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Urteil nach Amokfahrt mit Traktor in Radevormwald
© Brigitte Mackscheidt
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Urteil nach Amokfahrt mit Traktor in Radevormwald

Mit nur einer einzigen Traktorfahrt hat ein junger Mann aus Radevormwald bundesweite Berühmtheit erlangt. Jetzt hat das Amtsgericht Wipperfürth entschieden: Der 24jährige muss sich drei Jahre lang bewähren.

Veröffentlicht: Freitag, 05.11.2021 14:57

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Mit nur einer einzigen Traktorfahrt hat ein junger Mann aus Radevormwald bundesweite Berühmtheit erlangt: Der 24jährige aus Rade hat im Januar einen Traktor mit Schneepflug entwendet und ist damit unter Drogen, betrunken und ohne Führerschein durch ein Wohngebiet in Rade gerauscht. Dabei hat er eine Schneise der Verwüstung hinterlassen und nur mit viel Glück niemanden ernsthaft verletzt oder getötet. 

Jetzt hat das Amtsgericht Wipperfürth entschieden: Der Rader. muss sich drei Jahre lang bewähren und sechs Monate lang in stationäre Therapie. Außerdem muss er 200 Sozialstunden ableisten. Macht er das nicht, muss er für ein Jahr ins Gefängnis. Das Gericht ist mit seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt. Strafmindernd war, dass der Mann von Anfang an gestanden hat und vor der Amokfahrt keine Vorstrafen hatte. Das Urteil ist rechtskräftig.

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Die Tat

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Wodka und Jägermeister gab's und Joints, am 1. Februar 2021, bevor der 24-jährige gegen 19 Uhr entschied "Ich hatte Bock, zu fahren". Ohne Führerschein, ohne Fahrzeug.

Der Arbeitslose ohne Ausbildung fand einen Traktor mit Schwing-Schneeschaufel, 15.000kg schwer. Das Fahrzeug sei offen gewesen und ein Schlüssel habe gesteckt. Er fährt los und startet eine Amokfahrt: Durch Zaun und Hecke in eine Garage, in mehrere geparkte Autos einer Wohnstraße. Schließlich stößt er mit dem VW-Bus des 47-jährigen Tischlers zusammen. Ein "Riesentraktor" sei um die Ecke geschossen gekommen, sagt der Zeuge, die Schaufel in Augenhöhe. "Mein erster Gedanke danach war, warum lebe ich noch?" Wäre sein VW-Bus ein PKW gewesen, wäre er vermutlich tot, mutmaßt der Richter.

Hat das Opfer bleibende Traumata? "Solange mir kein Schneepflug entgegenkommt, ist alles in Ordnung."

Der Angeklagte entschuldigt sich bei dem 47jährigen, der sich aber schwertut, die Entschuldigung anzunehmen.

Der Richter fragt: Warum haben Sie nie angehalten, nach keiner einzigen Kollision? "Vor lauter Panik habe ich immer mehr Scheiße gebaut, es noch schlimmer gemacht." Das erscheint dem Richter merkwürdig. Als die Polizei kam, habe er immerhin doch anhalten (und zu Fuß fliehen) können. Da müsse die Panik doch am größten gewesen sein.

Der Angeklagte benutzt immer wieder die Worte "Kurzschlussreaktion" und sagt "ich weiß nicht wieso", er beruft sich auf Erinnerungslücken. Sein Verhalten sei aber mit Alkohol alleine nicht zu erklären, sagt der Richter. "Das sitzt tiefer, als Haltung. In Kauf zu nehmen, in einem Wohngebiet um 19 Uhr Menschen zu schaden."

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Randgeschehen

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Ein ungeklärtes Thema bleibt der Schlüssel. Der Traktor-Halter beteuert, der Traktor sei verschlossen gewesen und ohne Schlüssel. Der junge Mann hatte aber einen Schlüssel, beschriftet mit einer Hallen-Nummer. Der Traktor-Halter will den Schlüssel nicht kennen und bleibt auch dabei, als er darauf hingewiesen wird, als Zeuge nicht lügen zu dürfen. "Millionen Schlüssel in Deutschland passen bei Traktoren."

Der Angeklagte war vor seiner Amokfahrt nicht vorbestraft, was strafmildernd gewertet wird. Nach der Amokfahrt ist er mehrfach verurteilt worden. In einem Fall, weil er eine Frau beschimpft hat ("verschrobene Alte, F****") und einen Mann bedroht ("ich bring dich um").

Einen Monat vor dem Prozess hat er eine Suchtberatung begonnen. Auffallend spät, wie der Richter betont.

Nach einer stationären Therapie habe er eine Festanstellung im Gartenbau in Aussicht, sagt der 24jährige.

Diese Therapie muss er nun machen und sich an alle weiteren Bewährungsauflagen halten, sonst vertut er die Chance, die ihm das Gericht heute gegeben hat.

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