähnliche Maßnahmen kann er sich daher nicht vorstellen.
Urbach hört nach seiner laufenden Amtszeit im nächsten Jahr als Bürgermeister auf und tritt nicht wieder zur Wahl an - und freut sich dann auf eine Zeit ohne Drohungen und Beleidigungen:
Das sind Randerscheinungen eines öffentlichen Amtes, die ich nicht vermissen werde.
"Fassungslos, wie rau der Ton geworden ist."
Eine andere Politikerin aus dem Bergischen, die mit Drohungen und Beleidigungen zu kämpfen hat, ist Michaela Engelmeier aus Gummersbach, Mitglied im SPD-Bundesvorstand und engagiert im Kampf gegen Rechtsextremismus. Und gerade dieser Kampf rückt sie in den Fokus von Anfeindungen, sagt sie:
Ich glaube, alle Politiker, die sich gegen Rechtsextreme aussprechen, die haben mehr darunter zu leiden, als andere.
Engelmeier ist geschockt, wie rau der Ton mittlerweile geworden ist, sagt sie. Gerade in den sozialen Medien kommt es immer wieder zu Angriffen. Den Rückzug antreten ist für sie aber keine Option:
Ich habe jetzt keine Angst - also wenn jetzt einer glaubt, ich würde mich da zurückziehen oder nicht mehr meinen Mund aufmachen - das hab ich nicht, weil ich glaube, das sind auch viele Maulhelden. Aber überhaupt die Tatsache, dass sowas immer wieder und immer mehr passiert, macht mich fassungslos.
Nur zwei Beispiele
Bergisch Gladbachs Bürgermeister Lutz Urbach und SPD-Vorstandsmitglied Michaela Engelmeier sind nur zwei Beispiel von bergischen Politikern, die bedroht und beschimpft werden. Auch andere Bürgermeister und Lokalpolitiker im Bergischen haben bereits diese Erfahrung gemacht. In Wermelskirchen wurde zum Beispiel zu Gewalt gegen Bürgermeister Bleek aufgerufen.
Trotzdem lehnen viele der bergischen Bürgermeister generelle staatliche Schutzmaßnahmen ab, weil sie die Nähe zum Bürger zerstören würden.