Musik / Backstage

Vielfalt ist Trumpf

Vicky Leandros feiert am 23. August ihren 60. Geburtstag

Lodz ist die drittgrößte Stadt Polens, besitzt heute über 700.000 Einwohner. Lodz ist eine Metropole. Dennoch: Es ist Vicky Leandros zu verdanken, dass man hierzulande den Namen der Stadt überhaupt kennt. Denn die Sängerin verewigte Lodz - durch den wohl markerschütterndsten Weckruf der deutschen Schlagergeschichte. "Theo, wir fahr'n nach Lodz" ist bis heute der bekannteste Hit der Griechin, die am 23. August ihren 60. Geburtstag feiert. Aber warum ausgerechnet Lodz? Sie darauf zu reduzieren, diese Frage zu stellen, verbietet sich eigentlich - angesichts des vielseitigen Schaffens von Vicky Leandros.

Der kleinen, am 23. August 1952 geborenen Vassiliki Papathanasiou wurde das Talent wohl auch in die Wiege gelegt: Ihr Vater Leandros hatte bereits unter dem Namen Leo Leandros als Sänger in Griechenland und auch Deutschland Karriere gemacht. Seine Tochter erhielt eine umfangreiche musikalische Ausbildung in Gitarre, Gesang und Ballett. Sechs Jahre nach ihrer Geburt zog die Familie nach Hamburg, drei Jahre später ließen die Eltern scheiden. Vicky blieb bei ihm und besuchte ein Gymnasium in der Hansestadt. Dem Erfolg der Tochter tat die Trennung keinen Abbruch: Schon 1965 landete das Mädchen von der Insel ihren ersten Hit mit "Messer, Gabel, Schere, Licht", es folgte ein sehr achtbarer vierter Platz beim Grand Prix Eurovision de la Chanson in Wien 1967, bei dem der Teenager für Luxemburg teilnahm.

Vielfalt ist Trumpf - und das beginnt schon bei der Sprache. Ihren Top-Hit "Après toi" sang Vicky Leandros auch auf Deutsch ("Dann kamst Du") und Englisch ("Come What May"). Der Song, an dem auch ihr Vater geschrieben hatte, verkaufte sich knapp sechs Millionen Mal weltweit. Und: Er wurde im März 1972 Sieger beim Grand Prix Eurovision de la Chanson in Edinburgh, wo Leandros wiederum für Luxemburg startete. Schon erstaunlich, wie selbstbewusst und elegant dieser 19-jährige Teenager den Song vortrug. Zwei Jahre später dann der Hit, mit dem die Künstlerin in Deutschland noch immer zuallererst in Verbindung gebracht wird: "Theo, wir fahr'n nach Lodz". Sicherlich nicht ihr stärkster Titel, aber eben höchst einprägsam.

Diese Frau gehört auf die Bühne - doch nur die Showbühne allein war ihr irgendwann zu wenig. Es gab Lieder auf Griechisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Holländisch, Japanisch und Spanisch. Es gab Erfolge in der ganzen Welt von Japan bis Kanada, unzählige Auszeichnungen und etliche Gold- und Platinschallplatten. Doch die politische Bühne reizte den Star, der bis heute über 55 Millionen Tonträger verkauft hat. Schon vor elf Jahren war sie als Kultursenatorin in Hamburg im Gespräch, fünf Jahre später sollte sie im Berliner Abgeordnetenhaus im CDU-Schattenkabinett Friedbert Pflügers mitarbeiten - doch Leandros lehnte ab. Was sie 2006 nicht tat, als sie sozialdemokratische Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Kultur und internationale Beziehungen wurde - im griechischen Piräus. Zwei Jahre später erklärte sie ihren Rücktritt. Sie hatte schlicht die Intensität ihres Politik-Jobs unterschätzt, pendelte permanent zwischen Berlin und Piräus hin und her. Und fehlte dennoch bei der einen oder anderen Abstimmung.

Mittlerweile hat Vicky Leandros nicht nur genug von der Politik, sondern auch von Berlin. In diesem Jahr ist sie wieder nach Hamburg "heimgekehrt". Die Hauptstadt sei sowieso nur ein Zwischen-Domizil gewesen, um Abstand nach der Trennung von ihrem Mann Enno Freiherr von Ruffin vor siebeneinhalb Jahren zu erhalten, sagte sie. "Die Lieben des Lebens werden kürzer. Liebe erfordert Arbeit, Toleranz, Vertrauen und Geduld, um sie zu erhalten und zu bewahren. Manchmal klappt es, manchmal leider nicht", erklärte Leandros vor sechs Jahren in der "Bild"-Zeitung. Zwei Töchter hatte sie mit ihrem zweiten Mann, Enno Freiherr von Ruffin. Aus erster Ehe stammt bereits ein Sohn, Leandraki. Es war wohl die schlimmste Zeit ihres Lebens, als der einstige Ehemann Ivan Zissiadis nach der Scheidung 1983 den Jungen nach Griechenland entführte. Erst nach zähen und langwierigen Gerichtsverhandlungen bekam die Mutter das Sorgerecht zugesprochen.

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Die zweite Ehe - mit der Heimat Gut Basthorst im südlichen Schleswig-Holstein - hielt 19 Jahre, und schmutzige Wäsche wurde nie gewaschen: privat ist privat. Die Familie, sagte Vicky Leandros nach der Trennung, sei dennoch das Wichtigste. Und das glaubt man der Frau, die seit der Heirat ihrer Tochter Milana im Juni auch "Schwiegermama" ist, sofort - schließlich hatte sie ihre Karriere zehn Jahre ruhen lassen, als sie die drei Kinder aufzog.

Inzwischen ist Leandros wieder voll im Geschäft: 2009 veröffentlichte sie "Möge der Himmel", eine Zusammenarbeit mit Soulstar Xavier Naidoo, 2010 das Album "Zeitlos". Und pünktlich zu ihrem 60. Geburtstag erscheint eine Fanbox namens "A Taste Of The Sixties" mit ihren ersten vier Alben aus den späten 60er-Jahren, garniert mit bisher unveröffentlichen Songs und vielen Fotos, Informationen und einem Poster. Und im kommenden April geht es dann auf große Europa-Tournee: "Ich liebe das Leben" wird die Konzertreihe heißen.

Sicher wird dann auch "Theo, wir fahr'n nach Lodz" auf dem Programm stehen. Ein Lied, das in der besungenen polnischen Stadt übrigens Kultcharakter besitzt, das so gut wie jeder Einwohner kennt, singt und pfeift. Warum? Der Titel besitzt eine lange Geschichte, die vermutlich bis zum Dreißigjährigen Krieg zurückgeht, der Titel war im Ersten Weltkrieg als "Rosa, wir fahr'n nach Lodz" ein österreichisches Soldatenlied. Aber dass Leandros daraus einen universellen, völkerverständigenden Schlager in mehreren Sprachen machte, ist aber eben nur eine ihre Lebensleistungen.

Vicky Leandros auf Deutschland-Tournee:

21.04.2013, Lübeck, Musik- und Kongresshalle

23.04.2013, Erfurt, Alte Oper

24.04.2013, München, Prinzregententheater

26.04.2013, Frankfurt, Alte Oper

29.04.2013, Stade, Stadeum

30.04.2013, Köln, Gürzenich

01.05.2013, Dortmund, Konzerthaus

02.05.2013, Düsseldorf, Tonhalle

05.05.2013, Leipzig, Gewandhaus

06.05.2013, Berlin, Friedrichstadt-Palast

07.05.2013, Hamburg, Laeiszhalle

Karl Brand

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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