
Das "Wikiprojekt Oberberg"
Am 15. Januar 2021 wird Wikipedia 20 Jahre alt.
Es waren etwa 15 - 20 Leute aus dem Bergischen, erzählt der bergische Wikipedia-Autor Norbert Bangert (Foto), die sich beim Wikipedia-Start zum "Wikiprojekt Oberberg" zusammengetan hatten. Ihr Ziel: Die kleinen Orte des Oberbergischen Kreises in die Wikipedia zu bringen. Das war keine einfache Angelegenheit, denn es gab einen breiten Widerstand anderer Autoren, die kleine Dörfer nicht relevant fanden.
Riesendiskussionen, es hat auch viel Kraft gekostet, aber irgendwann hat sich die Gruppe dann durchgesetzt und dann fingen andere an, das so ein bisschen nachzumachen.
So haben bergische Autoren den Weg frei gemacht für kleinste Ortschaften und andere regionale Dinge in Wikipedia!
Bis heute treffen sich bergische Wikipedia-Autoren zu Rundfahrten und Stammtischen, sie sind quasi eine Hobbygemeinschaft.
Bangert ist seit ca. 17 Jahren bei der Wikipedia dabei und hat seitdem um die 11.000 Bearbeitungen hinterlassen, also etwa drei pro Tag. Anekdoten kennt er deshalb genug:
Altenberger Dom oder Altenberger Stiftskirche?
Jeder kann Einträge auf Wikipedia vornehmen oder bearbeiten. Ein Klick auf "bearbeiten" genügt. (Allerdings muss die Bearbeitung eines noch neuen Autors zuvor von einem bewährten Wikipedia-Autor gesichtet und freigegeben werden, damit sie wirklich online erscheint.) Ein anonymer Autor hat laut Bangert einst alles dafür gegeben, den Altenberger Dom umzubenennen in "Altenberger Stiftskirche". Immer wieder hat er ihn umbenannt. Bergische Autoren benannten ihn zurück in "Dom". Er wieder in "Stiftskirche". Auf der Diskussionsseite wurde genau das getan: Wild diskutiert. Das Argument des anonymen Autors, sagt Bangert:
Weil es keinen Kardinal gab, ein Dom darf sich nur nennen, wer einen Kardinal hatte.
So ging das Hin- und Her. Gewonnen haben aber die bergischen Autoren.
Der Altenberger Dom hieß schon immer so. Der wurde auch immer so genannt. Und der heißt einfach so.
Das schlagende Argument hat einen Admin überzeugt, der den Titel schließlich sperrte.
"Der Verschiebe-Papst"
Ähnliches ist laut Bangert mit Papst Benedikt passiert. Der Ex-Papst Benedikt war der erste Papst, der zum Papst gewählt wurde, als es Wikipedia gab.
Einen Eintrag in Wikipedia hat er da schon gehabt: Als Kardinal Josef Ratzinger.
Kaum war bekannt, dass Ratzinger Papst wird, hat ein Kampf auf Wikipedia stattgefunden: Dutzende Autoren gleichzeitig wollten Ratzinger auf eine neue Seite "Papst Benedikt" verschieben. Weil man sich aber mit der Schreibweise noch nicht so sicher war und jeder Ratzinger woanders hin geschoben hat, entstand damals großes Chaos mit Bearbeitungskonflikten. Bis heute heißt Papst Benedikt deshalb bei Wikipedia-Autoren "Der Verschiebe-Papst".
Kampf um den schnellsten Eintrag oder: Wenn Promis sterben
Wenn ihr im Handy die Eilmeldung bekommt, dass der und der Promi gestorben ist... und ihr guckt auf Wikipedia. Dann steht das da immer immer immer schon drin! Wie kriegen die das hin?
Wikipedia-Autor Norbert Bangert hat es uns verraten: Es gibt durchaus den kleinen Wettkampf zwischen den Autoren, sagt er: Wer hat's zuerst geschrieben? Dafür haben einige immer den Blick auf Twitter, wo es die Meldungen meist zuerst gibt - und pflegen es dann sofort in Wikipedia ein.
Bergische Einträge
Wie gesagt, viele bergische Autoren sind seit vielen Jahren dafür verantwortlich, dass nahezu jedes kleine Dorf, jede bergische Eigenheit Einzug gefunden hat in die Wikipedia. Bangert nennt das Beispiel "Karrenstein",
drei Familien und ein Fußballplatz. Man weiß, wo man die Einwohnerzahlen findet, die Geschichte. Man googelt und gibt "Karrenstein" ein. Man stößt auf den Fußballplatz des FC Karrenstein
... der wegen seines leichten Gefälles gefürchtet ist bei den Gastvereinen.
Man nennt die Wanderwege, die durch den Ort führen. Ein Karrensteiner betreibt eine Homepage zum Ort, das wird auch noch verlinkt. Und schon haben Sie einen schönen Artikel!
Die bergische Waffel hat Bangert auf der Seite der "Bergischen Kaffeetafel" unterbringen können - auch nach Diskussionen.
Am Anfang hat einem wieder keiner geglaubt, dass da Milchreis draufkommt!