"Trittbrettfahrerin gesucht": Warum gibt es kaum Müllfrauen?

Eine Frau, die eine Mülltonne abholt? Das ist ziemlich selten, es gibt nämlich kaum Müllfrauen in Deutschland. Ein Müllunternehmen in Hannover will das bei sich ändern, mit der Kampagne "Trittbrettfahrerin gesucht" und einem Job-Speeddating. Auch im Bergischen hätten die Unternehmen gerne auch Frauen hinter den Müllwagen. Doch die Bewerberinnen fehlen.

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Unsere Recherchen im Bergischen haben ergeben: Müllfrauen zu finden ist nicht leicht. Kein einziges der großen Müllunternehmen hier konnte uns eine aktive Müllfrau nennen.

Bei der Revea in Overath heißt es: Es gibt kaum Frauen, die den Job machen wollen. Zwar seien schon Frauen dort im Einsatz gewesen - die seien aber nicht lange dabei geblieben, sagt Rolf Schäfer von der Revea:

Die haben sich auch gefreut und standen winkend hinten drauf, alles prima. Aber so nach vier bis sechs Wochen kommt dann irgendwann die Realität und holt einen ein und du sagst: "Mein Gott, das soll ich jetzt das ganze Jahr über machen?"

Bei Lobbe in Marienheide gibt es verschiedene Tätigkeiten bei der Müllabfuhr, die alle für Frauen geeignet seien. Schwere Tonnen schleppen sei dort nicht die einzige Aufgabe. Auch Lobbe würde sich über mehr Frauen im Beruf sehr freuen, hat man uns dort gesagt. Aber: Es fehlt an Bewerberinnen.

Vier Jahre als Müllfahrerin: Kathrin hat der Job Spaß gemacht

Direkt in der bergischen Nachbarschaft ist das anders. In Langenfeld hat Kathrin mehrere Jahre als sogenannte Müllwerkerin gearbeitet - und das auch sehr gerne, sagt sie. Auch wenn ihre Familie anfangs ziemlich skeptisch war:

Katastrophe, meine Kinder haben gesagt: "Mama, darüber darfst du nichts sagen, meine Freunde sollen nicht wissen, dass du da auf dem Müll rum tanzt.

Das Image dieses für uns alle ja wichtigen Beruf ist nicht das beste. Passanten haben spärlich auf Kathrin reagiert, sagt sie. Die Kollegen fanden es aber ziemlich gut, dass sie sich in diese Männerdomäne gewagt hat:

  Ich glaube, die Jungs haben erst mal geguckt, wie ich mich anstelle und haben dann tatsächlich gesehen: "Ach, die kann ja doch anpacken und stellt sich nicht so zimperlich an" Und auch wenn es stinkt und unangenehm war - die haben mich akzeptiert.

Müllmann. Offenbar tatsächlich auch 2019 noch ein richtiger "Männerjob".

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